Die Sendung zum Thema Schmerzen wird den Verantwortlichen der «Gesundheit Sprechstunde» womöglich noch Bauchweh machen. Im Zentrum der Sendung von Mitte Oktober stand ein ­neues, rezeptpflichtiges Opiat gegen chronische Schmerzen. Der Beitrag, immerhin über sechs Minuten am Samstag­abend auf SF 1 ausgestrahlt, drehte sich ausschliesslich um den neuentwickelten Wirk­stoff ­Tapentadol. Dass der deutsche Pharma­konzern Grünenthal nicht nur die Sendung un­terstützte, sondern auch das neue Mittel her­stellt, wurde nicht deklariert. Im Gegenteil: Die Gesundheitssendung verschleierte die Quellen verschie­dener Informationen.

Bei Rezeptpflicht ist Werbung verboten

So diskutierte Moderatorin Jeanne Fürst mit einem Experten eine Umfrage zum The­ma Schmerzen. Es wurde mehrfach auf die Website www.change­pain.ch verwiesen. Moderatorin und Experte priesen besagte Website zudem, weil Betroffene dort «eine hilfreiche Broschüre» beziehen könnten. Dass dahinter der Sponsor Grünen­thal steht, erfuhren die Zuschauer nicht. Damit begibt sich «Gesundheit Sprechstun­de» auf dünnes Eis. Das vorbehaltlos emp­fohlene Opiat Tapentadol untersteht dem Betäubungsmittelgesetz und ist gemäss der Heilmittelkontrollstelle Swiss­medic verschreibungspflichtig. Brisant: Das Heilmittel­gesetz verbietet Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel.

Swissmedic-Sprecher Joachim Gross sag­te dem Beobachter: «Ein neues Opiat so anzupreisen verträgt sich nicht mit der Heilmittelgesetzgebung.» Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) prüft derzeit laut Sprecherin Deborah Murith, ob es ­gegen «Gesundheit Sprechstunde» ein Verfahren wegen Verstosses gegen die Werbe- und Sponsoringvorschriften eröffnen soll.

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«Quellenangabe für ausreichend gehalten»

Hans Jürg Deutsch, beim Medienhaus Ringier verantwortlich für «Gesundheit Sprech­stunde», sieht sich im Recht: «Ich habe mich in der Sendung an die Richtlinien der Swissmedic gehalten.» Für ihn habe journalistische Relevanz den Ausschlag gegeben, Tapentadol zu thematisieren. Zum ersten Mal seit 25 Jahren habe ein neuer Wirkstoff mit überzeugenden Resultaten zur oralen Schmerzbehandlung entwickelt werden können, so Deutsch.

Auf den Vorwurf, dass sich die Sendung mehrfach auf eine Internetseite stützte und die effektive Quelle – den Pharmakonzern Grünenthal – den Zuschauern vorenthielt, sagt er: «Ich habe die Quellenangabe für ausreichend gehalten.» «Gesundheit Sprech­stunde» habe am Anfang der Sendung den Pharmakonzern unter «weitere Spon­soren und Produktplatzierung» eingeblendet, womit den Vorschrif­ten des Bakom Genüge getan sei. Die Rolle von Grünenthal bleibt unklar. Der Konzern betont, «weder einen ­Produktplatzierungs- noch einen Sponsorbeitrag» geleistet zu ha­ben. Man habe nur grafisches Material geliefert.

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Die Sendung wurde schon mehrmals gerügt

Den heiklen Übergang von Sponsoring zu Schleichwerbung müsste Deutsch eigentlich kennen: Er gerät nicht zum ersten Mal ins Visier der Überwachungsbehörden. Ein Verfahren wegen einer anderen «Gesundheit Sprechstunde»-Sendung ist zurzeit hän­gig, es soll gemäss Bakom noch vor ­Ende Jahr abgeschlossen sein. Im September berichtete der Beobachter zudem, wie die Sendung einer PR-Agentur an­geboten hatte, gegen einen fünfstelligen Be­trag ein bestimmtes rezeptpflichtiges Medi­kament zu thematisieren (siehe Artikel zum Thema).

Im vergangenen Jahr kam das Bakom zum Schluss, «Gesundheit Sprechstunde» habe 2007 und 2008 mehrfach die Werbe- und Sponsoringbestimmungen des Radio-­ und Fernsehgesetzes verletzt. Im Oktober 2006 wurde Deutsch als verantwortlicher Leiter sogar persönlich zu einer Busse von 5000 Franken (plus 5000 Franken Verfahrenskosten) verurteilt – wegen mehrfacher «fahrlässiger schwerer Verletzung» des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen. Deutsch, so kam das Bakom damals zum Schluss, habe unter anderem der Lungenliga in der Sendung einen ausgiebigen und exklusiven Auftritt gegen Entgelt gewährt. Die betreffende Sendung selber war vom Bakom bereits ein Jahr zuvor gerügt worden.

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