Sandro Stroppa ist stinksauer. «Da ist wieder einmal ein Gesetz geschaffen worden, das weit übers Ziel hinausschiesst», wettert der Präsident des FC Effretikon. Künftig müssen Kinder bis zwölf Jahre im Auto in einem Kindersitz mitfahren. Der Bundesrat hat die Alterslimite um fünf Jahre erhöht. Das biete mehr Schutz bei Unfällen. Wer sich nicht dran hält, riskiert ab April eine Busse von 60 Franken.

Stroppa hat keinen Schimmer, wer dann an Wochenenden seine Fussballjunioren an die Auswärtsspiele fährt. Bislang besorgen das die Eltern der Kinder mit ihren Privatautos ehrenamtlich. «Ich kann von den Eltern doch nicht verlangen, drei oder vier Kindersitze mitzunehmen», sagt Stroppa. Ein eigener Mannschaftsbus ist für den Verein zu teuer.

Allein im Schweizer Fussball sind rund 60'000 Junioren betroffen, im Handball sind es laut Verband «mehrere tausend». «Unsere Vereine haben ohnehin schon Mühe, genügend Eltern zu finden, die die Junioren mit ihren Privatautos transportieren», klagt Reinhard Zweifel, Präsident des Fussballverbands Region Zürich.

Lieber eine Busse riskieren

Das neue Regelwerk ist nicht nur ärgerlich, sondern auch kompliziert. Ein Knirps, der jünger als zwölf, aber grösser als 1,50 Meter ist, darf nämlich weiterhin ohne Kindersitz mitfahren. Und je nach Gewicht ist eine Babyschale, ein Kindersitz oder ein Sitzpolster vorgeschrieben. Sandro Stroppa will diesen bürokratischen Wirrwarr einfach ignorieren und die Busse in Kauf nehmen.

Die Sportvereine trifft die verschärfte Kindersitzpflicht ausserdem völlig unvorbereitet. «Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt», sagt Marco von Ah, Sprecher des Schweizerischen Fussballverbands. Der Verband mit seinen 250'000 Mitgliedern sei in der Vernehmlassung nicht angehört worden. Deshalb fordert er jetzt von Bundesrat Moritz Leuenberger in einem Brief, die neue Regelung «zu überdenken».

Diese wurde bereits Anfang Februar erstmals aufgeweicht: In älteren Autos mit Beckengurt (statt mit modernem Dreipunktgurt) dürfen Kinder ab sieben Jahren weiterhin ohne Kindersitz mitfahren. Grund: Es gibt auf dem Markt gar keine solchen Sitze für diese Altersklasse. Das zuständige Bundesamt für Strassen hatte dies schlicht übersehen.

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