Alfons Fischer und seine Kollegen von der Berufsschule für Detailhandel in Zürich lassen Schülerinnen und Schüler gern Passantenumfragen machen. Zu zweit oder zu dritt führen die Lehrlinge in der Stadt Kurzinterviews – damit sie Gesprächstechniken üben können.

Was Fischer nicht ahnte: Dafür braucht es eine Bewilligung der Gewerbepolizei. 2007 hatte sie zwei Schüler angehalten und eine Regelung verfügt. Die Schule erreichte zwar, dass die Gebühr erlassen wurde. Aber laut modifizierter Regelung vom letzten September müssen Lehrer für die Bewilligung drei Tage im Voraus die Fragen vorlegen und melden, wer wann wo postiert ist.

Fischer packte die Wut. Dass die Polizei den Schulen solche Steine in den Weg legt, findet er absurd und rechtlich bedenklich. «Dass sogar der Fragebogen zur Kontrolle eingeschickt werden muss, ist eine Frechheit.

Es handle sich juristisch um «schlichten Gemeingebrauch» des öffentlichen Raums, wie wenn Passanten stehen bleiben und schwatzen, findet Fischer.

«Störung des Verkehrsflusses»

Statt auf Pragmatismus trifft er jedoch auf Paragraphenreiter. Polizeivorsteherin Esther Maurer sieht nämlich «gesteigerten Gemeingebrauch», weil «Ausweichbewegungen von Passant/innen, Personenansammlungen oder Diskussionen an stark frequentierten Lagen zu Störungen des Verkehrsflusses und Beeinträchtigungen der übrigen Benützer/innen führen können». Die Bewilligung bleibe erforderlich, werde aber problemlos, rasch und unbürokratisch erteilt, und die Fragen müssten nicht mehr eingereicht werden.

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Zufrieden? Nein – Fischer wendet sich an die Zürcher Ombudsfrau. Diese befindet salomonisch: Schülerumfragen seien ein Grenzfall, je nach Umständen, weshalb es in jedem Fall «ratsam» sei, die Bewilligung einzuholen. Zuletzt sucht Fischer Hilfe bei Schulvorstand Gerold Lauber. Die Gesetzesgrundlage für die Bewilligungspflicht bestehe seit über 30 Jahren. Probleme seien ihm nicht bekannt, sagt Lauber. «Persönlich bin ich aber der Meinung, dass Schülerumfragen ohne Bewilligung mög-lich sein und die Bestimmungen überprüft werden sollten.»

Sonst bleibt Fischer nur der zivile Ungehorsam: «Ich schicke die Schüler ohne Bewilligung», sagt er. Werden sie weggewiesen oder verwarnt – etwas haben sie sicher davon: Anschauungsunterricht in Bürokratie und Borniertheit.