Zwei Ärzte, die eine manipulierte Impfstudie der Hautklinik des Universitätsspitals Zürich (USZ) kritisiert hatten, mussten jahrelang Nachteile in Kauf nehmen, obwohl sie Recht hatten (siehe Artikel «Chefärzte: Schmerzen am Portemonnaie» sowie «Universität Zürich: Der Skandal geht weiter»).

Anders die Verantwortlichen. Klinikdirektor Günter Burg wurde nun in Ehren pensioniert, und Projektleiter Frank Nestlé macht im Ausland Karriere. Der ärztliche Direktor des USZ, Professor Gustav von Schulthess, verteidigt dies.

Beobachter: Man hat den Eindruck, dass die Kritiker Nachteile hatten, die Verursacher der Fehler aber nicht.
Gustav von Schulthess: Das kann man so nicht sagen. Nehmen Sie Frank Nestlé: Wir haben ihm signalisiert, dass er nach seinem Bildungsurlaub nicht mehr zurückkehren könne. Für ihn hatte es gravierende Nachteile, weil er hier Karriere machen wollte.

Beobachter: Gemäss Richtlinien der Universität Zürich muss Fehlverhalten gemeldet werden. Nach dem, was an der Dermatologie passiert ist, wird man sich das zweimal überlegen.
von Schulthess: Wenn sich Kritiker oder Whistleblower gegen den Chef stellen, dann herrscht nicht mehr Friede, Freude, Eierkuchen. Das ist das Risiko, das Whistleblower eingehen. Die Uni- und Spitalleitung kam zum Schluss, dass Klinikleiter Günter Burg nicht ausgewechselt werden sollte. Wir können in solchen Fällen den Kritikern eine Versetzung offerieren, aber es ist nicht ganz einfach, eine adäquate Position zu finden. Im Fall der Dermatologie-Kritiker haben wir es so gemacht, dass sie einen anderen Chef erhalten haben und als leitende Ärzte gewissermassen am USZ frei flottieren konnten. Wir sind fair mit ihnen umgegangen.

Beobachter: Sollten Whistleblower besser geschützt werden?
von Schulthess: Man muss aufpassen, dass man nicht sagt: Jemand macht keine Karrierefortschritte, weil er Whistleblower war. Ein Whistleblower kann nicht ewig den Status des Helden beanspruchen. Auch er muss sich bewähren. Auf der anderen Seite müssen wir einen Modus finden, um offen mit Fehlern umzugehen. Man muss verstehen lernen, dass man Fehler machen kann und dass es primär darum geht, aus Fehlern zu lernen.

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