Forellen, Äschen, Egli, Saiblinge, Felchen, Hechte, Aale und Karpfen: Auf den ersten Blick bieten die Schweizer Gewässer eine reiche Auswahl an frischem Fisch. Doch der Schein trügt. «So viel Fisch, wie ich im letzten Winter hätte verkaufen können, gibt es bei uns gar nicht», sagt der Berufsfischer Fritz Hulliger. Er wirft seine Netze im Zürichsee aus. Doch zurzeit bleibt sein Boot fast leer – vor allem wenn er auf Felchenfang ist.

In Schweizer Gewässern ist immer weniger zu holen, das zeigen auch die Statistiken: Wurden im Jahr 1990 noch 2031 Tonnen Fisch gefangen, so sind es heute nur noch magere 1600 Tonnen.

Die Lust der Konsumentinnen und Konsumenten auf Fisch hingegen steigt. Insgesamt wurden im letzten Jahr fast 56'000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte importiert. Rund 7000 Tonnen stammten aus Flüssen und Seen. Gleichzeitig sinkt der Anteil der inländischen Fische: Nur noch jeder fünfte Süsswasserfisch auf unseren Tellern stammt aus der Schweiz.

Feinschmeckerlokale räumen ab
«Es hat keinen Sinn, darüber zu lamentieren», sagt Fritz Hulliger. «Die Nachfrage ist riesig, doch wir können nicht liefern. Deshalb braucht es den Import.» Schweizer Fisch ist mittlerweile eine gesuchte Rarität, und der Kampf um die wenigen Stücke ist hart. In der Regel machen die renommierten Fischrestaurants das Rennen. Gewöhnliche Gaststätten, Lebensmittelgeschäfte und Grossverteiler haben kaum eine Chance.

Anzeige

Dennoch können die Konsumenten das ganze Jahr Süsswasserfisch kaufen: getrocknet, geräuchert, gesalzen oder tiefgefroren. Die Produkte stammen aus Irland, Skandinavien und den ehemaligen Ostblockstaaten.

Weil die Berufsfischer in den Oststaaten für Hungerlöhne arbeiten und umweltschützerische Auflagen praktisch fehlen, sind die Importfische sehr billig zu haben. Zwar existiert auch für Fischprodukte eine Deklarationspflicht. Wird jedoch ausländischer Fisch in der Schweiz verarbeitet, verwandelt er sich automatisch in ein «Schweizer Produkt». Deshalb fordert die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), dass auf allen Produkten Herkunfts- und Verarbeitungsland deklariert wird. «So würde mehr Klarheit geschaffen», sagt SKS-Geschäftsführerin Jacqueline Bachmann. Sie hofft, dass ihre Vorschläge in der neuen Lebensmittelverordnung Platz finden.

Anzeige

Fischer Fritz Hulliger sieht andere Möglichkeiten, um endlich wieder mehr echten Schweizer Fisch in die Läden und Restaurants zu bringen. «Die Schweiz sollte mehr in die Aufzucht von Jungfischen investieren, die dann in den Seen ausgesetzt werden.» Stattdessen werde aber gespart, und die Versetzung von Fischen von einem See in einen anderen sei verboten.

Der Hauptgrund für den Fischrückgang liegt aber in der veränderten Umwelt: Erhöhte Wassertemperaturen, die Störung der Laichgründe durch Uferverbauungen und Chemikalien machen vielen Fischen den Garaus. Allen voran den Forellen.

Berufsfischer sterben aus
Felchen wiederum finden nicht mehr genügend Nahrung. «So komisch es tönt, aber als unsere Seen noch nicht so sauber waren, hatten wir mehr Fische», sagt Fritz Hulliger. Vor allem Felchen sind früher dank dem vielen Plankton rascher gross geworden. Wurden in den siebziger Jahren noch über 1000 Tonnen Felchen pro Jahr gefangen, waren es Ende der neunziger Jahre nur noch knapp 700 Tonnen.

Anzeige

Aber nicht nur die Fangquoten gehen rapid zurück, auch die Anzahl der Berufsfischer wird kleiner: Ende der neunziger Jahre warfen noch gut 240 Mann ihre Netze aus, rund 100 weniger als Ende der siebziger Jahre. Für den 40-jährigen Fritz Hulliger, der in der dritten Generation als Berufsfischer tätig ist, eine tragische Entwicklung: «Ich glaube an die Zukunft, obwohl es schwierig wird in meinem Beruf.»