Ein deutscher Facebook-Nutzer soll knapp 1800 Euro bezahlen, weil er beim Verlinken auf einen fremden Inhalt ein Vorschaubild veröffentlichte. Der Mann besass naturgemäss keine Rechte am verwendeten Bild, das auf einem PC-Monitor nur in Briefmarkengrösse angezeigt wird.

Auch Tausende Schwei­zer erhielten schon Post von den einschlägigen Kanzleien, weil sie Rechte verletzt haben sollen. Die Argumentation der deutschen Anwälte ist reichlich absurd: In der Regel sind die Urheber der verlinkten Inhalte ja dankbar für jeden einzelnen Klick.

Nach Schweizer Recht legal

Martin Steiger, Zürcher Rechtsanwalt mit Schwerpunkt IT- und Immaterialgüterrecht, ist selber aktiver Nutzer verschiedener Netzwerke. Auch er hält es für grotesk, wenn dem Wunsch nach möglichst vielen Klicks plötzlich die Jagd auf unerlaubte Vorschaubilder gegenübersteht. Doch er gibt Entwarnung, was das hiesige Recht anbelangt: «Anders als in Deutschland gilt in der Schweiz das Zitatrecht nicht nur für Texte, sondern auch für Bilder.» Ein Vorschaubild als Hinweis auf die Quelle sei deshalb erlaubt. Laut Steiger ist für Facebook-Nutzer aber nicht nur deutsches oder Schweizer Recht anwendbar: «Die Benutzer von sozialen Netzwerken aus den USA unterwerfen sich in der Regel amerikanischem Recht. Und auch da sind Vorschaubilder kein Problem.»

Wer von deutschen Anwälten eine entsprechende Abmahnung erhalten sollte, kann sie also unbeachtet entsorgen. Wer gar keine bösen Schreiben bekommen will, sollte in seinen Facebook-Beiträgen einen Haken neben «kein Mi­nia­turbild» setzen – auch wenn er so für weniger attraktive Verlinkungen und weniger Klicks sorgt.