Die meisten Harnsteine finden den Weg nach draussen von allein. Schaffen sie es nicht, können sie grosse Schmerzen und im schlimmsten Fall sogar eine lebensbedrohliche Blutvergiftung verursachen; sie müssen deshalb entfernt werden. Auch Brigitta Bertoni aus Zürich litt unter Harnsteinen, die sich hartnäckig weigerten, ihren Körper auf dem üblichen Weg zu verlassen. Eine Operation sollte den Quälgeistern den Garaus machen.

Doch nach dem vermeintlichen Routineeingriff ging es der 53-Jährigen keineswegs besser: Der Arzt hatte den Harnleiter beschädigt, ein künstlicher Harnausgang musste gelegt werden. Acht Monate lang litt Brigitta Bertoni unter grössten Schmerzen, und die Komplikationen machten eine zweite Operation nötig.

Ehemann Hubert Bertoni, der am Zürichberg einen Coiffeursalon betreibt und Juristen und Ärzte zu seiner Klientel zählt, erzählte ihnen vom Leiden seiner Frau. Zwar erhielt er Mitgefühl, doch wurde ihm davon abgeraten, mit Hilfe eines Anwalts gegen den Arzt vorzugehen. Die Erfolgschancen seien zu gering. «Selbst der Anwalt der Schweizerischen Patientenorganisation, Werner E. Ott, riet von juristischen Schritten ab», erinnert sich Bertoni.

Erst der Beobachter machte dem Ehepaar Mut, gegen den Ärztepfusch vorzugehen, und vermittelte einen Anwalt. Mit durchschlagendem Erfolg: Die Haftpflichtversicherung des Arztes bot der Geschädigten ein Schmerzensgeld von 20'000 Franken an und will zudem die Anwaltskosten übernehmen.

Anzeige