Sie waren 37 Jahre lang ein Paar – «ohne viel Aufhebens zu machen»: Constantin Zuppiger, Architekt, und Philipp V., Versicherungsexperte, bewohnten zwei Wohnungen im gleichen Haus. «Mich beeindruckte seine Neugier in künstlerischen Dingen; er war ein absolut ehrlicher Mensch.» Zuppiger hatte bei seinem Freund ein Arbeitszimmer in Untermiete bezogen. «Von unsrer Homosexualität wusste nur, wer es wissen musste.»

Am 2. Dezember 1998 starb Philipp V. auf dem Weg zur Arbeit: Herzstillstand. Alle Rettungsversuche waren umsonst.

«Bei all den amtlichen Formalitäten war ich eine Nullperson», sagt Constantin Zuppiger. Er hatte ab sofort keinen Zutritt mehr zu seinem Arbeitsraum. Die beiden waren ohne einen gemeinsamen Mietvertrag ausgekommen. Ein Testament hatte Philipp V. nicht verfasst. Das Sparkonto ging an seine Brüder; ein Rentenanspruch seines hinterbliebenen Partners stand überhaupt nicht zur Debatte.

«Als Philipp noch lebte, interessierten sich seine Brüder kaum für ihn. Das änderte sich mit dem Tod schlagartig.» Zuppiger musste bei jedem fraglichen Gegenstand beweisen, dass er ihm gehörte. «Für die teuersten Möbel hatte ich zum Glück die Quittung.» Nach den Erbformalitäten erlitt Zuppiger einen Zusammenbruch; er ist in psychiatrischer Kontrolle.

Ein neues Gesetz soll Katastrophen dieser Art zuvorkommen. Mitte Jahr anerkannten beide Parlamentskammern, dass homosexuelle Paare in Zukunft ihre Lebensgemeinschaft auf dem Zivilstandsamt registrieren lassen können. Insbesondere im Steuer-, Erb- und Sozialversicherungsrecht sind sie damit Ehepaaren gleichgestellt; ausländische Partner und Partnerinnen einer registrierten Gemeinschaft erhalten eine Aufenthaltsbewilligung.

Verschiedene christliche Meinungen
Den christlich orientierten Parteien EDU und EVP geht das Gesetz fundamental gegen den Strich. Die Parteien haben das Referendum ergriffen. Sie befürchten, der neue Zivilstand schwäche die traditionelle Familie: Die Alternative werde ungebührlich aufgewertet. Diese Befürchtung hält Udo Rauchfleisch, Psychotherapeut und Professor für klinische Psychologie, Basel, für absurd: «Die Zahl gleichgeschlechtlicher Paare schnellt durch ein neues Gesetz gewiss nicht in die Höhe.»

Eine Regelung bescheideneren Umfangs gilt im Kanton Genf bereits seit vier Jahren; Zürich führte eine solche 2003 ein. Hier haben sich bis anhin über 300 Paare registrieren lassen. In Genf pegelt sich die Zahl bei 160 pro Jahr ein. «Die Möglichkeit wird rege genutzt», sagt Oliver Fritz, der Leiter der politischen Kommission der Schwulenorganisation «Network»: «Die Behauptung, das Gesetz betreffe nur eine verschwindende Minderheit, stimmt ganz einfach nicht.»

Die klare Haltung beider Kammern war wesentlich beeinflusst von einem Positionspapier des katholischen Frauenbunds, das zu Beginn der Vernehmlassung an alle Parlamentarier verschickt worden war. Das Dokument lieferte einen Überblick über die gängigen Vorurteile, zeigte die Geschichte der Verfolgung homosexueller Paare auf und zitierte namhafte Theologen, die der gelebten Homosexualität «moralische Anerkennung zollen».

In zahlreichen europäischen Ländern ist die eingetragene Partnerschaft schon längst eingeführt worden – darunter auch in mehrheitlich katholischen Nationen wie Belgien und Frankreich.

Psychoanalytiker Udo Rauchfleisch: «Dieses Gesetz entspricht dem Grundgedanken der Menschenrechte.»

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