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Veröffentlicht am 28.08.2019

1. Allgemeines

Der Begriff Amputation leitet sich vom lateinischen Wort «amputare» ab, was so viel wie «ringsum abschneiden» bedeutet.

Bei einer Amputation trennt der Arzt ein Körperteil operativ vom Rest des Körpers ab. Beispiele für Amputationen sind:

  1. die Abnahme einer Gliedmasse (z.B. Unterschenkel) infolge von
    • Osteomyelitis (Entzündung des Knochemarks durch Bakterien)
    • Knochentumoren
    • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (schweres Stadium, Raucherbein)
  2. Entfernung einer weiblichen Brust (in der medizinischen Fachsprache auch als Mastektomie bezeichnet) zur Beseitigung eines Mammakarzinoms (Brustkrebs)
  3. Herausschneiden des Mastdarms (Rektumamputation/Rektumexstirpation) beispielsweise aufgrund von Darmkrebs

Diese und weitere Amputationen führt der Arzt erst dann durch, wenn eine Heilung des betroffenen Körperteils nicht mehr möglich ist und die zugrunde liegende Erkrankung – zum Beispiel ein bösartiger Tumor – das Leben des Patienten bedroht.

Das bei einer Amputation entfernte Gewebe kann der Körper in der Regel nicht mehr ersetzen – es «wächst also nicht nach», wie dies zum Beispiel teilweise bei einer Entfernung eines Leberteils oder von Haut der Fall ist. Nach einer Amputation von Gliedmassen wie einem Arm, kann oft aber eine Prothese die Funktion übernehmen und die Lebensqualität deutlich verbessern.

Manchmal verspüren Menschen nach einer Amputation einen sogenannten «Phantomschmerz»: Obwohl zum Beispiel ein Bein amputiert ist, haben die Betroffenen den Eindruck, dass das Bein noch vorhanden ist und schmerzt.

Unter einer Amputation versteht man aber nicht nur chirurgische Eingriffe, sondern auch das Abtrennen von Körperteilen durch Unfälle. In günstigen Fällen kann ein auf diese Weise verlorener Körperteil aber wieder angenäht werden und ist wieder vollkommen oder teilweise funktionsfähig.

Wird nur ein Bereich einer Gliedmasse amputiert – zum Beispiel ein Fingerendglied – verwenden Mediziner auch oft den Begriff «Teilamputation».

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2. Durchführung

Bei einer Amputation achtet der Chirurg sorgfältig darauf, so wenig wie möglich vom betroffenen Körperteil zu entfernen und vor allem umliegendes Gewebe zu erhalten. Dadurch schafft er bestmögliche Voraussetzungen, zum Beispiel für die Anpassung einer Prothese. So hat der Patient gute Chancen zur Wiedereingliederung in einen normalen Alltag.

Auch im Notfall plant der Chirurg die Operation genau und legt fest wo er Muskeln durchtrennen und eventuell Knochen zersägen muss. Weiterhin sorgt er dafür, dass er die Wunde wieder richtig mit Haut verschliessen kann.

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3. Anwendungsgebiete

Eine Amputation kann zum Beispiel notwendig sein, wenn ein Körperteil nicht mehr richtig durchblutet wird und sich diese Durchblutungsstörungen nicht beheben lassen. Das ist in schweren Fällen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) der Fall, durch die ein Raucherbein entstehen kann. Aber auch Tumorerkrankungen oder schwere Verletzungen und eine Blutvergiftung können eine Amputation erforderlich machen.

Der Arzt führt die Amputation immer nur als letzte Möglichkeit durch, wenn keine anderen Massnahmen mehr helfen können und die Gesundheit des Patienten stark gefährdet ist.

Eine Reihe von Grunderkrankungen können ebenfalls die Ursache für eine Amputation sein. Beispielsweise Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) kann im fortgeschritten Stadium zum sogenannten diabetischen Fuss führen. Dieser wird nicht mehr ausreichend durchblutet und das Gewebe stirbt ab. Oft muss der Arzt dann den Fuss oder Teile des Fusses amputieren, wie einzelne Zehen.

Eine Amputation ist des Öfteren bei schweren Verkehrsunfällen mit dem Auto oder auch Zugunglücken notwendig. Hier kann es vorkommen, dass Arme und Beine der Unfallopfer stark gequetscht oder verletzt sind, so dass der Arzt sie nicht mehr retten kann und sie deshalb amputieren muss.

Von einer Amputation spricht man auch, wenn durch einen Unfall Gliedmassen oder -teile abgetrennt werden. In einigen Fällen kann der Chirurg versuchen, beispielsweise abgeschnittene Finger wieder anzunähen und die Funktion teilweise oder sogar vollständig wiederherzustellen.

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4. Risiken und Komplikationen

Bei einer Amputation schneidet der Chirurg durch Haut und Körpergewebe. Dadurch kann es in seltenen Fällen zu Verletzungen von umliegenden Geweben kommen. Manche Patienten reagieren auf den Eingriff auch mit einem Abfall des Blutdrucks.

Infiziert sich die Operationswunde nach der Amputation, können Entzündungen auftreten und den Heilungsprozess stören.

In einigen Fällen kann es nach einer Amputation zu sogenannten Phantomschmerzen kommen. Patienten nehmen am «Phantomglied» einen meist drückenden oder bohrenden Schmerz wahr. Diese Schmerzen sind selten dauerhaft, können aber über den Tag verteilt mehrfach für einige Zeit auftreten. Bisher ist nicht bekannt, warum Betroffene nach einer Amputation Phantomschmerzen empfinden.

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