Eine Teilzeitangestellte erlitt zweimal ein Schleudertrauma. Während der IV-Abklärungen wurde die Frau Mutter. Sie machte geltend, dass sie ohne die beiden Unfälle und trotz Kind wieder Vollzeit gearbeitet hätte. Die IV-Stelle hielt das für glaubhaft, sprach der Frau aber aufgrund eines medizinischen Gutachtens nur eine halbe IV-Rente zu.

Die Frau erhob Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau. Dieses zweifelte an der Zuverlässigkeit der IV-Abklärung, da die Frau zu jenem Zeitpunkt bereits eine Anwältin gehabt habe. Es nahm an, die Frau wäre als Mutter höchstens noch zu 50 Prozent erwerbstätig und würde sich im Übrigen der Haus­arbeit widmen. Der so errechnete IV-Grad wäre zu tief für eine IV-Rente. Die Frau gelangte ans Bundesgericht.

Akten zu wenig genau geprüft

Gemäss den Bundesrichtern spricht eine anwaltliche Vertretung nicht per se gegen die Zuverlässigkeit der IV-Abklärung. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Frau gelogen habe. Im Gegenteil: Die Thurgauer Richter hätten offenbar die Akten nicht vollständig geprüft. Aus­bildung, beruflicher Werdegang, Kinderbetreuungsplatz und Lebensumstände lassen laut Bundesgericht darauf schliessen, dass die Frau als Gesunde in Vollzeit arbeiten würde.Gitta Limacher

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Bundesgericht, Urteil vom 25. November 2013 (8C_265/2013)