Ein Zahnarztbesuch bereitet oft zweifach Schmerzen: erst im Mund, dann im Portemonnaie. Zumindest die Geldbörse könnte entlastet werden – mit dem Einsatz von ausländischen Zahnersatzprodukten. Insbesondere chinesische Anbieter von Kronen, Brücken und Co. sind rund 50 Prozent billiger als einheimische.

Ärgerlich, wenn der Zahnarzt die Differenz selbst einstreicht. Das ist nach Heilmittelverordnung verboten – er darf auf Leistungen des Zahntechnikers keinen Aufpreis erheben, sondern muss die Kosten direkt dem Patienten weitergeben.

Doch nicht alle halten sich daran: «Geschätzte fünf bis zehn Prozent der Zahnärzte setzen ausländische Zahnersatzprodukte ein, lassen die Preisdifferenz aber in die eigene Tasche fliessen», sagt der Zürcher Kantonszahnarzt Werner Fischer.

Gross ist denn auch die Werbetrommel, die die Anbieter ganz unverblümt rühren: «Gewinnverdoppelung mit Zahnersatz aus Fernost» – so wirbt etwa der Importeur Dentrade in Fachzeitschriften.

Verdächtig: gerundete Beträge

Bei der schweizerischen Zahnärzteorganisation SSO will man nichts von solch illegalem Tun wissen. «Mir ist bis jetzt nur ein einziger derartiger Fall begegnet», sagt Peter Loosli, Sekretär der Zürcher Sektion. Und dabei habe es sich nicht um ein Verbandsmitglied gehandelt.

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Allerdings ist es nicht einfach, die illegale Praxis nachzuweisen. Denn Zahnärzte sind nicht verpflichtet, Patienten zu sagen, von welchem Labor sie Zahnersatzprodukte beziehen. Oft erfährt der Kunde also gar nicht, dass er günstige Fernost-Ware eingesetzt bekommt – und kann daher nicht wissen, dass die Rechnung überhöht ist. Verdächtig seien, so Kantonszahnarzt Fischer, auf 10, 50 oder 100 Franken gerundete Beträge bei den Zahntechnikkosten, da das wegen der Mehrwertsteuer gar nicht möglich sei.

Noch schwieriger wird der Nachweis, wenn Schweizer Zahntechniker ohne eigene Laboreinrichtung – sogenannte Sofaimporteure – ausländische Produkte importieren, zu einem ortsüblichen Preis weiterverkaufen und schliesslich die Preisdifferenz als Pay-back oder in Form von Rabatten dem Zahnarzt zurückzahlen.

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Bleibt die Frage nach der Qualität. Bei Swissmedic, das für die Marktüberwachung solcher Produkte zuständig ist, sind in den letzten Jahren keine Meldungen zu qualitativ mangelhaften Zahnersatzprodukten eingegangen.