Nur leise Laute

In der Stadt Genf sieht eine neue Regelung vor, dass Restaurants unter Umständen ­sogenannte Flüsterer einsetzen müssen, wenn die Gäste nach 22 Uhr zu laut sind. Die «chuchoteurs» bitten die zu lauten Kunden, etwas leiser zu sein. Auch Recycling­becher mit Pfand sind nach Mitternacht als mögliche Massnahme vorgesehen, damit es nicht so laut wird. Denn die Anwohner der belebten Strassen beklagen sich immer ­wieder über den hohen Lärmpegel.

Platz nehmen, aber nicht zu viel

Für ein Boulevardrestaurant braucht der Wirt eine Bewilligung, die auch die Anzahl der Tische festhält. Ausserdem gibt es ­Gemeinden, die am Boden Markierungen anbringen, damit der Spielraum klar definiert ist. Doch was, wenn ahnungslose Gäste zwei Tische zusammenschieben oder die Stühle verrückt haben, um die letzten Sonnen­strahlen zu erhaschen? Da wurde in ­Basel schon mal der eine oder andere Wirt verwarnt. Diesen Sommer gehe die Stadt pragmatischer ans Werk, heisst es von Wirten.

Die Allmendverwaltung von Basel-Stadt ­erklärt: «Die Behauptung, dass wir in Basel Markierungen für Tische und Stühle anbringen, stimmt nicht ganz. In der Innenstadt bringen wir an den Ausseneckkanten der bewilligten Boulevardflächen kleine Markierungswinkel an. Massgebend ist, dass sich die Einrichtungen innerhalb ­dieser Markierungen befinden.»  

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Drinnen ist es schön warm

Dass man nicht bis in alle Nacht in der Gartenbeiz herumjohlen darf, ist klar. In der Basler Innenstadt stellen manche Beizer aber gar keine Stühle mehr nach draussen, weil sie ihre Kundschaft kurz vor 22 Uhr nicht mit der Ansage verärgern wollen, man müsse jetzt nach drinnen zügeln. Laut Maurus ­Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt wird bei Gesuchen für Lokale mit Innenhof neu sogar eine Beschränkung auf 20 Uhr festgeschrieben. «Auch an Orten, wo es ­niemanden stört, wenns abends etwas laut ist – das ist vorauseilender Gehorsam.»

Das Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt erläutert in bestem Beamtendeutsch: «Das Bundesgericht hat schon ­verschiedentlich entschieden, dass Vollzugsbehörden davon ausgehen können, dass sie das Bundesgesetz richtig anwenden, wenn sie die Vollzugshilfe als Beurteilungsgrundlage verwenden. Die Vollzugshilfe ist unmissverständlich formuliert. Wir sehen hier keinen Spielraum, weder für sehr restriktive noch für sehr liberale Auslegungen.»

Die Stilpolizei kommt

Farblich einheitlich und möglichst stilvoll, so stellen sich die Gemeinden ihre Boulevard­cafés und -restaurants vor. Das bedeutet mancherorts das Ende für die kultverdäch­tigen günstigen weissen Plastikstühle aus ­einem Guss. In Basel, Bern und Luzern etwa sind sie geächtet oder zumindest nicht gern gesehen. In der Winterthurer Altstadt sind sie nur erlaubt, wenn sie «besonders gut ­gestaltet sind». In Visp im Wallis sind ­weder Plastikstühle noch Sofas erwünscht. So ­hocken die Gäste auf Holz- oder anderen Stühlen, deren harte Sitzflächen schon mal dafür sorgen, dass an gemütliches Sitzenbleiben nicht zu denken ist.

Die Gemeinde Visp begründet ihre Vorgaben: «Plastikstühle vermögen in ästhetischer Hinsicht nicht zu überzeugen. Grundsätzlich wird eine sich gut ins Ortsbild integrierende Möblierung der Gartenrestaurants gefordert. Sofas entsprechen diesen ­Vor­gaben nicht.»

Die Schirmherren vom Amt

Sonnenschirme sind nur vordergründig ­simple Schattenspender. Höhe und Breite sind meist vorgegeben, für die ganz grossen, die in den Boden eingelassen werden, benötigt der Wirt üblicherweise eine Baubewilligung. Auch bei der Farbgebung herrscht in vielen Städten verordnete Einheitlichkeit. Schirme dürfen in Strassencafés auch keine Werbeträger sein, ausser sie werben für die Beiz selbst. Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt hat Verständnis dafür, «dass man einen alten, gepflegten Stadtkern nicht wahllos verschandeln darf». Aber: «Wenn gleichzeitig Busse mit schreiend ­bunten Werbetafeln durch die Innenstadt kurven, haben wir den Eindruck, dass nicht mit ­gleichen Ellen gemessen wird.»

In einem Basler Regierungsratsbeschluss steht: «Das unabgestimmte Nebeneinander von unterschiedlichsten, teilweise sehr ­ausgefallenen, bezüglich Erscheinungsbild nicht immer sehr rücksichtsvollen oder ­ausgewählten Mobilien wirkt [...] billig.»

Immerhin: So weit wie in Barcelona geht noch niemand. Dort stellt die Stadt den ­Citywirten einen einheitlichen Stuhl-, Tisch- und Schirmtyp zur Verfügung.

Harmonie der Pflanzen

Palmen und lauschiges Grün würden in ­Strassencafés Feriengefühle aufkommen lassen. Visp legt eine ganze Liste mit ­passenden Pflanzen vor. Die Begrünung darf eine gewisse Höhe nicht überschreiten. Und sowieso gilt, etwa in Basel, Zürich und Winterthur: Pflanzen ja, aber nicht als ­Abschrankung rund um die Tische. Selbst für die Töpfe gibt es mancherorts Vorgaben: Plastik geht auch hier nicht, zum Beispiel in Visp. Passender sei gebrannter Ton, Eternit oder Beton. Und die Töpfe sollen doch bitte – das findet unter anderem die Stadt Luzern – in Material, Form und Farbe harmonieren.

Das Tiefbauamt der Stadt Zürich schreibt: «Pflanzenbehälter dürfen in Boulevard­cafés maximal die Masse 1 x 0,5 x 0,5 m ­haben, weil diese Volumen bei Bedarf ohne grossen Aufwand weggeräumt werden ­können. Pflanzen dürfen aus Sicherheitsgründen – etwa wegen Fluchtwegen – nicht höher als 1 Meter sein und nicht als Abgrenzung rund um das Café eingesetzt werden.»