In ihrem Entwurf für ein neues Bundesgesetz über internationale Kindsentführungen legt die Expertenkommission vermehrt Gewicht auf die Interessen der Kinder. Die Berner SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot stellt den Experten ein gutes Zeugnis aus. Nach der zwangsweise durchgeführten Rückführung der Geschwister Melissa und Jamie Wood zu ihrem Vater nach Australien (siehe Artikel zum Thema «Fall Wood: ‹Man kann das als List bezeichnen›») hatte die Politikerin in einem Postulat einen stärkeren Kinderschutz gefordert.

«Das Kind war bloss eine Ware»
Künftig sollen die Kinder ernsthaft angehört und im Verfahren durch einen eigenen Anwalt vertreten werden. Für Rechtsanwalt Stefan Blum, Initiator des Vereins Kinderanwaltschaft Schweiz, ist dies «ein markanter Fortschritt» für die Kinderrechte: «Zum ersten Mal ist eine Kindesvertretung vom Gesetzgeber vorgesehen.» Auch Nationalrätin Vermot begrüsst den Sinneswandel: «Bislang war ein Kind bloss eine Ware, die beliebig von einem Land zum anderen geschoben werden konnte.»

Die Anträge um die Rückgabe entführter Kinder sollen in jedem Kanton nur noch durch eine einzige Instanz beurteilt werden. Dadurch sollen die Verfahren von heute durchschnittlich zehn Monaten auf sechs reduziert werden. Der Entscheid kann wie bisher beim Bundesgericht angefochten werden.

Die Gerichte müssen sich auch vergewissern, welche Verhältnisse das Kind bei seiner Rückkehr vorfindet. Unzumutbar ist der Vollzug dann, wenn es nicht dem im Herkunftsland lebenden Elternteil anvertraut werden kann. Die Geschwister Wood lebten bisher in drei verschiedenen Pflegefamilien und mussten so mehrmals die Schule wechseln. Nur die ersten Pflegeeltern sprachen Deutsch. Mutter Maya Wood steht hinter der Vorlage: «Ich freue mich für alle anderen Kinder.»

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