Die stolze Summe von 1,37 Millionen Franken hat Guido A. Zäch laut dem Urteil des Appellationsgerichts Basel-Stadt veruntreut. Schadenersatzklagen gegen den Chef des Paraplegiker-Zentrums in Nottwil LU scheinen programmiert, wenn das Bundesgericht das Urteil bestätigt: «Die Geschädigten können Schadenersatz verlangen», sagt der Zürcher Privatrechtsprofessor Hans Michael Riemer.

Das Appellationsgericht ging von mehreren Geschädigten aus: die Paraplegiker-Stiftung, von der Zäch fünf Promille der Spenden als Lohn bezog; die Gönnervereinigung, die nicht nur diese Lohnregelung mitabsegnete, sondern dem Arzt ein Haus vermietete und einen Teil der Nebenkosten übernahm; Unternehmer Stephan Schmidheiny sowie Rudolf und Alexandra Sprüngli, deren Spenden über total 400'000 Franken vom Arzt vorübergehend für private Zwecke verwendet worden seien.

Macht der Richterspruch Sinn?
Doch keiner der Betroffenen will von Zäch geschädigt worden sein. «Er zahlte eine Miete von 60'000 Franken pro Jahr für das Haus und damit 20'000 Franken mehr, als durch Schätzungen festgelegt worden war», sagt Silvia Buscher, Vertreterin des Stiftungsrats in der Gönnervereinigung; damit seien die Nebenkosten pauschal mit der Miete abgedeckt gewesen. Auch sieht sie keinen Schaden in der Fünf-Promille-Regel: «Zäch hätte für die gesamte Geschäftsleitung einen Lohn fordern können, der viel höher gewesen wäre.» Bleiben noch die Spender, die ebenfalls keinen Schadenersatz geltend machen. Alexandra Sprüngli: «Wir fühlen uns überhaupt nicht geschädigt.»

Macht der Basler Richterspruch also gar keinen Sinn? Der Zürcher Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch verneint: «Für mich ist das Urteil des Appellationsgerichts nachvollziehbar.» Strafrecht und Zivilrecht seien halt zwei Paar Schuhe. Der Staat müsse bei Veruntreuungen strafrechtlich von Amts wegen ermitteln, auch wenn niemand eine Anzeige mache. Ein Zivilrichter hingegen habe eine Schadenersatzklage nur zu prüfen, wenn jemand klagt.

Gönnervereinigung und private Spender können von einer Schadenersatzklage absehen, die Paraplegiker-Stiftung aber nicht. «Verzichtet die Stiftung auf eine Schadenersatzklage, müsste die Stiftungsaufsicht des Bundes einschreiten», so Rechtsprofessor Riemer. Hans Jürg Deutsch, Stiftungsrat der Paraplegiker-Stiftung, macht dies ratlos: «Wir wissen nicht, was der einklagbare Schaden wäre.»

In dieser Sache ist der Stiftungsrat befangen, da Guido A. Zäch noch immer in diesem Gremium sitzt. In einem allfälligen Zivilverfahren müsste ein unabhängiger Sachwalter aktiv werden. Dafür zu sorgen hätte die Stiftungsaufsicht des Bundes. Doch zum Fall Zäch will die Kontrollbehörde derzeit keine Stellung nehmen – weil das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.