Seit der Buchung im März freuten sich Margrit und Hans-Ulrich Keller aus Grosshöchstetten BE auf die Herbstferien: zwei Wochen in einem Drei-Zimmer-Bungalow in einem Feriendorf in der Toskana. 1'886 Franken bezahlten sie fristgerecht an die Vermittlungsfirma Imotours. Doch fünf Tage vor Abreise meldete sich die Besitzerin des Feriendorfs: Imotours habe das Geld nicht weitergeleitet - wenn Kellers trotzdem anreisen wollten, müssten sie ein zweites Mal bezahlen. Als sie sich bei Imotours beschweren wollten, kam das böse Erwachen. Die Telefonleitung ist tot, die Internetseite verschwunden, das Geschäft in Bern versiegelt.

Wie Kellers geht es zahlreichen anderen Kunden. Bei Konkursverwalter Marcel Walthert vom Konkursamt Bern-Mittelland steht das Telefon kaum mehr still, so viele Geschädigte der Ernst Leuenberger Imotours GmbH haben sich in den vergangenen drei Wochen gemeldet. Ihnen allen kann Walthert nichts Erfreuliches berichten: «Die Abklärungen laufen noch, bislang haben wir aber praktisch keine flüssigen Mittel gefunden.» Anders gesagt: Das Geld ist weg. Formell hätten die Betroffenen zwar aufgrund der Mietverträge ein Anrecht auf die Wohnungen, doch lässt sich dies vor Ort kaum durchsetzen.

Denn geprellt sind nicht nur die Gäste, sondern auch die Besitzer der von Imotours vermittelten Ferienwohnungen. «Zu Beginn lief es gut, und unsere Wohnung im Tessin war auch gut ausgelastet», sagt eine Zweitwohnungsbesitzerin. Aber plötzlich floss kein Geld mehr, und auf Mails und Anrufe reagierte Imotours nicht mehr. Ihr Schaden: mehr als 5500 Franken.

Wie konnte es überhaupt zum Konkurs kommen? Konkursverwalter Marcel Walthert will sich nicht konkret darüber äussern, ob es Anzeichen für strafbare Handlungen gibt, hält aber fest: «Die Abklärungen wurden ausgeweitet.» Einige Betroffene haben Strafanzeige wegen Betrugs eingereicht. Immerhin ein Gerücht kann Walthert dementieren: Ernst Leuenberger sei «nicht einfach nach Spanien abgehauen», wo er eine weitere Ferienhausvermittlung besitzt. Er sei mit Erlaubnis der Behörden dorthin gereist und sei dort jederzeit erreichbar. Allerdings nicht für den Beobachter: Sämtliche Anfragen blieben unbeantwortet.

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