Die ehemalige Kindergärtnerin Gertrud J., 76, kann «nur sehr schwer nein sagen». Dies witterte auch Herr Waser, der kürzlich an ihrer Tür klingelte. Natürlich heisst er nicht wirklich Waser, aber das wurde Frau J. erst im Nachhinein klar. Er erzählte ihr eine Geschichte, wonach er an einem Hirntumor leide. Sie hatte Mitleid und kaufte dem Hausierer für 98 Franken ein Tischtuch ab. Ein paar Tage später. Eine Frau Schwarz, angeblich vom Beobachter, ruft an: Sie sammle Geld für den armen Herrn Waser, der seine Spitalrechnung nicht bezahlen könne. Ob sie nicht etwas vorschiessen könne? Sie erhalte den Betrag zurück. «Wenn der Beobachter anruft, ist das sicher seriös», dachte Gertrud J. treuherzig. 10'000 Franken hob sie bei der Bank ab, Herr Waser kam persönlich vorbei, um das Geld entgegenzunehmen. Was ihr nicht auffiel: Der Beobachter würde nie um Geld betteln. Gertrud J. war auf Betrüger hereingefallen.

Direkt in die Arme der Polizei
Doch die Gier machte Herrn Waser und seine Komplizen unvorsichtig: Einige Tage später meldeten sie sich schon wieder bei der grosszügigen Frau. Diesmal wollten sie 58'000 Franken für eine angebliche Chemotherapie. Auf dem Weg zur Bank erzählte Frau J., immer noch ahnungslos, die ganze Geschichte einer Nachbarin. Diese rief den Beobachter an, der wiederum die Polizei informierte. Die dreisten Betrüger liefen dieser noch am gleichen Abend direkt in die Arme.