«Raserduell - 16-Jähriger musste sterben», titelte der «Blick» am 17. Juni 2004. Omar Stalder hiess der junge Mitfahrer im verunglückten Alfa Romeo, dessen 18-jähriger Lenker eine Woche nach dem Unfall im Spital ebenfalls starb. Zwei Jahre lang beschäftigte die Zürcher Strafjustiz die Frage: Trägt der Fahrer des am Rennen beteiligten BMW eine strafrechtliche Verantwortung für den sinnlosen Tod der beiden?

Juristische Finessen
Nein, hat das Obergericht in einem mittlerweile rechtsgültigen Appellationsurteil entschieden und damit das erstinstanzliche Verdikt bestätigt. Annemarie Stalder, Omars Mutter, brach sofort zusammen, als sie von diesem Entscheid in Kenntnis gesetzt wurde, und musste in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden.

Der Freispruch und die juristischen Finessen, die dazu führten, sind aus der Sicht von Annemarie Stalder völlig unverständlich. Für sie ist der BMW-Lenker am tragischen Tod ihres Sohnes genauso schuldig wie der Fahrer des Alfa Romeo. Als umso bitterer empfindet sie ein an sich nebensächliches Detail: Als unterlegene Anschlussappellantin wurde sie verpflichtet, dem BMW-Raser eine Prozessentschädigung von 450 Franken zuzüglich Mehrwertsteuer zu bezahlen.

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Mit Betreibung gedroht
Für die Stadtzürcherin war diese Anordnung ein absoluter Affront. Ihre erste Reaktion: «Es ist unfassbar! Neben dem ungeheuerlichen Leid, das mir und meiner Familie widerfahren ist, soll ich ihn für den Tod meines Sohnes jetzt auch noch bezahlen - nie und nimmer werde ich das tun!»

So eindeutig wie die Pflicht zur Bezahlung der Entschädigung, so verständlich ist die Empörung der betroffenen Mutter. Auf das Geld verzichten wollte der freigesprochene BMW-Lenker jedoch nicht. Stattdessen setzte sein Rechtsanwalt eine Zahlungsfrist an und drohte mit einer Betreibung.

Nachdem sich Annemarie Stalder vergewissert hatte, dass das Geld wenigstens an den Anwalt und nicht an seinen Mandanten gehen würde, bezahlte sie schliesslich zähneknirschend. Doch sie fragt entmutigt: «In welchem Rechtsstaat leben wir, wo Opfer bestraft und Täter gehätschelt werden?»