Während Jahren duldete der Kanton Bern Naturärzte ohne Berufsbewilligung – ein entsprechendes Regelwerk fehlte. Dass dieses Vakuum nun mit Richtlinien gefüllt wird, ist löblich. Stossend hingegen ist das Vorgehen der Berner Gesundheitsdirektion respektive des zuständigen Kantonsarztamts: Wer im Bernbiet bislang mit Naturmedizin – etwa als Homöopath, Akupunkteurin oder Osteopath – den Lebensunterhalt verdient hat, dem droht nun von einem Tag auf den andern ein faktisches Berufsverbot.

Auch Irma Flury (Name geändert) darf trotz 13-jähriger Berufspraxis eigentlich nicht praktizieren. Im März 2004 hatte die Homöopathin ihr Gesuch um Berufsbewilligung eingereicht. Mehr als ein Jahr später erhielt sie abschlägigen Bescheid – es fehlten Ausbildungsstunden. Eine Übergangsfrist wurde ihr nicht gewährt. Dass Irma Flury dennoch weiter arbeiten kann, verdankt sie dem Umstand, dass sie ihr Gesuch erneut eingereicht hat.

«Wir empfehlen den Betroffenen, Rekurs einzulegen, da dieser aufschiebende Wirkung hat und sie dann weiterpraktizieren können. Schliesslich geht es um die Existenz dieser Leute», sagt Edgar Ilg, Geschäftsführer der Naturärzte-Vereinigung der Schweiz. Er weiss von «50 bis 100» ähnlich gelagerten Fällen.

Dass sich die Verfahren verzögerten und so wertvolle Zeit zum Auffüllen der Ausbildungslücken verstrich, erklärt der zuständige Kantonsarzt Hans Gerber mit der grossen Anzahl Gesuche und dem Umstand, dass erst eine Fachkommission konstituiert werden musste. Und das Problem der Übergangsfristen? «Die können nicht gewährt werden, weil die Berufsausübung für Naturärzte bis Anfang 2002 illegal war.»

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