Von Veröffentlicht am 18.09.2019

1. Allgemeines

Die Chiropraktik ist eine Behandlungsalternative zur klassischen Schulmedizin. Die Therapeuten versuchen mit diesem Verfahren zum Beispiel, schmerzhafte Funktionsstörungen (sog. Subluxationen oder Blockierungen) der Gelenke an Wirbelsäule und Gliedmassen zu behandeln und positiv auf das Nervensystem einzuwirken. Das Verfahren kommt unter anderem bei Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Verspannungen zum Einsatz.

Therapeuten, die nach der Chiropraktik behandeln, heissen Chiropraktiker. Während der Behandlung verwendet der Chiropraktiker seine eigenen Hände – daraus ergibt sich die Wortbedeutung des Begriffs Chiropraktik: cheiro = griechisch für Hand und praxis = griechisch für Handlung. Die Chiropraktik gehört, wie unter anderem auch die Osteopathie, zu der sogenannten manuellen Therapie.

In Deutschland üben hauptsächlich folgende Berufsgruppen diese Therapie aus:

  • Heilpraktiker
  • Physiotherapeuten
  • Osteopathen
  • Orthopäden
  • naturheilkundliche Ärzte

Sie können über spezielle Schulungen die verschiedenen Techniken und Hintergründe der Chiropraktik erlernen. In den USA, Kanada und einigen europäischen Staaten durchlaufen Chiropraktiker hingegen ein staatlich anerkanntes Studium, das mehrere Jahre dauert.

Typische Verfahren und Techniken, die ein Chiropraktiker anwenden kann, sind zum Beispiel:

  • Bandscheiben-Technik
  • Craniopathie
  • Gonstead-Technik
  • Halswirbelsäulen-Techniken
  • Low-Force-Techniken
  • manuelle Organ-Techniken
  • Thompson-Technik
  • Sacro-Occipital-Technik
  • spezielle Kinder-Behandlungen


Bei der Chiropraktik sind für die Diagnostik und Therapie nicht nur der Bewegungsapparat, sondern auch das Nervensystem und die inneren Organe bedeutsam.

Die Ursprünge der Chiropraktik lassen sich bis ins Altertum verfolgen. Auch im späteren Lauf der Geschichte versuchten Gliedersetzer, Knochenrichter und Ziehleute, durch das Einrenken von Wirbeln und Gelenken Krankheiten zu heilen.

Daniel David Palmer (1845-1913) gilt als Begründer der Chiropraktik wie wir sie heute kennen. Palmers Grundgedanke war, dass Fehlstellungen der Wirbelgelenke einen zu starken Druck auf die Nerven verursachen. Dadurch entstehen seiner Ansicht nach diverse Störungen.

Seit 1987 ist die Chiropraktik in den USA ein staatlich anerkanntes Behandlungsverfahren.

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2. Grundlagen

Der Grundgedanke der Chiropraktik besagt, dass Krankheiten durch eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule und ihrer Gelenke entstehen. Dieser sogenannte vertebrale Subluxations-Komplex gilt in der Chiropraktik als Ursache für gesundheitliche Probleme. Chiropraktiker machen letztlich fünf Faktoren für das Auftreten von Beschwerden verantwortlich:

  • Bewegungsstörungen der Wirbelsäulenknochen (spinale Kinesiopathologie)
  • Störung der Nervenfunktionen (Neurophysiopathologie)
  • Störungen der Muskelfunktion (Myopathologie)
  • Funktionsstörungen des Gewebes (Histopathologie)
  • Wirbelsäulen- und Körperfunktionsstörungen (Pathophysiologie)


Vereinfacht gesagt blockiert ein «fehlerhafter» Muskelzug die Knochen der Gelenke, sodass ihre Mobilität behindert ist. Als Ursache dafür vermuten Chiropraktiker eine Funktionsstörung im Gelenk und eine Überspannung von Muskeln und Sehnen am Gelenk. Die Blockade kann sich auch auf Nervenleitungen ausweiten. Dadurch treten – laut Chiropraktik – unter anderem folgende Symptome auf:


Der Chiropraktiker versucht, mit speziellen Handgriffen verspannte Muskelgruppen zu entspannen und durch Impulse die Gelenke so zu justieren, dass sich der korrekte Grundzustand wieder einstellt. Dabei bedient er sich unterschiedlicher Techniken. Durch Druck und Zug versucht er, blockierte Wirbel wieder zu mobilisieren, Muskelverspannungen zu beseitigen und den Druck auf die Nervenbahnen zu mindern. Chiropraktiker gehen davon aus, dass die Therapie dabei die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert.

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3. Durchführung

Vor der eigentlichen Behandlung untersucht der Chiropraktiker den Betroffenen zunächst gründlich. Besonders wichtig dabei sind Fehlstellungen der Gelenke oder Wirbel sowie Fehlfunktionen der Muskeln und Nerven. Die chiropraktische Voruntersuchung bildet die Grundlage, um die Fehlfunktionen anschliessend gezielt behandeln zu können.

Bei der Chiropraktik bringt der Therapeut durch bestimmte Handgriffe die Gelenke ohne viel Kraftaufwand in ihre ursprüngliche Position zurück. Er löst damit Blockierungen und macht die Gelenke wieder beweglich (Mobilisation). Wichtig für einen Erfolg ist die anschliessende Krankengymnastik. Unter Anleitung spannt der Patient dabei aktiv die betroffenen Muskeln an, danach dehnt der Therapeut diesen Bereich (passive Bewegung).

Nur fachkundige Therapeuten und Ärzte sollten die Chiropraktik anwenden, um ernsthafte Nebenwirkungen, etwa Verletzungen der Nerven oder Blutgefässe, zu vermeiden. Bei folgenden Erkrankungen sollten bestimmte Techniken (z.B. die Manipulation) der Chiropraktik mit Vorsicht oder gar nicht zum Einsatz kommen:

  • entzündliche oder bösartige Erkrankungen der Wirbelsäule
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • ein akuter Bandscheibenvorfall
  • extreme Gelenkfehlstellungen


Ausserdem sollten Menschen, die an Hämophilie (Bluterkrankheit) leiden oder blutverdünnende Medikamente einnehmen, auf eine chiropraktische Behandlung verzichten. Im Zweifel kann Sie Ihr behandelnder Arzt beraten, ob alternative Behandlungsverfahren wie die Chiropraktik oder die Chirotherapie für Sie infrage kommen oder nicht.

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4. Anwendungsgebiete

Die Chiropraktik kann bei Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule und der Gliedmassen Linderung verschaffen. Sie wird deshalb besonders in der Therapie von Rückenschmerzen, Gelenkproblemen und Verspannungen eingesetzt.

Chiropraktiker arbeiten mit sanften, kontrollierten und gezielten Druckimpulsen. Sie gehen davon aus, dass sie mit diesem Justieren von Wirbelgelenken auch den Informationsfluss in den Nervenbahnen von und zum Gehirn verbessern und so Schmerzen und Krankheiten entgegenwirken können. Die Behandlung soll dabei auch die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.

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5. Wirksamkeit

In den USA und anderen Staaten ist die Chiropraktik ein anerkanntes Behandlungsverfahren. Der Chiropraktikbegründer David Palmer vertrat die Meinung, dass die meisten Erkrankungen des menschlichen Körpers letztlich auf Störungen an Wirbelsäule und Gelenken zurückzuführen sind. Für diese Ansicht fehlt allerdings die wissenschaftliche Grundlage.

Die manuelle Therapie im Sinne der Chirotherapie, bei welcher der Arzt mithilfe spezieller Handgrifftechniken versucht, Beschwerden am Bewegungsapparat zu lindern, ist jedoch als wirksames Behandlungsverfahren anerkannt.

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6. Chirotherapie

Die Begriffe Chiropraktik und Chirotherapie bezeichnen nicht dasselbe. Während die Chirotherapie ausschliesslich auf die Therapie von sogenannten Gelenkblockaden abzielt, bezieht die Chiropraktik auch die Wechselwirkungen zwischen Bewegungsapparat, Organen und Nervensystem mit ein.

Bei der Chirotherapie legen vor allem Ärzte Hand an. In speziellen Ausbildungen zusätzlich zum Medizinstudium können Mediziner die entsprechenden Handgrifftechniken erlernen – und damit die Zusatzbezeichnung als Chirotherapeut erlangen. Im Rahmen der Chirotherapie können die Ärzte dann Gelenkstörungen diagnostizieren und auch behandeln. Dabei unterscheidet man die Mobilisation von der Manipulation.

Die Mobilisation ist die sogenannte weiche Technik der Chirotherapie: Sie beeinflusst Verspannungen der Muskulatur und damit auch die Gelenkstörung. Manipulationen sind dagegen «harte Techniken». Diese Chirotherapietechnik soll gezielt die gestörte Gelenkbewegung verbessern. Ob für einen Patienten solche Manipulationen infrage kommen, richtet sich auch nach seinem Gesundheitszustand: Leidet er zum Beispiel an Osteoporose, Knochentumoren oder Fehlbildungen, scheiden harte Techniken für die Behandlung aus.

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