Vor drei Jahren nahm Merck das Schmerzmittel Vioxx vom Markt, weil eine Studie belegte, dass das Medikament das Risiko von Herz- und Schlaganfällen erhöht. Weltweit verlangen Tausende von Geschädigten von der Pharmafirma Schadenersatz. Nun läuft die Zeit langsam ab. Schweizer Opfer müssen sich beeilen, um ihre Ansprüche nicht zu verlieren. «Bis spätestens am 30. September sollten sich Betroffene gemeldet haben, sonst drohen ihre Schadenersatzansprüche nach Produktehaftpflichtgesetz zu verjähren», sagt der Zürcher Rechtsanwalt Werner E. Ott, Spezialist für Haftpflichtrecht. Am besten meldet man sich direkt in Glattbrugg bei MSD, wie Merck in der Schweiz heisst. Ott vertritt mehrere Dutzend Schweizer Geschädigte. Für seine Mandanten konnte er einen Verjährungsverzicht erwirken.

Bisher haben in der Schweiz rund 50 Geschädigte rechtliche Schritte gegen MSD eingeleitet. Darunter die Angehörigen eines topfitten Sportlers, der nach längerer Einnahme von Vioxx plötzlich an Herzversagen verstarb. Oder ein Gymnasiallehrer, der nach einen Schlaganfall die Sprache verlor.

Sie alle können aber nur hoffen: Seit mehr als zwei Jahren kommt nämlich das Strafverfahren gegen MSD nicht vom Fleck. «Es wird in der Schweiz auf Sparflamme geführt, weil der Staatsanwalt abwartet, bis sich bei den amerikanischen Gerichten eine klare Tendenz abzeichnet», meint Ott. Die US-Gerichte haben einmal für, einmal gegen die Geschädigten entschieden. Hinter dieser rechtlich ungeklärten Situation versteckt sich auch die Pharmafirma Merck. Sie war bisher zu keinerlei Vergleichen bereit.

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