Zwei Whistleblowerinnen erzählten im Sommer 2015 dem kantonalen Ombudsmann von Missständen im Statthalteramt des Bezirks Dietikon ZH. Sie beschuldigten Statthalter Adrian Leimgrübler (FDP), er lasse gewisse Übertretungen absichtlich verjähren und begünstige Bekannte.

Die Zürcher Justizdirektion eröffnete eine Administrativuntersuchung. In deren Folge sprach Justizdirektorin Jacqueline Fehr eine fristlose Kündigung gegen Leimgrübler aus.

Nun sind die Namen der beiden Whistleblowerinnen publik geworden – gegen ihren Willen. Herausposaunt hat sie Gregor Biffiger, Präsident des Limmattaler Gewerbeverbands. «Die Aussagen der beiden Frauen haben sich klar als falsche Anschuldigungen herausgestellt», sagte der Aargauer SVP-Politiker im Editorial der Gewerbezeitung. Eine gewagte Aussage: Die Untersuchung gegen Leimgrübler ist noch nicht abgeschlossen, und der ­Regierungsrat hat noch nicht entschieden, ob die fristlose Kündigung rechtens war.

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Biffiger kassiert Anzeige

Ueli Vogel-Etienne, Anwalt einer der beiden Frauen, hat gegen Biffiger umgehend Strafanzeige wegen Verleumdung eingereicht. «Es kann nicht sein, dass Whistleblower fürchten müssen, ihren Namen in der Zeitung zu lesen, wenn sie Missstände korrekt an die richtige Stelle melden.»

Biffiger sieht sich im Recht. «Die beiden Frauen haben nicht ihre Bürgerpflicht erfüllt, sondern jemanden durch ihre falschen Anschuldigungen ungerechtfertigterweise in die Pfanne gehauen.» Das rechtfertige, dass man ihre Namen nenne. Er schreibt: «Ich stand noch nie vor den Schranken ­eines Gerichts, beunruhigt bin ich aber trotzdem in keiner Weise.»

Pikant dabei: Die andere Seite der Gerichtsschranke ist Biffiger bestens vertraut. Der Jurist (Abschluss: magna cum laude) ist nebenamtlicher Bezirksrichter im Aargau.