Vehement wehrt sich der Wirteverband Gastrosuisse gegen ein gesetzliches Rauchverbot in Restaurants. Er setzt lieber auf freiwillige Massnahmen seiner Mitglieder, um den Nichtrauchern nicht länger den Appetit zu verderben. «Rauchfrei geniessen», heisst das Motto der Kampagne.

Doch Vorsicht: Obwohl «rauchfrei» eigentlich keiner Erklärung bedarf, schaffen es viele Beizer, dieses Wort höchst eigenwillig zu interpretieren. Und das mit dem Segen der Verbandsoberen, die in ihrem Internet-Gastroführer für die angeblich qualmfreien Restaurants werben.

Beispiel «Sternen» im aargauischen Oberbözberg. Wer hier ohne Tabakwolke unter der Decke tafeln will, tut gut daran, rechtzeitig zu reservieren: Rauchfrei sind einzig das Sitzungs- sowie das Spielzimmer. Und auch das «Walhalla» in St. Gallen ist lediglich auf den ersten Blick ein Paradies für Nichtraucher: Doch wer bucht schon ein Hotelzimmer, um ein Menü ohne Zigarettendunst zu essen? Dick trägt der «Bären» in Wilderswil BE auf, wenn er sich als gänzlich rauchfrei anpreist: In der Gaststube, die an Nichtraucherräume angrenzt, wird munter gepafft.

Gesund soll die Luft ebenfalls im Wintergarten des «Bären» in Ostermundigen BE sein – gleichwohl sind Raucher hier herzlich willkommen. «Der Teil, wo geraucht werden darf, ist gut belüftet, und Aschenbecher werden bloss auf Verlangen abgegeben», sagt Wirt Klaus Künzli. «Nur Nichtraucher-Fundamentalisten stören sich daran.» Die Antwort erstaunt nicht: Künzli ist Präsident von Gastrosuisse.

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