Von Veröffentlicht am 18.09.2019

1. Allgemeines

Ein Defibrillator (umgangssprachlich «Defi») ist ein Gerät, das dazu dient Herzrhythmusstörungen oder einen dadurch bedingten Herz-Kreislauf-Stillstand zu behandeln. Der Defibrillator gibt elektrische Impulse an das Herz ab und soll den Herzschlag dadurch wieder in den richtigen Rhythmus bringen.

Der Defibrillator gehört zur Standardausrüstung jeder Intensivstation und jedes Operationssaals. Ausserdem befindet sich in jedem Rettungs- und Notarztwagen, Rettungshubschrauber sowie in vielen Passagierflugzeugen mindestens ein «Defi». Neben der Herz-Lungen-Wiederbelebung (Herzdruckmassage und Atemspende), wie man sie im Erste-Hilfe-Kurs lernen kann, ist die Defibrillation der wichtigste Therapieschritt gegen den plötzlichen Herztod.

Weil ein Defibrillator lebensrettend ist, gibt es heute spezielle Geräte, die auch Laien bedienen können – sogenannte AED (automatisierte externe Defibrillatoren).

Mittlerweile sind viele Firmen und öffentliche Einrichtungen mit automatisierten externen Defibrillatoren ausgerüstet. Auch viele grosse Luftfahrtgesellschaften führen mittlerweile AED auf ihren Flügen mit. Wie ein solcher Defibrillator anzuwenden ist, steht immer häufiger auch auf dem Programm einer Ausbildung in Erster Hilfe. In Firmen erhalten Beauftragte für Erste Hilfe meist auch eine Schulung für einen AED – die Anweisungen des Gerätes sind jedoch auch für ungeschulte Laien verständlich: Jeder AED hat eine sprachgesteuerte Benutzerführung und steuert selbstständig die Herzstimulation. Der Laie muss den «Defi» lediglich einschalten und sich an die Sprachanweisungen halten.

Ein Defibrillator eignet sich nur zur Behandlung von akuten und lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen des Herzens – etwa nach einem Unfall oder Herzinfarkt. Längerfristige Herzrhythmusstörungen lassen sich durch geeignete Medikamente oder mit einem Herzschrittmacher behandeln. Im Vergleich zu einem «Defi», der das Herz durch einen kurzen elektrischen Stromimpuls wieder in einen regelmässigen Rhythmus versetzt, regt der Herzschrittmacher den Herzmuskel dazu an, sich dauerhaft regelmässig zusammenzuziehen (Kontraktion).

Neben den externen gibt es auch interne Defibrillatoren: Ein solcher implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird – ebenso wie ein Herzschrittmacher – in den Körper eingepflanzt. Ein ICD eignet sich, um wiederkehrende, plötzlich auftretende, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen langfristig zu behandeln.

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2. Technik

Ein Defibrillator verfügt über eine spezielle Technik: Der zentrale Bestandteil eines Defibrillators ist ein Kondensator, der die elektrische Energie speichert. Um den Herzmuskel mit einem gezielten elektrischen Stromimpuls (Defibrillation) wieder in den normalen Schlagrhythmus zu bringen, klebt man grossflächige Elektroden auf den Brustkorb des Patienten oder hält ihm die Elektroden an den Körper. Die Elektroden laden die Energie (ähnlich einem Foto-Blitzgerät) und geben sie auf Knopfdruck an den Patienten ab.

Wer den «Defi» bedient, kann die Energiemenge des Stromschlags regulieren – sofern das Gerät sie nicht (wie ein AED bzw. automatisierter externer Defibrillator) – automatisch bemisst. Die Stromimpulse von Defibrillatoren unterscheiden sich leicht von Hersteller zu Hersteller. Als Mittelwerte gelten:

  • Spannungen zwischen 1000 und 2000 Volt (V)
  • Anfangsströme von etwa 20 bis 30 Ampere (A)
  • Energie von 150 bis 360 Joule (J) bei Erwachsenen

Ein moderner Defibrillator arbeitet biphasisch (mit zwei Phasen). Das bedeutet, dass während der Defibrillation die Spannung zwischen den beiden Elektroden wechselt. Aus dem Pluspol wird ein Minuspol und umgekehrt. Der Polwechsel spart Energie und gewährleistet einen effektiven Einsatz des Defibrillators. Ein biphasischer «Defi» schont das Herz und auch die Haut durch den geringeren elektrischen Strom.

Oftmals beinhaltet ein Defibrillator weitere Funktionen, die in der Intensivüberwachung und -therapie wichtig sind: wie etwa ein EKG (Messung der elektrischen Aktivität der Herzmuskelzellen), ein Pulsoximeter (Messung des Sauerstoffgehalts im Blut), einen Herzschrittmacher oder auch eine Blutdruckmessung. Dies ermöglicht dem Krankenhaus- und Rettungsdienstpersonal, einen Patienten mit nur einem «Defi» umfassend zu therapieren und zu überwachen.

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3. Anwendung

Ein gezielter elektrischer Stromimpuls per Defibrillator ist als therapeutische Anwendung bei bestimmten Herzerkrankungen beziehungsweise Notfällen sinnvoll – und oftmals lebensrettend. Man unterscheidet zwei Verfahren der Defibrillation:

Asynchrone Defibrillation

Bei der asynchronen Defibrillation gibt der Defibrillator die Energie unmittelbar nach Betätigung des Auslöseknopfs an den Patienten ab. Die asynchrone Defibrillation eignet sich zum Beispiel zur Behandlung von lebensbedrohlich stark beschleunigtem Herzschlag (über 300 Schlägen pro Minute), bei dem das Herz kaum noch Blut in den Körper pumpt.

Synchrone Defibrillation

Bei der sogenannten synchronen Defibrillation – auch Kardioversion genannt – löst der Defibrillator den aktivierten Stromimpuls erst nach einer kurzen Verzögerung aus. Die Kardioversion eignet sich dann, wenn bestimmte Anteile des Herzens (die Herzkammern) noch regelmässig schlagen, zum Beispiel bei Vorhofflimmern oder -flattern. Durch die Verzögerung können die Herzkammern ungestört arbeiten, während sich der Stromimpuls nur auf die den Kammern vorgeschalteten Herzvorhöfe auswirkt.

4. Notfall-Defibrillator (AED)

Der Defibrillator ist ein wichtiges Gerät zur Ersten Hilfe bei Kammerflimmern oder bestimmten anderen Herznotfällen. Allgemein empfiehlt es sich, als Ersthelfer notfallmässig einen «Defi» einzusetzen, wenn:

  • der Verunglückte bewusstlos ist, nicht (regelmäßig) atmet und keinen Pulsschlag hat,
  • ein AED (automatisierter externer Defibrillator) verfügbar ist,
  • der Notarzt verständigt, aber noch nicht eingetroffen ist.

Ein automatisierter externer Defibrillator misst vor der eigentlichen Defibrillation (also dem Stromschlag) zunächst die Herzaktivität. Der AED wird nur dann aktiv, wenn wirklich ein Stromschlag notwendig ist. Zudem gibt der «Defi» genaue Anweisungen, wie er anzuwenden ist, ebenso animiert er den Helfer zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Halten Sie sich genau an die Anweisungen.

Hinweise zur Ersten Hilfe mit einem Defibrillator:

  • Prüfen Sie, ob der Verunglückte ansprechbar ist, ob er atmet und ob sein Puls fühlbar ist.
  • Verständigen Sie umgehend den Notarzt (unter der Notrufnummer 112) oder lassen Sie ihn verständigen. Holen Sie den AED oder lassen Sie ihn sich bringen, wenn der Verunglückte keinen Puls hat.
  • Haben Sie den Unfall beobachtet und liegt er erst kurz zurück, können Sie nach Rücksprache mit dem Notarzt sofort mit der Defibrillation beginnen. Starten Sie ansonsten zunächst mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Befreien Sie dafür den Oberkörper des Verunglückten von Kleidung.
  • Unterbrechen Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung nur kurz für die Defibrillation. Dies klappt leichter, wenn man zu zweit arbeitet und sich abwechseln kann. Achtung: vor der Anwendung den Defibrillator einschalten!
  • Halten Sie sich ganz genau an die Anweisungen des Gerätes.
  • Benutzen Sie den Defibrillator nicht, wenn mit reinem Sauerstoff gearbeitet wird oder Alkoholdämpfe beziehungsweise Dämpfe brennbarer oder explosionsfähiger Substanzen im Raum sind (beispielsweise ist dies bei Betriebsunfällen besonders wichtig).
  • Achten Sie darauf, dass der Brustkorb des Verunglückten trocken ist (z.B. bei Badeunfällen oder bei Regen).
  • Entfernen Sie eventuell vorhandene Medikamentenpflaster von der Brust des Verunglückten.
  • Kurz bevor bzw. während Sie den Stromstross einsetzen, ist es wichtig, den Verunglückten nicht zu berühren. Warnen Sie ausserdem alle weiteren Ersthelfer.
  • Direkt nach dem Stromstoss ist es empfehlenswert, sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung fortzufahren. Achten Sie auf die Anweisungen des Gerätes.

Mit Erster Hilfe und gegebenenfalls mit einem Defibrillator verbessern Sie die Chancen des Verunglückten wieder gesund zu werden. Um in Notfällen sicher zu handeln, empfiehlt es sich, regelmässig einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Dort lernen Sie meist auch die Anwendung eines AED.

Sind Sie sich bei einem Notfall unsicher, wie Sie dem Verunglückten helfen sollen, informieren Sie zunächst den Notarzt und befolgen Sie die jeweiligen Anweisungen, so gut Sie können. Bereits dies verbessert die Überlebenschancen des Verunglückten meist deutlich.

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5. Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)

Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (engl.: implantable cardioverter-defibrillator, ICD) ist ein besonders kleiner Defibrillator, den man in den Körper einsetzen oder einpflanzen (= implantieren) kann. Er besteht aus einem Mikrocomputer und einer langlebigen Batterie in einem gewebefreundlichen Titangehäuse. In der Regel pflanzen Ärzte den implantierbaren Kardioverter-Defibrillator unter den grossen Brustmuskel oder unter die Haut ein. Zwei kleine Leitungen – auch Elektroden oder Sonden genannt – stellen die Verbindung zwischen dem eingepflanzten «Defi» und dem Herzmuskel her. Je nach Bedarf gibt der ICD elektrische Impulse unterschiedlicher Stärke durch die Elektroden an das Herz ab. Der Arzt kann das Gerät schmerzfrei durch die Haut über ein spezielles Programmiergerät an die individuellen Bedürfnisse des Patienten anpassen.

Bedarfsangepasste Therapie mit dem ICD

Der heutzutage eingesetzte ICD ist nicht nur ein reiner Defibrillator, sondern kann nach der Implantation – ähnlich einem Herzschrittmacher – auf verschiedene Herzrhythmusstörungen flexibel reagieren und je nach Bedarf Impulse unterschiedlicher Stärke abgeben. Der ICD reagiert auf einen zu schnellen Herzschlag ebenso wirksam wie auf einen verlangsamten: In ersterem Falle spricht man von antitachykarder, in zweitem von antibradykarder Stimulation. Der Patient nimmt die von seinem «Defi» abgegebenen Impulse in der Regel nicht wahr.

Auch auf lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie ein Kammerflattern kann der implantierbare Kardioverter-Defibrillator flexibel regieren. Zuerst setzt der ICD, abhängig von der elektrischen Aktivität der Herzmuskelzellen, gezielt einen schwachen Stromimpuls frei (sogenannte Kardioversion), der den Herzrhythmus wiederherstellen soll. Dieser Impuls ist für den Patienten wenig belastend, aber dennoch spürbar.

Normalisiert sich der Herzschlag nicht, führt der implantierbare Kardioverter-Defibrillator eine sofortige Defibrillation durch: Hierbei gibt der «Defi» einen kurzen hochenergetischen elektrischen Impuls an den Herzmuskel ab. Betroffene beschreiben diesen lebensrettenden Impuls vom Gefühl her wie einen «Schlag vor die Brust». Der ICD trägt so dazu bei, den plötzlichen Herztod zu vermeiden und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zu beenden.

Nachsorge

Bei den Nachsorgeterminen kontrolliert der Arzt sowohl die Einstellungen des ICD als auch die Lebensdauer der Batterie. Wenn nötig, stellt er die Funktionen neu ein. Die Daten lassen sich in der Regel drahtlos durch die Haut über ein Programmiergerät abrufen. An ihnen erkennt der Arzt auch, ob beziehungsweise wann der Defibrillator aktiv geworden ist und wie das Herz zu diesem Zeitpunkt geschlagen hat.

Weiterentwicklungen des ICD

Ähnlich wie bei einigen Herzschrittmachermodellen entwickeln sich die technischen Möglichkeiten, die ein einpflanzbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) zur Funktionsüberwachung bietet, stetig weiter. Ein Beispiel für eine solche Weiterentwicklung ist das sogenannte Home Monitoring, das sich in der klinischen Erprobungsphase befindet. Das Home Monitoring soll eine automatische Arztbenachrichtigung unabhängig von den regulären Nachsorgeterminen ermöglichen. Mit dieser Zusatzfunktion lässt sich der einpflanzbare «Defi» zukünftig rund um die Uhr überprüfen und an die Bedürfnisse des Patienten anpassen.

Ein kleiner Sender im Defibrillator übermittelt die aufgezeichneten Daten an ein mobiles Patientengerät. Dieses Gerät überträgt die Nachrichten an ein Service-Center. Dort werden die Nachrichten bearbeitet und in einem Bericht zusammengestellt. Dieser Bericht geht einmal am Tag – oder sofort, wenn das Gerät besondere Abweichungen anzeigt (z.B. nach einer Herzrhythmusstörung) – an den behandelnden Arzt: Dieser entscheidet daraufhin, ob er den Therapieplan ändern und die Einstellungen des ICD optimieren muss. Bei Bedarf vereinbart der Arzt einen Nachsorgetermin.

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