Ingenieure, Architekten und Bauführer, die bei einem Bau pfuschen, sollen länger zur Verantwortung gezogen werden können. Dies fordert die Rechtskommission des Nationalrats in einer Motion. Die Verjährungsfristen im Haftpflichtrecht sollen entsprechend verlängert werden. Damit würde eine Gesetzeslücke geschlossen, auf die der Beobachter wiederholt hingewiesen hat.

Auslöser war der Fall Gretzenbach, wo am 27. November 2004 sieben Feuerwehrmänner ums Leben kamen. Als sie versuchten, in einer Tiefgarage ein Feuer zu löschen, stürzte die Decke ein und begrub die Männer unter sich. Gutachter stellten danach fest, dass Ingenieure, Architekten und Bauführer gepfuscht hatten. Doch zur Verantwortung ziehen konnte man sie nicht. Schadenersatzansprüche und Straftatbestände waren verjährt, da der Bau zwölf Jahre vor dem Unglück fertiggestellt worden war. Erst das Solothurner Obergericht brachte das Verfahren wieder ins Rollen: Die Baufachleute hätten nichts gegen die Mängel unternommen, obwohl sie diese gekannt hätten. Diese Unterlassung sei nicht verjährt, urteilten sie im Juni 2006. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb wieder. Damit besteht weiter Hoffnung für die Hinterbliebenen, weil Schadenersatzansprüche nicht verjähren, solange ein Strafverfahren läuft.

Damit Geschädigte einfacher zu ihrem Recht kommen, sollen die Verjährungsfristen bei Spätschäden nun verlängert werden. «Wenigstens so könnte der Tod meiner Kameraden einen Sinn gehabt haben», sagt Feuerwehrmann Henry Dobler, der das Unglück in Gretzenbach überlebte.

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