Schneebälle geraten gegenwärtig ge­rade etwas aus der Saison. Vergessen sollte man ihr kriminelles Potenzial trotzdem nicht: Sie sind schnell geformt, schnell geworfen – und was wie ein Schneeball aussieht, erweist sich am Ende seiner Wurfbahn womöglich als hart aufschlagender Eisblock. Wobei sich hier die Definitionsfrage nicht immer einfach beantworten lässt. Denn ab wann ist ein Schneeball nicht mehr bloss ein etwas fest geratener Schneeball, sondern ein dürftig gepolsterter Eismocken?

Die Ermittlungen dauerten fünf Jahre

Genau darum ging es kürzlich in einem Prozess im Kanton Waadt. Angeklagt waren neun junge Männer, die in einer Januarnacht vor fünf Jahren dabei gewesen sein sollen, als gegen zwei Uhr morgens in der Altstadt von Yverdon über 50 Jugendliche aufeinander losgingen – bevor sich die stark betrunkene Meute dann geschlossen eine Schlacht mit 35 ausgerückten Gendarmen lieferte.

Freilich bloss eine Schneeballschlacht, beschwichtigen die Angeklagten: Ein Prozess sei «ein bisschen viel für ein paar Schneebälle», klagt einer von ihnen gegenüber der Zeitung «24 heures». Er habe damals bloss «zwei oder drei Schneebälle» geworfen und sei dann nach Hause ge­gangen. Auch die übrigen zeigten sich «schockiert» über die Anklage.

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Die Staatsanwaltschaft dagegen will von harmlosen Schneebällen nichts wissen. Nach fünf Jahren Ermittlungen und 65 Zeugeneinvernahmen steht für sie fest: Was sich damals in den Strassen Yverdons abspielte, war Aufruhr und Widerstand gegen die Staatsgewalt – und zwar unter eifriger Zuhilfenahme von Eisblöcken, die auf die Polizisten eingeprasselt seien wie Projektile und einen der Beamten im Gesicht verletzt hätten. Für acht der Angeklagten verlangte sie eine Haftstrafe.

Zu welchem Urteil das Gericht kommt, blieb bis Redaktionsschluss offen. Sicher aber ist: Schneebälle beschäftigen die Behörden auch anderswo. In Belgien etwa verbot der Bürgermeister der flämischen Gemeinde Wingene 2013 das Schneeballwerfen, nachdem sich im Nachbardorf ­eine ältere Dame wegen eines Treffers schwere Verletzungen zugezogen hatte. Die Busse beträgt 100 Euro pro Ball, verzeigt wurde bislang noch niemand.

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Warum nicht einfach «Yukigassen»?

Einen anderen Ansatz wählen die Japaner. Sie lenken den menschlichen Drang, mit Schnee um sich zu werfen, in sportliche Bahnen und spielen «Yukigassen» – ein Wettkampf, der im Wesentlichen darin besteht, dass sich zwei Mannschaften zu je sieben Spielern in einem abgesteckten Feld mit Schneebällen beschiessen. Jedes Team verfügt über 90 vorgefertigte Schneebälle, gespielt wird mit Helm und unter Aufsicht eines Schiedsrichters; über Verletzungen ist nichts bekannt. Dies als kleiner Denkanstoss für die Jugend Yverdons. Denn der nächste Winter kommt bestimmt.