Liebe Naomi Campbell, Ihre Wutausbrüche sind legendär. Vor Gericht erklärten Sie reumütig, Sie hätten Ihr Handy nicht mit böser Absicht nach Ihrer Putzfrau geworfen, sondern aus einer tiefen Unsicherheit heraus. Trotzdem hat Ihnen der Richter fünf Tage gemeinnützige Arbeit aufgebrummt. Unter dem Spott der Öffentlichkeit mussten Sie bei der New Yorker Stadtreinigung Hinterhöfe und Toiletten schrubben.

Aber das ist Schnee von gestern. Kürzlich waren Sie in der Schweiz, und da hat es Ihnen so gut gefallen, dass Sie sich vorstellen könnten, hier Wurzeln zu schlagen. Das freut uns. Bedenken Sie aber, dass man bei uns die Angestellten nicht behandeln kann, wie es einem passt. Und seit Anfang Jahr haben wir ein neues Strafgesetzbuch, das neben gemeinnütziger Arbeit nun auch einkommens- und vermögensabhängige Bussen vorsieht. Bei uns wären Sie kaum mit fünf Tagen Malochen davongekommen. Bei Ihrem Einkommen hätten Sie bis zu 360 Tagesansätze von maximal 3000 Franken blechen oder während 720 Stunden Wälder entrümpeln müssen. Wer nicht werken mag, kann auch sitzen - das würde dann im Extremfall drei Jahre dauern (ohne Bewährung).

Um sich mit unserem Rechtssystem vertraut zu machen, empfehle ich Ihnen unseren Ratgeber «Alles, was Recht ist». Darin werden alltägliche Rechtsfragen leicht verständlich beantwortet. Beachten Sie besonders die Kapitel «Fragen im Arbeitsalltag» und «Im Clinch mit dem Staat». Dann leben Sie sich rasch bei uns ein.

Viel Erfolg, Gabriela Baumgartner

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