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Lumbalpunktion

(Liquorpunktion)
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Veröffentlicht am 06.11.2019

1. Allgemeines

Unter einer Lumbalpunktion (Liquorpunktion) versteht man die Entnahme von Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, Nervenwasser) aus dem Wirbelkanal im Bereich der Lendenwirbel.

Liquor ist eine klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt und diese beiden Organe vor äusseren Einwirkungen wie ein Puffer schützt beziehungsweise Stösse oder Stürze dämpft. Auch im Inneren des Gehirns befinden sich Hohlräume, die mit Liquor gefüllt sind und mit den äusseren Liquorräumen in Verbindung stehen.

Im Anschluss an die Lumbalpunktion erfolgt die Liquordiagnostik oder Liquoruntersuchung. Sie gibt Aufschluss über die Zusammensetzung des Nervenwassers und spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks. Im Rahmen solch einer Liquordiagnostik wird zum Beispiel bestimmt,

  • ob der Liquor farbliche Veränderungen aufweist,
  • ob Zellen im Liquor vorkommen bzw. falls welche vorkommen, um was für Zellen es sich handelt,
  • ob vermehrt Eiweiss im Liquor vorliegt,
  • wie viel Glukose und Laktat sich im Liquor befinden und
  • ob vermehrt Antikörper (Immunglobuline) im Liquor vorkommen.

Zum Teil bestimmt der Arzt während der Lumbalpunktion auch gleichzeitig den Liquordruck.

Der Vorteil einer Lumbalpunktion ist, dass man den Liquor im Bereich der Lendenwirbel mit einer Hohlnadel entnehmen kann. Das Risiko einer Rückenmarksverletzung durch die Lumbalpunktion besteht in der Regel nicht, da es nicht bis in diesen Bereich hinabreicht.

Eine Lumbalpunktion kann zudem nicht nur der Liquorentnahme und damit der Liquordiagnostik dienen – sondern auch therapeutische Zwecke erfüllen. So lässt sich zum Beispiel mithilfe der Lumbalpunktion

  • eine Substanz in den Liquor einbringen (z.B. Lokalanästhetika, Antibiotika, Zytostatika, Kontrastmittel) oder
  • der Liquordruck verringern, falls er zu hoch ist.

Die Lumbalpunktion kommt vor allem zur Diagnostik möglicher Hirnhautentzündungen (Meningitis) und/oder Gehirnentzündungen (Enzephalitis) zum Einsatz.

2. Durchführung

Um bei einer Lumbalpunktion (Liquorpunktion) Nervenwasser (Liquor) zu entnehmen, sticht der Arzt mit einer Hohlnadel in den Rücken des Patienten. Er wählt dabei den unteren Bereich der Wirbelsäule (Lendenwirbelsäule) und führt die Nadel zwischen zwei Wirbeln ein. Mediziner bezeichnen die Wirbel in diesem Bereich als Lumbalwirbel (Lendenwirbel) – daher rührt die Bezeichnung Lumbalpunktion.

Der Arzt trifft bei der Lumbalpunktion ein sackartiges Reservoir, das Nervenwasser enthält, und kann die Flüssigkeit – ähnlich wie bei einer Blutentnahme – entnehmen. Da das Rückenmark nicht bis in diesen unteren Bereich hinabreicht, besteht bei dieser Methode auch nicht die Gefahr, dass der Arzt mit der Nadel das Rückenmark verletzt.

Während der Lumbalpunktion sitzt oder liegt der Untersuchte in einer kauernden Stellung, sodass sich die einzelnen Wirbel auffächern und der Abstand zwischen den Wirbeln möglichst gross ist.

Risiken und Komplikationen

In den meisten Fällen birgt eine Lumbalpunktion keine besonderen Risiken oder Komplikationen. Sollte bei einem Patienten allerdings eine Erkrankungen oder ein anderer Umstand vorliegen, der eine Punktion unmöglich macht oder das Risiko von Komplikationen steigert, nimmt der Arzt diesen Eingriff meist nicht vor. Allerdings kann eine Lumbalpunktion manchmal unangenehm und durch den Einstich der Nadel etwas schmerzhaft sein. Bei manchen Patienten treten nach einigen Stunden oder am Tag nach der Lumbalpunktion Kopfschmerzen auf. In der Regel klingen diese Beschwerden aber von alleine wieder ab.

Die Untersuchungsmethode der Lumbalpunktion eignet sich aber nicht für jeden. Bei Personen, die an einer Entzündung im Bereich der Lendenwirbelsäule leiden, darf eine Lumbalpunktion nicht durchgeführt werden, da der Einstich Krankheitserreger ins Nervenwasser verschleppen könnte. Auch eine gestörte Blutgerinnung kann ein Grund sein, eine Lumbalpunktion nicht durchzuführen. Erhöhter Hirndruck, der zum Beispiel auch im Rahmen eines Schlaganfalls auftreten kann, ist ebenfalls ein grosses Risiko. So führt der Arzt bei Betroffenen in der Regel keine Lumbalpunktion durch.

3. Anwendungsgebiete

Die Lumbalpunktion (Liquorpunktion) spielt insbesondere bei der Diagnose von Krankheiten des Gehirns und Rückenmarks (zentrales Nervensystem, ZNS) eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel bei:

Will man die Zusammensetzung des Nervenwassers (Liquor) genau untersuchen, erfolgt in der Regel neben der Lumbalpunktion auch eine Blutentnahme, da sich viele Messergebnisse nur im Vergleich mit Werten im Blut beurteilen lassen.

Im Normalfall findet im Körper kaum ein Austausch zwischen Liquor und Blut statt. Diese Sperre heisst in der Fachsprache auch Blut-Liquor-Schranke. Bei bestimmten Krankheiten kann diese Barriere gestört sein, sodass bestimmte Blutbestandteile in das Hirnwasser übertreten können. Bei der Liquoruntersuchung bestimmt der Arzt daher die Anzahl von roten und weissen Blutkörperchen sowie den Eiweiss- und Zuckergehalt des Nervenwassers.

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4. Ergebnisse

Wenn der Verdacht auf bestimmte Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks (zentrales Nervensystem, ZNS) besteht, ist es oft ratsam, mit einer Lumbalpunktion (Liquorpunktion) Nervenwasser (Liquor) zu entnehmen. Im Labor wird die Flüssigkeit dann genau untersucht. Die Ergebnisse dieser Liquoruntersuchung (Liquordiagnostik) unterstützen den Arzt dabei, die richtige Diagnose zu stellen.

Liquorfarbe

Im Normalfall ist der Liquor wasserklar und farblos. Ist das Nervenwasser allerdings rosafarben oder rötlich, besteht der Verdacht, dass rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Nervenwasser vorhanden sind. Eine Blutung kann dafür die Ursache sein. Lässt sich eine rötliche Verfärbung des Liquors nicht mit blossem Auge erkennen, helfen spezielle Teststreifen, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin im Nervenwasser nachzuweisen. Bei einer grossen Anzahl weisser Blutkörperchen (Leukozyten) erscheint das Hirnwasser weisslich getrübt. Eine Gelbfärbung des Nervenwassers entsteht bei einer eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis).

Zellen im Liquor

Bei gesunden Menschen enthält der Liquor nur sehr wenige Zellen – höchstens vier Zellen pro Mikroliter (µl). Infolge von Infektionen, die auch das Nervensystem betreffen, steigt die Anzahl der Zellen jedoch an: Eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) hat zum Beispiel eine Zellzahl von über 1.000 Zellen pro Mikroliter zur Folge. Die genaue Bestimmung des Zelltyps nach einer Lumbalpunktion erlaubt auch Rückschlüsse darauf, ob Bakterien oder Viren die Infektion hervorgerufen haben.

Ein Nachweis von Krebszellen ist bei Hirntumoren und Hirnmetastasen möglich.

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Eiweiss im Liquor

Stellt man im Rahmen einer Lumbalpunktion fest, dass im Liquor vermehrt Eiweiss vorhanden ist, gibt es dafür verschiedene Ursachen:

  • Blutungen in die Hohlräume, die das Nervenwasser enthalten (sog. Liquorräume), können zu einem erhöhten Eiweissgehalt führen. Mögliche Ursachen für solche Blutungen sind z.B. Verletzungen oder Tumoren des Gehirns oder Rückenmarks.
  • Eiweissbildung bei Entzündungen wie Meningitis: Bakterien, Viren oder Entzündungszellen erhöhen ebenfalls den Eiweissanteil im Nervenwasser.
  • Störungen der sog. Blut-Liquor-Schranke: Viele unterschiedliche Erkrankungen wie multiple Sklerose, Enzephalitis, Meningitis oder Hirntumoren können diese Barriere zwischen Blut und Nervenwasser für Eiweiss durchlässig machen. Bei der Untersuchung des Nervenwassers bestimmt man daher auch ein spezielles Eiweiss – das Albumin. Ein erhöhter Albuminwert im Liquor lässt auf eine Störung der Blut-Liquor-Schranke schliessen.
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Immunglobuline im Liquor

Die Bestimmung der Immunglobuline im Liquor ist für die Diagnose verschiedener Erkrankungen des zentralen Nervensystems wichtig. Immunglobuline sind Antikörper, die Teil des Immunsystems des Körpers sind. Eine Erhöhung der Immunglobulin-Konzentration im Liquor kann zwei Ursachen haben: Zum einen kann die Blut-Liquor-Schranke gestört sein, zum anderen können Immunzellen direkt im Liquor Eiweisse bilden, die für die Abwehrfunktion wichtig sind. Um die genaue Ursache herauszufinden, ist es notwendig, die Immunglobuline auch im Blut zu bestimmen und die Konzentrationen der verschiedenen Untergruppen dieser Eiweisse (sog. IgG, IgM, IgA) miteinander zu vergleichen.

Glukose und Laktat im Liquor

Der Zuckergehalt – genauer gesagt die Glukose-Konzentration – im Liquor sollte für eine eindeutige Diagnose immer zusammen mit dem Blutzucker (Blutglukosewert) bestimmt werden. Im Normalfall ist der Glukosewert im Liquor ungefähr halb so hoch wie der Glukosewert im Blut. Bei einer Entzündung im Gehirn oder Rückenmark kann die Liquorglukose abfallen (unter 50 Prozent der Blutglukose). Erhöht ist sie dann, wenn die Blut-Liquor-Schranke gestört ist.

Laktat ist ein Abbauprodukt der Glukose. Hat der Arzt Liquor mithilfe einer Lumbalpunktion entnommen, lässt er auch den Laktat-Wert im Liquor bestimmen. Ein erhöhter Wert kann darauf hinweisen, dass eine bakterielle oder tuberkulöse Hirnhautentzündung (Meningitis) vorliegt.

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