Ein 60-Millionen-Schloss bewohnen und zugleich pleite sein? Was unmöglich scheint, ist kein Problem für Rolf Erb. Der Kopf der ehemaligen Erb-Gruppe wohnt seit 2004 auf Schloss Eugensberg am Bodensee. Bevor sein Imperium mit über 80 Firmen zusammenbrach, hat er das Anwesen vorsorglich auf seine beiden Kinder übertragen lassen.

Vor bald fünf Jahren hatte Erb Privatkonkurs angemeldet und Schulden von über zwei Milliarden Franken hinterlassen. Seither ist wenig geschehen. Die auf 2008 angekündigte Strafklage steht noch immer nicht. «Man hätte längst eine Anklage wegen Bilanzfälschung erheben können», ärgert sich Rechtsanwalt Michael Werder, einer der Liquidatoren des Unternehmens. Ob die Übertragung des Schlosses an Erbs Kinder rückgängig gemacht werden muss, ist noch nicht einmal von der ersten Instanz entschieden.

Eine Verzögerung gab es auch, weil Erb ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gestellt hatte, das allerdings in erster Instanz abgewiesen wurde. «Er nützt den Rechtsstaat in extremis aus», sagt Anwalt Kurt Stöckli von der Transliq AG, die das Verfahren um Schloss Eugensberg für die Gläubiger führt. Sollte Rolf Erb bis vor Bundesgericht gehen, bleiben ihm noch einige Jahre in fürstlicher Umgebung.

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Von Verschleppung der Untersuchungen will Staatsanwältin Susanne C. Leu nichts wissen: «Das Verfahren ist weit fortgeschritten.» Es gehe auch um Betrug, Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsbesorgung, «die ganze Palette von Konkursdelikten mit internationaler Verflechtung». Dass Erb sich in die Verjährung flüchten könnte, schliesst Leu aus. Wann es zur Anklage kommt, kann sie aber nicht sagen.

Derweil rätseln noch immer alle, woher der Konkursit die Mittel für den Unterhalt des Schlosses hat. «Dazu kann ich nichts sagen», sagt die Staatsanwältin. Ernsthafte Bemühungen, die Herkunft dieser Mittel zu klären, gab es allerdings noch keine.