Bis Ende Juni waren Behandlungen mit Globuli, Kräutern und chinesischen Methoden, aber auch Neuraltherapie und anthroposophische Medizin Teil der Grundversicherung. Das heisst: Niemand brauchte dafür eine Zusatzversicherung. Die Krankenkassen zahlten solche Behandlungen aus der obligatorischen Grundversicherung. Damit ist Schluss, weil Bundesrat Pascal Couchepin diese Methoden aus dem Grundleistungskatalog gestrichen hat (siehe Beobachter Nr. 8/2005). Der Gesundheitsminister stellte damals immerhin in Aussicht, dass allen Versicherten entsprechende Zusatzversicherungen für acht bis zwölf Franken angeboten würden.

Pech haben nun einige, die noch keine Zusatzversicherung für Alternativmedizin haben und bei einer kleinen Kasse grundversichert sind. Aquilana und Galenos zum Beispiel verlangen – entgegen Couchepins Versprechen – eine Gesundheitsprüfung und setzen ein Höchstalter für den Eintritt fest (siehe Nebenartikel «Gesundheitsprüfung oder nicht?: Kassen im Vergleich»). Ältere Versicherte und Kranke haben dort keine Möglichkeit, eine Zusatzversicherung zu bekommen. Auch bei der Brugger Bauernkasse Agrisano muss ein Fragebogen zum Gesundheitszustand ausgefüllt werden. Besonders kurios: Grundversicherte Notare, Lehrer oder Automechaniker haben dort ebenfalls keine Chance, sich alternativmedizinisch zu versichern – denn nur Bauernfamilien erhalten bei der Agrisano überhaupt eine Zusatzversicherung.
 

 

Keine bedingungslose Aufnahme



Auch wer bei der Sanitas Alternativmedizin versichert haben möchte, muss seinen Gesundheitszustand offen legen. «Es wäre unfair gegenüber den bereits Zusatzversicherten, wenn nun diese Kunden keinen Gesundheitstest machen müssten», begründet Kassensprecherin Isabelle Vautravers diese wenig kundenfreundliche Haltung. Grundversicherte könnten aber von einem «vereinfachten» Aufnahmeverfahren ausgehen. Was das genau bedeutet, präzisierte sie nicht. Es hänge «vom Einzelfall» ab.

Doch die grossen Kassen halten sich weitgehend an Couchepins Versprechen. Wichtig zu wissen: Viele Kassen verlangen einen Entscheid bis Ende September, nachher gilt die bedingungslose Aufnahme nicht mehr.

Einige grosse Kassen bieten neu eine «Couchepin-light-Versicherung» an, die lediglich die fünf gestrichenen Alternativmethoden umfasst. Wer bereits bei der Helsana-Gruppe grundversichert ist, kann bis Ende Dezember für einen Franken (Kinder) respektive fünf Franken im Monat (Erwachsene) eine solche Versicherung abschliessen – ohne Gesundheitstest und Altersguillotine.

Besonders ältere Helsana-Versicherte, die noch keine solche Zusatzversicherung haben, sollten sich das gut überlegen, denn ab Januar werden 70-Jährige und Ältere nicht mehr aufgenommen. Die grösste Schweizer Kasse vergütet wie bis anhin nur Leistungen von Schulmedizinern mit Zusatzausbildung – sie zahlt also nichts an Behandlungen nichtärztlicher Therapeuten und von Naturärzten. Wer bereits eine Zusatzversicherung für Alternativmedizin hat, braucht diesen Zusatz nicht.

Bereits in den nächsten Wochen muss sich entscheiden, wer bei der Concordia, der Swica, der KPT, der Visana oder der CSS grundversichert ist und noch keine Zusatzversicherung für Alternativmedizin abgeschlossen hat. Allerdings sind die Leistungen der angebotenen Zusätze sehr unterschiedlich.
 

 

Unnötige De-luxe-Pakete



Das KPT-Angebot zum Beispiel umfasst nicht nur die Schulmedizin, sondern fast alle Therapieformen und nichtärztlichen Therapeuten laut erfahrungsmedizinischem Register (EMR). Nachteil: Es werden nur maximal 3000 Franken pro Jahr an den Kosten übernommen. Swica-Grundversicherte können ebenfalls ohne Vorbehalt einen Alternativzusatz abschliessen, der sogar Brillen, Zahnarzt, Badekuren oder Psychotherapie enthält. Er ist auch dementsprechend teurer als eine reine Light-Versicherung. Die CSS bietet ihren Grundversicherten eine bestehende Zusatzversicherung an, die rund 60 Therapiemethoden und maximal 10000 Franken im Jahr abdeckt.

Erst bis Ende Jahr müssen sich Grundversicherte der Assura, der Wincare und der Groupe Mutuel entscheiden. Bis dahin gilt Aufnahme ohne Alterslimite und Gesundheitsprüfung. Ab Januar werden Leute ab 60 bei der Assura nicht mehr in die Zusatzversicherung aufgenommen.

Fazit: Wer bei einer Kasse grundversichert ist, die keine spezielle Light-Variante anbietet, sondern auf ihr bestehendes Zusatzangebot verweist, ist meist gezwungen, ein De-luxe-Paket mit Inhalt zu erwerben, den man vielleicht gar nicht möchte. Denn die Versicherten sind an ihre Kasse gefesselt, weil sie bei einer Fremdkasse in der Regel ihren Gesundheitszustand offen legen müssen oder zu alt sind und deshalb nicht aufgenommen werden.

Besonders ältere Versicherte, die nur die Grundversicherung abgeschlossen haben, sollten sich jetzt bei ihrer Kasse erkundigen, ob überhaupt und bis wann sie noch ohne Alterslimite und ohne Gesundheitsprüfung eine Alternativ-Zusatzversicherung abschliessen können. Wer sich nicht alternativmedizinisch behandeln lassen möchte, braucht natürlich keine solche Zusatzversicherung.

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Internet

Vergleichen Sie Zusatzversicherungen im Internet unter www.vermoegenszentrum.ch oder www.sparziel.ch

Quelle: Archiv