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Veröffentlicht am 27.08.2019

1. Allgemeines

Mithilfe einer Angiographie lassen sich Blutgefässe darstellen: Dazu spritzt man (mit oder ohne Katheter) ein Kontrastmittel in das zu untersuchende Gefäss und fertigt ein Röntgenbild an – das sogenannte Angiogramm.

Neben dem Röntgen eignen sich auch die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie für eine Angiographie. Eine solche CT- oder MR-Angiographie unterscheidet sich in ihrem Ablauf von der konventionellen Angiographie unter anderem darin, dass sie immer ohne Katheter auskommt.

Je nachdem, welche Gefässe man angiographisch darstellt, handelt es sich bei der Angiographie um:

  • eine Arteriographie (= die angiographische Untersuchung der Arterien)
  • eine Phlebographie (= angiographische Darstellung der Venen)
  • eine Lymphographie (= Angiographie der Lymphgefässe)

Die angiographische Untersuchung der Arterien, die das Herz mit Blut versorgen (Herzkranzgefässe bzw. Koronararterien), heisst Koronar-Angiographie. Sie kommt häufig bei einem Herzinfarkt zum Einsatz (Herz-Katheteruntersuchung).

Die Ergebnisse einer Angiographie lassen Rückschlüsse auf Art und Ausdehnung von Gefässerkrankungen zu. Engstellen und Veränderungen der Gefässe sind mit grosser Genauigkeit zu erkennen. Ein Angiogramm kann daher in hohem Mass zur Entscheidung beitragen, ob eine Behandlung möglich und erforderlich ist und welche Behandlungsmethoden infrage kommen.

Eine Angiographie kann nachweisen, ob Herzkranzgefässe durch Ablagerungen verstopft sind. Eine Röntgenaufnahme (sog. Angiogramm) stellt dabei die Gefässe dar. Wie ein Angiogramm entsteht, sehen Sie in unserem Video.

Die Angiographie kommt aber längst nicht mehr nur zu Diagnosezwecken zum Einsatz: Während der Katheter ursprünglich nur dazu diente, das zur Gefässdarstellung nötige Kontrastmittel zu verabreichen, erfüllt er heute auch therapeutische Zwecke. Ärzte nutzen die Angiographie für eine Vielzahl minimal-invasiver Eingriffe: Sie können den Katheter beispielsweise verwenden, um Implantate, Behandlungsinstrumente oder Medikamente an eine ganz bestimmte Stelle zu bringen. Auf diese Weise lassen sich unter anderem Gefässverengungen aufweiten (sog. Ballondilatation), Blutungen von innen verschliessen oder bestimmte Krebsarten mit einer Chemotherapie behandeln, die gezielt am betroffenen Gewebe wirkt.

Diese sogenannte minimal-invasive Therapie hat viele Vorteile: Ist dort, wo früher eine offene Operation nötig war, die Behandlung mithilfe einer Angiographie möglich, macht dies einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus oft überflüssig. Häufig können solche minimal-invasiven Eingriffe ambulant stattfinden.

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2. Ablauf

Die Angiographie kann Blutgefässe darstellen. Der Ablauf der Untersuchung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Sie erhalten eine örtliche Betäubung oder eine Vollnarkose.
  • Der Arzt verabreicht Ihnen ein Kontrastmittel in das zu untersuchende Gefäss und röntgt es.
  • Das fertige Bild bezeichnet man als Angiogramm.

Findet die Angiographie unter örtlicher Betäubung statt, verspüren Sie womöglich ein Wärmegefühl, wenn Sie das Kontrastmittel gespritzt bekommen – dies ist ganz normal und lässt nach ein paar Sekunden wieder nach. Je nachdem, welche Körperregion der Arzt angiographisch darstellen möchte, spritzt er das Kontrastmittel direkt mit einer Hohlnadel oder indirekt mithilfe der sogenannten Seldinger-Technik in das jeweilige Gefäss.

Meistens kommt bei der Angiographie die Seldinger-Technik zum Einsatz: Hierbei legt der Arzt zunächst über eine Nadelpunktion ein kleines Plastikröhrchen (Schleuse) in das Gefäss, um darüber einen langen, flexiblen, dünnen Schlauch aus Kunststoff (Katheter) einzuführen. Die Einführung des Katheters im Gefäss fühlen Sie nicht – Sie verspüren höchstens ein Druckgefühl an der Punktionsstelle, wenn der Arzt den Katheter bewegt. Bei den meisten Angiographien legt man den Katheter über die rechte, manchmal auch über die linke Leistenbeuge oder die Ellenbeuge in das zu untersuchende Gefäss. In der anschliessenden Röntgenaufnahme sind dank des Kontrastmittels die Gefässe einschliesslich ihrer Nebenäste zu sehen.

Nach der Angiographie ist es empfehlenswert, ein paar Stunden Bettruhe einzuhalten (die Dauer hängt vom Durchmesser des verwendeten Katheters ab). Wenn Sie einen Druckverband bekommen haben, ist es wichtig, diesen so lange zu tragen wie angegeben. Um keine Nachblutungen an der Punktionsstelle zu riskieren, ist es ausserdem ratsam, dass Sie sich in den ersten beiden Tagen nach der Angiographie körperlich nicht zu stark belasten. Das Kontrastmittel scheiden Sie über die Nieren vollständig aus. Diese Ausscheidung können Sie unterstützen, indem Sie nach der Angiographie viel trinken.

Digitale Subtraktionsangiographie (DSA)

Die Angiographie findet heutzutage überwiegend als computerunterstützte digitale Subtraktionsangiographie (DSA) statt. In ihrem Ablauf unterscheidet sich die digitale Subtraktionsangiographie von der konventionellen Angiographie darin, dass man erst ein Kontrollbild von dem zu untersuchenden Bereich anfertigt, bevor Sie das Kontrastmittel gespritzt bekommen. Dann geht es mit der eigentlichen Angiographie weiter.

Digitale Subtraktionsangiographie bedeutet, dass man (mithilfe von Computertechnik) die vor und nach Kontrastmittelgabe gewonnenen Bilder übereinanderlegt und alles entfernt, was sich nach dem Kontrollbild nicht verändert hat: Durch diese Bearbeitung bleiben nur noch die Bereiche übrig, in denen sich das Kontrastmittel befindet (sog. digitale Subtraktion). Diese negative Überlagerung gestattet es, die Gefässe ohne störende Weichteil- und Knochenstrukturen zu betrachten. Vorteil der DSA gegenüber der konventionellen Angiographie: Sie stellt die Gefässe genauer dar und die Menge des Kontrastmittels lässt sich verringern.

CT- und MR-Angiographie

Nicht nur die Röntgentechnik eignet sich für eine Angiographie: Auch mithilfe der Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) kann man ein Angiogramm erstellen. CT- und MR-Angiographie unterscheiden sich von der herkömmlichen Variante vor allem darin, dass die Untersuchung aller Gefässe ohne Katheter möglich ist.

Zur CT-Angiographie spritzt der Arzt ein Kontrastmittel in eine Armvene; die MR-Angiographie kann mit oder ohne Kontrastmittelgabe erfolgen. Für Menschen mit einem normalen Herzschrittmacher ist die MR-Angiographie allerdings ungeeignet, da im Ablauf der Untersuchung Wechselwirkungen zwischen dem Magnetfeld und dem Schrittmacher entstehen können.

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3. Anwendungsgebiete

Die Angiographie ist für viele verschiedene Anwendungsgebiete geeignet: Sie dient dazu, Gefässveränderungen wie Verengungen, Verschlüsse oder Missbildungen aufzuspüren und deren genaue Lage festzustellen. Ärzte können Durchblutungsstörungen und Thrombosen angiographisch nachweisen. Ausserdem kommt die Angiographie in der Tumordiagnostik und der Gefässversorgung vor Operationen zum Einsatz. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Erfolgskontrolle nach gefässchirurgischen Eingriffen oder medikamentösen Behandlungen wie einer Auflösung von Blutgerinnseln.

Ursprünglich kamen Angiographien nur zu Diagnosezwecken zum Einsatz. Da die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) qualitativ hochwertige Untersuchungsergebnisse liefern, ist die Angiographie ausschliesslich zur Diagnose inzwischen oft nicht mehr nötig. Stattdessen sind viele Anwendungsgebiete im Bereich der minimal-invasiven Therapie hinzugekommen.

Die Technik eigent sich zum Beispiel für folgende minimal-invasive Eingriffe:

  • Thrombosebehandlung: Mithilfe der Angiographie kann der Arzt ein Blutgerinnsel beseitigen, indem er über den Katheter Medikamente einbringt, die das Gerinnsel auflösen (sog. Thrombolyse).
  • Gefässbehandlung:
    • Ballondilatation: Bei der Angiographie kann der Arzt über den Katheter einen winzigen Ballon in ein Blutgefäss einführen und so eine Gefässverengung (Stenose) oder einen Dialyseshunt aufweiten oder einen Gefässverschluss beheben.
    • Stentimplatation: Mit dem Katheter kann der Arzt auch eine Gefässstütze (Stent) in ein Blutgefäss einbringen und so ebenfalls ein verengtes/verschlossenes Gefäss oder auch ein Aneurysma behandeln.
  • Tumorbehandlung:
    • Chemo-Embolisation: Mithilfe der Angiographie lassen sich bestimmte Tumoren örtlich behandeln – und zwar durch Verödung der Arterien, die den Tumor versorgen, und durch örtliche Chemotherapie, die gezielt an Ort und Stelle auf den Tumor einwirkt.
    • Thermoablation: Hierbei zerstört der Arzt über eine genau in Stellung gebrachte Nadel gezielt Tumorgewebe durch örtliche Erhitzung (z.B. mit einem Laser).
  • Hybrid-Operationen: Angiographische Behandlungstechniken können auch zusammen mit chirurgischen Eingriffen in einem entsprechend eingerichteten Operationsraum stattfinden.
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4. Risiken und Komplikationen

Die Angiographie ist eine Untersuchung mit geringen Risiken, die nur selten zu Komplikationen führt. Auch die mit einer Angiographie verbundene Strahlenbelastung ist sehr gering. Als Nebenwirkung können Sie, während Sie das Kontrastmittel gespritzt bekommen, ein Spannungsgefühl in der Herzgegend verspüren, das jedoch nach kurzer Zeit abklingt. Das Vorschieben des Katheters können Sie nicht spüren, da die Innenhaut der Blutgefässe keine Nervenfasern besitzt.

Grundsätzlich kann eine Angiographie allerdings mit folgenden Risiken und Komplikationen verbunden sein:

  • Verletzungen und Bluterguss an der Einstichstelle
  • Herzrhythmusstörungen
  • Entzündungen
  • Überempfindlichkeitsreaktion auf das Kontrastmittel (von leichten allergischen Reaktionen in Form von Niesen, Übelkeit, Juckreiz und Hautausschlag über schwere Herz- und Kreislaufreaktionen bis hin zum Atemstillstand)
  • Störungen der Schilddrüsenfunktion durch jodhaltiges Kontrastmittel
  • Durchblutungsstörungen
  • Verletzungen der Leisten-, Becken-, Arm- oder Hauptschlagader
  • Bildung einer Verbindung zwischen Arterie und benachbarter Vene (arteriovenöse Fistel)

Daher ist es ratsam, eine Angiographie nur einzusetzen, wenn das zu erwartende Ergebnis die Risiken und möglichen Komplikationen rechtfertigt. Eine Alternative zur Angiographie ist die sogenannte Doppler-Ultraschalluntersuchung, mit der man besonders grössere Gefässe ohne Risiken untersuchen kann. Sollte das Ergebnis einer solchen Untersuchung jedoch unzureichend sein, ist eine Angiographie erforderlich.

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