«Es ist eine Genugtuung», sagt Henry Dobler, nachdem das Solothurner Obergericht im Fall des Deckeneinsturzes von Gretzenbach auch seine Beschwerde teilweise gutgeheissen hat. Feuerwehrmann Dobler wurde vor eineinhalb Jahren schwer verletzt, als beim Brand einer Tiefgarage die Decke infolge von Baumängeln einstürzte. Sieben seiner Kollegen starben.

Das Urteil des Solothurner Obergerichts ist bemerkenswert: Zwar waren die Baumängel zum Zeitpunkt des Dramas verjährt, nicht aber «die unterlassene Beseitigung des gefährlichen Zustandes». Der Staatsanwalt muss erneut ermitteln.

Die Sicherheit des Anfang der neunziger Jahre erstellten Garagendachs lag 61 Prozent unter der geforderten Norm. Obwohl Briefe belegen, dass die Bauspezialisten dies wussten, konnten sie wegen der kurzen Verjährungsfrist für Spätschäden nicht belangt werden. Der Richterspruch mischt die Karten neu: Bis zum Unfalltag hätte man über die Mängel informieren können. Den Verantwortlichen drohen jetzt Schadenersatzforderungen.

Um Opfer von Baupfusch besser zu schützen, reichte Nationalrätin Bea Heim (SP/SO) eine parlamentarische Initiative ein, die sich auch auf Beobachter-Recherchen stützt. Neu soll die Verjährung wie in anderen europäischen Staaten ans Unglücksdatum geknüpft werden.

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