Als der Gemeinderat in Hedingen ZH im Juni beschloss, für vorläufig ein Jahr Baugesuche für UMTS-Antennen nicht zu behandeln, war kein Jurist im Raum, der die Milizpolitiker an die Rechtslage erinnert hätte. «Zum Glück nicht», erklärt Hochbauvorstand Paul Schneiter, «so konnten wir unseren gesunden Menschenverstand walten lassen.»

Das Bundesrecht sagt: Kommunale Behörden müssen Antennenprojekte baurechtlich prüfen. Der Menschenverstand hingegen zweifelt: Die Strahlung, die von der neusten Mobilfunktechnologie ausgeht, könnte die Gesundheit der Bevölkerung gefährden. «Es ist legitim, wenn wir dieses Rechtsgut höher bewerten», findet Schneiter. Eine Petition mit 300 Unterschriften tat ein Übriges: Das Dorf sandte ein vernehmliches Signal gegen die Obrigkeit, statt demütig die Verordnungen nachzuvollziehen.

Paul Schneiter, 59, ist selbst Handynutzer und steht als Ingenieur dem technischen Fortschritt offen gegenüber. Die Hedinger seien weder Elektrosmog-Sektierer noch Trotzköpfe. «Wir verstehen einfach nicht, weshalb ohne Not eine Technologie durchgestiert werden soll, über deren Auswirkungen man noch zu wenig weiss.»

Die Aufsichtsbeschwerde gegen die ungehorsamen Hedinger ist noch beim Regierungsrat hängig. Andere Gemeinden wurden bereits aufsichtsrechtlich in die Knie gezwungen. Paul Schneiter geht davon aus, dass es Hedingen gleich ergehen dürfte. Doch eine Hoffnung bleibt: «Die Gesetzgebung ist etwas Bewegliches – und es ist nicht verboten, klüger zu werden.»

Quelle: Holger Salach