Erich Derungs* dachte sich nichts dabei, als er beim Spielen mit den Enkelkindern eine Metallkiste in seinem Garten in Oberwil BL fand. Einige Tage zuvor war die Metallabfuhr da gewesen. Derungs glaubte, jemand habe den Termin verpasst und deshalb einen rostigen, alten Briefkasten in seinem Garten entsorgt. Als er aber an dem Ungetüm ein Zahlenschloss entdeckte, war das Erstaunen gross: Das Fundstück war ein Tresor.

Derungs alarmierte die Polizei, und diese hatte bereits eine Vorahnung: «Der Beamte erzählte mir, dass der Safe wohl einem meiner Nachbarn gestohlen worden sei und dass sich darin Schmuck im Wert von einer halben Million Franken befinde.»

Was, ein Finderlohn von 20'000 Franken?

Der Besitzer des gestohlenen Tresors ­freute sich über den ehrlichen Finder und bedankte sich herzlich. Freunde von Derungs wiesen ihn später darauf hin, dass ihm doch eigentlich ein Finderlohn zustünde. «Bis dahin hatte ich mir keine Gedanken dazu gemacht, war nur froh, dieses Ding aus meinem Garten wegzuhaben», sagt Derungs. Nun aber wollte er es genau wissen und erkundigte sich bei einem Richter. Dieser erklärte, dass er mit einem Finderlohn von rund 20'000 Franken rechnen dürfe. Ein anderer Jurist sagte, ihm stünden zehn Prozent des Werts zu.

Nun, da es um Geld ging, war der Tresorbesitzer plötzlich nicht mehr so gut gelaunt. Er behauptete, dass der Safe keinen Schmuck, sondern lediglich wichtige Papiere enthalten habe, für Aussenstehende wertlos. Damit nicht genug: «Plötzlich wollte er mich dafür haftbar machen, dass ich den Fund nicht sofort der Polizei gemeldet hätte und dass der Tresor deshalb im Garten kaputtgegangen sei», empört sich Erich Derungs. Statt einer Anerkennung drohte nun sogar eine Rechnung.

Eine solche bekam Derungs dann doch nicht, sondern eine Flasche Champagner und eine grosse Schachtel Luxemburgerli. Damit hat er tatsächlich mehr bekommen, als ihm rechtmässig zugestanden wäre. Denn da es sich beim Tresor um Diebesgut handelte, konnte er im juristischen Sinn gar nicht «gefunden» werden – womit auch ein Finderlohn kein Thema war.