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Veröffentlicht am 06.11.2019

1. Allgemeines

Der medizinische Begriff Inzision leitet sich vom lateinischen Wort «incisio» ab und bedeutet soviel wie «Einschnitt».

Unter einer Inzision verstehen Ärzte in der Regel einen operativen Eingriff, bei dem ein Arzt körpereigenes Gewebe durchtrennt und Körperhöhlen oder durch Entzündungsvorgänge entstandene Hohlräume – zum Beispiel einen Abszess – chirurgisch eröffnet. Das unterstützt den Heilungsprozess und befreit das umliegende Gewebe von Druck und damit verbundenen Schmerzen.

Auch der Hautschnitt, den ein Chirurg zu Beginn einer Operation setzt, heisst Inzision. Je nachdem, welcher Eingriff geplant ist, setzt der Arzt den Schnitt nach ganz bestimmten Vorgaben: So verläuft die Schnittlinie bei einer Inzision vor Schilddrüsen-Operationen in der Regel quer zur Halsachse (sog. Kocher'scher Kragenschnitt). Bei grösseren Eingriffen ist der Patient in Narkose und spürt deshalb den Schnitt nicht. Bei kleineren Operationen wie der Entfernung eines Muttermals reicht eine örtliche Betäubung.

Für eine Inzision benötigt der Arzt ein chirurgisches Schneideinstrument – in der Regel ein Skalpell. Damit kann er die Haut und das darunter liegende Bindegewebe einschneiden. Dabei achtet er darauf, dass er mit dem Schnitt keine Blutgefässe und Nerven durchtrennt. So vermeidet er Komplikationen wie Blutungen oder Gefühlsstörungen.

Ausserdem spielt hygienisches Arbeiten eine grosse Rolle bei einer Inzision, um Wundinfektionen vorzubeugen. Grundsätzlich muss die entsprechende Körperstelle vor der Inzision gut desinfiziert werden, damit in die «künstliche Wunde» keine Krankheitserreger eindringen. In manchen Fällen kann der Arzt nach der Inzision den Schnitt wieder vernähen und mit einem Wundverband abdecken. Häufig ist es aber auch sinnvoll, dass die Wunde offen ausheilt. Dann sorgen spezielle Verbände oder Wundeinlagen dafür, dass Wundflüssigkeit abfliessen kann.

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2. Durchführung

Abszesspaltung – ein Beispiel für eine Inzision

Ein Arzt nimmt eine Inzision vor, wenn er zum Beispiel eine mit Flüssigkeit (Gewebeflüssigkeit, Eiter oder Blut) gefüllte Schwellung öffnen will. Handelt es sich bei der Schwellung um eine Eiterkapsel (Abszess), verwenden Mediziner für die Inzision auch den Begriff «Abszessspaltung». Der Arzt durchtrennt dabei mit einem Skalpell schichtweise Haut und Gewebe, um den Abszess zu öffnen. Damit der Einschnitt möglichst schmerzarm ist, kann der Arzt die Haut an der entsprechenden Stelle zuvor mit einem Eisspray betäuben.

Das Aufschneiden von flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen, besonders von Eiterkapseln, unterstützt deren Heilungsprozess. Auch bestehende Schmerzen bessern sich nach einer Inzision. Der Druck auf das umliegende Gewebe nimmt ab und mit dem abfliessenden Eiter verlassen Bakterien und abgestorbene Zellen den Körper. Eine Inzision eines Abszesses verhindert, dass sich der Entzündungsherd weiter ausbreitet, benachbartes Gewebe angreift und starke Schmerzen und Fieber hervorruft.

Nachdem der Arzt einen Abszess mithilfe einer Inzision geöffnet und entleert hat, legt er Stoffstreifen (Drainage, Tamponade) in die Wunde ein. Meist verwendet man dabei keimabtötende («antiseptische») Verbandsstoffe. Die Tamponade verhindert, dass sich die Wunde schnell verschliesst und damit zurückgebliebene Flüssigkeit und Krankheitserreger wieder einkapselt. Arzt oder Pflegepersonal müssen die Tamponade so oft wechseln, bis keine Flüssigkeit mehr austritt und die Entzündung abgeklungen ist. Auch die unterstützende Therapie mit Antibiotika-Tabletten oder -Infusionen ist häufig ratsam.

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3. Anwendungsgebiete

Eine Inzision dient unter anderem dazu, krankhaft entstandene Hohlräume im Körper zu eröffnen: Eine verkapselte Eiteransammlung – ein Abszess – ist ein typisches Krankheitsbild, das man mithilfe einer Inzision behandelt. Der medizinische Fachausdruck für diesen Eingriff lautet Abszessspaltung.

Auch die Schnittführung zu Beginn von Operationen ist eine Inzision. Je nachdem, welcher Eingriff geplant ist, setzt der Arzt den Schnitt nach ganz bestimmten Vorgaben: So verläuft die Schnittlinie bei einer Inzision vor Schilddrüsen-Operationen in der Regel quer zur Halsachse (sog. Kocher'scher Kragenschnitt). Mittels Inzision kann der Operateur nicht nur Organe wie die Schilddrüse freilegen, sondern auch Körperhöhlen wie die Bauchhöhle öffnen. Der gesamte Eingriff heisst in diesem Fall dann «Laparatomie» (abgeleitet vom griechischen Wort für Flanke). Führt der Chirurg eine Inzision durch, um den Brustkorb (Thorax) zu eröffnen, spricht man von einer «Thorakotomie».

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4. Risiken und Komplikationen

Eine Inzision zur Entlastung von verkapselten Eiterherden (sog. Abszessspaltung) ist in der Regel ein kleinerer, komplikationsloser Eingriff. Befindet sich der Abszess jedoch im Bereich des Gesichts, sehen die Ärzte eher von einer Inzision ab. Hier besteht durch das Aufschneiden der Eiterhöhle die Gefahr, dass Bakterien über den Blutkreislauf in die Venen des Gehirns gelangen und dort den Blutfluss behindern (Sinusvenenthrombose).

Zur Inzision gehört das Durchtrennen von Haut und Körpergewebe. Daher kann es dabei – wenn auch selten – zu Blutungen oder Verletzungen von umliegendem Gewebe oder Strukturen (z.B. Nerven) kommen. Manche Patienten reagieren auf den Eingriff auch mit einer vorübergehenden Entgleisung des Blutdrucks. Führt ein Chirurg eine Inzision durch, um Bauchhöhle oder Brustkorb zu öffnen und in diesem Bereich operieren zu können, hängen die Risiken für den Patienten eher von der Narkose und der Schwere der Operation ab als vom öffnenden Hautschnitt.

Infiziert sich nach einer Inzision die Operationswunde, können Entzündungen und Wundheilungsstörungen die Folge sein und den gesamten Heilungsprozess stören.

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