Weil die Steuerbehörde nicht weiss, wo Karl Fischer* wohnt, muss sein ehemaliger Arbeitgeber seine Steuern bezahlen. Eigenartig: Familie, Freunde und Kollegen wissen, wo Fischer ist. Auch das ­Betreibungsamt seiner letzten offiziellen Wohngemeinde, die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, die örtliche Polizei und seine diversen Arbeitgeber. Was nicht weiter schwierig ist: Am Briefkasten an der Adresse, die er jeweils angibt, steht sein Name.

Ahnungslos ist die Gemeinde Dietlikon, wo Fischer seit Mitte 2010 lebt. Für das Einwohneramt ist der Mann inexistent, da er sich dort nie angemeldet hat. Der Grund: Die Adresse ist in einem Gewerbegebiet, dort zu wohnen ist illegal.

«Natürlich habe ich mich gewehrt»

Die kantonale Steuerbehörde verlangt nun von Hanspeter Maag, Fischers Ex-Chef, rückwirkend Quellensteuer. Diese wird bei Arbeitnehmern ohne Niederlassung eingezogen. «Natürlich habe ich mich mit einer Einsprache gegen die Verfügung gewehrt», so Maag. Fischer sei Schweizer Bürger mit Schweizer Pass und wohne auch in der Schweiz. Das ­habe er der Steuerbehörde mitgeteilt.

Doch das Steueramt hat die Einsprache zurückgewiesen: Da Karl Fischer in der Schweiz nirgends gemeldet sei, ­müsse er «im Ausland ansässig sein». Somit sei die Quellensteuer geschuldet.

Illegaler Wohnort im Kanton Zürich

Der Entscheid erstaunt. Denn aus dem kantonalen Steuergesetz geht klar hervor, dass Schweizer Bürger die Steuer dort schulden, wo ihr Lebensmittelpunkt liegt. Und der ist bei Karl Fischer zwar wohntechnisch illegal, aber im Kanton Zürich gelegen.

Anzeige

Dass Fischer, der ­für den Beobachter nicht erreichbar war, seit 2010 einen Raum im Dietliker Gewerbehaus gemietet hat, liegt schriftlich vor. Die Bauverwaltung von Dietlikon hat mittlerweile eine Verfügung erlassen, dass er nicht mehr im Gewerbehaus wohnen darf.

Das Steueramt will «zum laufenden Verfahren keine Stellung nehmen». Hanspeter Maag schon: «Ich bezahle doch nicht 5000 Franken Steuern für diesen Menschen, der allen auf der Nase rumtanzt. Ich werde auf jeden Fall Rekurs einlegen.» Das rät ihm auch Steuerexperte Marcel Weigele vom Beobachter-Beratungszentrum.

* Name geändert