Rund 9000 Franken sind es bei Heinz Diggelmann, 1450 Franken bei Walter Aegerter – zwei von drei Dutzend Fahrern der Taxizentrale Zürichsee & Oberland (TZO), die noch Geld von ihrem Auftraggeber zugut haben. «Ich habe aus eigenem Sack neue Winterpneus gekauft, weil alles andere unverantwortlich gewesen wäre», sagt Diggelmann. Seit dem 4. Januar geht bei der TZO nichts mehr: Das Bezirksgericht Hinwil hat über die Gesellschaft den Konkurs eröffnet.

Das trifft vor allem die ehemaligen Fahrer des Unternehmens: Sie fuhren offiziell als selbstständige Taxihalter und bekommen jetzt keine Arbeitslosenentschädigung. Viele mussten bereits zuvor untendurch. So wie Walter Aegerter: «Das waren Knebelverträge. Richtig gerechnet sind mir unter dem Strich etwas über 2000 Franken pro Monat geblieben.»

Dieser Vorwurf an die Adresse des Taxiunternehmens ist nicht neu: Sowohl die TZO als auch ihre Vorgängerfirma Yellow Cab by TZO operierten nach eigenen Regeln, umgingen mit scheinselbstständigen Fahrern Arbeitszeitregelungen und foutierten sich um Sozialabgaben und Steuern (siehe Artikel zum Thema «Taxiunternehmen: Bei Gelb noch durch»).

Ging alles mit rechten Dingen zu?
Bis Ende 2004 gehörte die Firma dem umstrittenen Taxiunternehmer Peter Vettiger. Dann verkaufte er den Taxibetrieb, blieb aber mit den neuen Besitzern eng verbunden. Vettiger sicherte sich zudem die einträglichen Limousinenfahrten über seine GLM General Limousinen Management und – mit einer Zession knapp vor Konkurseröffnung – mehrere zehntausend Franken aus den Fahreinnahmen des Taxibetriebs. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, müssen nun die Konkursbeamten herausfinden.

Der Beobachter bat Vettiger um eine Erklärung. Doch der einstige Taxikönig aus dem Zürcher Oberland gibt sich kurz angebunden: Er dürfe sich nach einer Herzoperation nicht aufregen. Sein Nachfolger bei der TZO ist schwer krank und für eine Stellungnahme ebenfalls nicht erreichbar.

Nicht verweigern kann sich Vettiger der Eidgenössischen Steuerverwaltung, wie ein Schreiben der Hauptabteilung Mehrwertsteuer vom letzten Juli zeigt. Sein Geschäftsgebaren in den letzten Jahren bringt Peter Vettiger noch tiefer in die Bredouille: Für die Jahre 2000 bis 2004 muss er rund 450'000 Franken Steuern nachzahlen. Laut Bruder Heinrich Vettiger, damals bei Yellow Cab mit im Taxiboot, habe man gegen die Verfügung Einsprache erhoben.

Sämtliche Unterlagen vernichtet
Die Steuerbeamten mussten bei ihren Umsatzberechnungen auf Annahmen abstellen, weil «nach Angaben von Peter Vettiger sämtliche Unterlagen über den Taxibetrieb vernichtet wurden». Nach einer Überprüfung beim Leasinggeber der Taxifahrzeuge wurden «neun bisher unbekannte Leasingverträge offen gelegt», heisst es im Schreiben des Fiskus.

Unter die Lupe genommen wurden auch die Verträge der Taxifahrer. Während die Zweigstelle Wetzikon der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) die Fahrer bis vor kurzem als selbstständig anerkannt hat, geht die Eidgenössische Steuerverwaltung von einer unselbstständigen Tätigkeit aus. Die Abhängigkeit der Taxichauffeure von der TZO – Wahl der Standplätze, Beschriftung der Wagen, Preisgestaltung, Einsatzzeiten, Abrechnungen mit Kreditkartenfirmen – sei zu gross, um von freien Unternehmern zu sprechen.

Inzwischen hat auch die Suva umgedacht und stuft die Fahrer seit Anfang dieses Jahres als unselbstständig ein. Zu spät für die Betroffenen.

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