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Gebärmutterentfernung

(Hysterektomie)
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Veröffentlicht am 01.10.2019

1. Allgemeines

Eine Hysterektomie kann bestimmte Beschwerden wirksam lindern und bei einigen Erkrankungen lebensrettend sein. Ärzte sollten jedoch nur zum Eingriff raten, wenn sich die Erkrankung nicht anders behandeln lässt. Denn nach einer Gebärmutterentfernung ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich.

Ist die Gebärmutter von einer Krankheit betroffen, die sich nicht oder nicht ausreichend mit sonstigen Massnahmen behandeln lässt, kann eine Operation notwendig sein, bei der der Arzt die Gebärmutter teilweise oder vollständig entfernt. Diesen Eingriff bezeichnet man als Gebärmutterentfernung oder Hysterektomie.

Eine Gebärmutterentfernung hat weitreichende Folgen: Danach kann die Patientin keine Kinder mehr bekommen. Zu dieser Operation sollte der Arzt daher nur raten, wenn andere Behandlungsmassnahmen nicht helfen oder nicht infrage kommen. Das kann etwa der Fall sein, wenn sich in der Gebärmutter viele gutartige Muskelgeschwülste (Myome) gebildet haben und die Frau unter starken Regelschmerzen leidet.

Weitere häufige Gründe für eine Gebärmutterentfernung sind:

Ob die Hysterektomie sinnvoll ist oder nicht, hängt aber nicht allein von der Erkrankung, sondern auch vom sonstigen Gesundheitszustand und der individuellen Lebenssituation der Frau ab. In vielen Fällen gibt es zudem auch andere Therapiemöglichkeiten, mit denen sich die Gebärmutter erhalten lässt.

Daher sollte sich die Patientin, bevor sie eine Entscheidung trifft, ausführlich von ihrem Arzt beraten lassen. Der Arzt sollte sie dabei über die Folgen und die Risiken des Eingriffs informieren. Er sollte ihr auch erläutern, wie aussichtsreich andere Behandlungsoptionen wären. Zudem sollte er ihr erklären, welche Operationsverfahren in ihrem Fall infrage kämen und ihr deren jeweilige Vor- und Nachteile nennen.

Übrigens: Wenn nach dem Beratungsgespräch noch Unsicherheiten oder Zweifel bestehen, kann möglicherweise ein weiteres Beratungsgespräch mit einem anderen Arzt helfen. Die Patientin hat ein Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung.

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2. Was wird entfernt?

Meist raten Ärzte zu einer vollständigen Entfernung der Gebärmutter einschliesslich des Gebärmutterhalses.

In manchen Fällen ist es möglich, nur den Gebärmutterkörper zu entfernen und den Gebärmutterhals zu erhalten. Manche Ärzte sind der Ansicht, dass diese sogenannte Gebärmutterteilentfernung der kompletten Entfernung dann vorzuziehen ist. Aus bisherigen Forschungsergebnissen lässt sich jedoch nicht eindeutig ableiten, welches Verfahren besser ist.

Wenn die Operationsbedingungen schwierig sind – etwa aufgrund besonderer anatomischer Voraussetzungen der Patientin – scheint die Teilentfernung zwar seltener zu Komplikationen zu führen als die die vollständige Hysterektomie.

Allerdings gibt es bislang keine Belege dafür, dass es langfristig Vorteile für das Sexualleben hat, den Gebärmutterhals zu erhalten. Fest steht, dass die Betroffene nach einer Teilentfernung weiterhin an Gebärmutterhalskrebs erkranken kann. Etwa 5 bis 10 von 100 Patientinnen haben nach der Teilentfernung weiterhin leichte monatliche Blutungen.

Ist eine Krebserkrankung Grund für die Operation, kann es nötig sein, neben der Gebärmutter auch das umliegende Bindegewebe (der Halteapparat der Gebärmutter) und den oberen Abschnitt der Scheide zu entfernen. Sind weitere Organe wie die Eierstöcke und die Eileiter von der Erkrankung betroffen, muss der Arzt auch diese entnehmen.

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3. Ablauf

Es gibt drei verschiedene Methoden der Gebärmutterentfernung:

  1. durch die Scheide (vaginale Hysterektomie)
  2. über die sogenannte Schlüssellochchirurgie, bei der der Arzt die Operationsinstrumente (einschliesslich einer kleinen Videokamera) über mehrere kleine Schnitte in die Bauchdecke einführt (laparoskopische Hysterektomie)
  3. über einen grossen Schnitt in der Bauchdecke (abdominale Hysterektomie)

Meist versucht der Arzt, über die Scheide oder per Schlüssellochtechnik zu operieren. Häufig werden diese beiden Operationstechniken auch miteinander kombiniert. Welche Methode für die Patientin geeignet ist, richtet sich vor allem nach der Erkrankung, nach Alter, Gewicht und Gesundheitszustand der Patientin sowie nach der Grösse und Beweglichkeit ihrer Gebärmutter.

Vaginale Hysterektomie

Bei diesem Eingriff entfernt der Arzt die Gebärmutter durch die Scheide. Vorteil des Verfahrens ist, dass es sich um einen vergleichsweise schonenden Eingriff handelt, der mit einer kurzen Operationsdauer und schnelleren Genesung einhergeht. Möglich ist diese Methode jedoch nur, wenn die Scheide nicht zu eng und die Gebärmutter beweglich und nicht zu gross ist.

Ungeeignet ist die vaginale Hysterektomie zudem für kompliziertere Eingriffe und Erkrankungen, die sich nicht allein auf die Gebärmutter beschränken. Das gilt zum Beispiel für die Endometriose, bei der Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter wächst, sowie für bösartige Tumore, die sich auf andere Organe ausgebreiten können.

Um die Endometriose-Herde beziehungsweise den Tumor möglichst vollständig entfernen zu können, muss der Arzt auch die umliegenden Organe begutachten können. Da ihm der vaginale Zugang nur eine eingeschränkte Sicht ermöglicht, entscheidet er sich in solchen Fällen für eines der anderen Operationsverfahren.

Laparoskopische Hysterektomie

Der Arzt führt die Operationsinstrumente über sehr kleine Hautschnitte in den Bauch der Patientin ein. Zu den Operationsinstrumenten zählt auch ein sogenanntes Laparoskop. Das ist ein Gerät, welches mit einer Kamera und einer Lichtquelle ausgestattet ist, und das Operationsgebiet während des Eingriffs auf einem Bildschirm vergrössert darstellt.

Der Arzt zerkleinert die Gebärmutter im Bauchraum und saugt das Gewebe entweder durch die Scheide oder einen der kleinen Schnitte in der Bauchdecke ab.

Das genaue Vorgehen hängt jedoch davon ab, welches laparoskopische Verfahren der Arzt wählt. Es gibt verschiedene Formen der laparoskopischen Gebärmutterentfernung:

  • Die laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie (LAVH) ist eine Kombination aus laparoskopischer und vaginaler Hysterektomie. Die ersten Operationsschritte erfolgen über die kleinen Schnitte in der Bauchdecke, anschliessend wechselt der Arzt den Zugang und entfernt die Gebärmutter durch die Scheide.
  • Die laparoskopische suprazervikalen Hysterektomie (LASH) und die totale laparoskopische Hysterektomie (TLH) erfolgen ausschliesslich über die Schnitte in der Bauchdecke. Der Unterschied zwischen den beiden Verfahren ist, dass der Arzt bei der TLH die komplette Gebärmutter mitsamt Gebärmutterhals entnimmt, wohingegen bei der LASH nur der Gebärmutterkörper entfernt wird. Daher auch der Name suprazervikale abdominale Hysterektomie: «supra» steht für «oberhalb», «zervikal» für «Gebärmutterhals». Dieses Vorgehen zählt zu den sogenannten «subtotalen» Gebärmutterentfernungen, bei denen der Arzt das Organ nicht als Ganzes («total») entfernt.

Laparoskopische Eingriffe dauern meist etwas länger als die Gebärmutterentfernung durch die Scheide. Ein wichtiger Vorteil der laparoskopischen Verfahren ist jedoch, dass die Patientinnen dabei normalerweise weniger Blut verlieren als bei der vaginalen Hysterektomie.

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Abdominale Hysterektomie

Der Arzt kann die Gebärmutter auch über einen Schnitt in der Bauchdecke entfernen. Das Verfahren gibt ihm eine gute Übersicht über das Operationsgebiet. Da ein grosser Bauchdeckenschnitt jedoch mit belastenderen Folgen und einer längeren Genesungszeit verbunden ist als die anderen Verfahren, wählt der Arzt dieses Verfahren nur, wenn die anderen Operationsmethoden nicht infrage kommen.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn mehrere Organe im Bauchraum von der Erkrankung betroffen sind oder die körperlichen Voraussetzungen der Patientin gegen eines der anderen Verfahren sprechen. Notwendig sein kann eine abdominale Hysterektomie etwa, wenn die Patientin eine lange, schmale Scheide, eine grosse Gebärmutter und/oder Verwachsungen im Bauchraum hat.

4. Risiken und Komplikationen

Nach dem Eingriff dauert es einige Wochen, bis die Patientin ihren Alltag wieder wie gewohnt gestalten kann. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts und der Genesung hängt von der Erkrankung ab und von der Operationstechnik. Meist dauert der Krankenhausaufenthalt höchstens eine Woche. Nach einer abdominalen Hysterektomie kann ein längerer Krankenhausaufenthalt nötig sein.

Manchmal treten direkt nach der Hysterektomie Schmerzen auf. Darum erhält die Patientin in den ersten Tagen Schmerzmittel. Auch zu Verstopfung oder Problemen beim Wasserlassen kann es nach dem Eingriff kommen. Diese Beschwerden klingen jedoch meist innerhalb einiger Tage ab.

Wichtig: Auf Geschlechtsverkehr sollte die Patientin innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Operation verzichten.

Wie jede Operation geht die Hysterektomie mit Risiken einher. Beispielsweise können Blutgefässe, Nerven und umliegende Organe (etwa Harnblase, Harnleiter oder Darm) verletzt werden. Auch Infektionen sind möglich. Insgesamt kommen diese Komplikationen bei etwa 5 von 100 Frauen vor.

Weitere mögliche Risiken sind:

  • Verwachsungen im Bauchraum, die Schmerzen hervorrufen
  • Harnwegsinfekte
  • Wundinfektionen

Langfristige Folgen der Operation

Frauen, die sich wegen starker Unterbauchschmerzen für den Eingriff entschieden haben, erleben danach häufig eine Besserung der Beschwerden. Bei einem geringen Teil der Patientinnen treten nach der Operation erneut Schmerzen im Unterbauch auf.

Nach der Genesungszeit können die Patientinnen normalerweise wieder wie gewohnt Geschlechtsverkehr haben. Bei manchen Patientinnen verändert sich nach dem Eingriff jedoch das sexuelle Empfinden.

Eine Schwangerschaft ist nach der Hysterektomie nicht mehr möglich. Wurde die Gebärmutter vollständig entnommen, hat die Frau auch keine Monatsblutung mehr. Wurde der Gebärmutterhals nicht entfernt, können weiterhin monatliche Blutungen auftreten. Diese sind jedoch deutlich schwächer als die früheren Menstruationsblutung.

Musste der Arzt neben der Gebärmutter auch die Eierstöcke entnehmen, kommt die Betroffene nach der Operation in die Wechseljahre.