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Veröffentlicht am 29.09.2020

1. Was ist Shiatsu?

Shiatsu (japanisch shi = Finger; atsu = Druck) ist ein aus Japan stammendes alternatives Heilverfahren. Ziel von Shiatsu ist es, durch gezielten Druck auf bestimmte Körperbereiche Blockaden zu lösen – und durch die Massage den Energiefluss im menschlichen Körper wiederherzustellen.

Die Wurzeln des Shiatsu gehen auf die jahrtausendealte traditionelle chinesische Medizin zurück und können als Fortentwicklung der Akupressur angesehen werden. Bereits im zehnten Jahrhundert setzten die Japaner Massage-Methoden ein, welche an das heutige Shiatsu anlehnen. Der Begriff Shiatsu ist jedoch erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts geläufig. In den 1920er Jahren etablierte sich Shiatsu in Japan zunehmend, insbesondere durch die Arbeit der Japaner Namikoshi und Masunaga. In Europa ist Shiatsu seit Mitte der 1970er Jahre ein bekanntes Therapieverfahren.

Heute beinhaltet Shiatsu neben den traditionellen chinesischen und japanischen Komponenten auch westliche Einflüsse. Zudem gibt es zahlreiche Varianten des Shiatsu, in welche auch andere Verfahren und Techniken einfliessen, so zum Beispiel das Zen-Shiatsu, das meditative Elemente enthält. Die verschiedenen Shiatsu-Varianten beruhen jedoch alle auf ähnlichen Ansichten.

Wie auch bei der Akupressur liegt dem Konzept des Shiatsu die Annahme zugrunde, das durch jeden Menschen eine universelle Lebensenergie strömt: das Qi. Das Qi fliesst in bestimmten Bahnen – den sogenannten Meridianen – durch den gesamten Körper. Die Meridiane sind dabei verschiedenen Organen zugeordnet.

Wird der Energiefluss durch Faktoren wie Stress, klimatische Einflüsse oder einen ungesunden Lebenswandel gestört, können Krankheiten entstehen – so die Ansicht der Anhänger asiatischer Heilkunst. Daher gilt es, den individuellen Energiefluss wieder in einen gesunden Zustand zu versetzen. Blockaden im Qi können sich zum Beispiel in Form von Schmerzen, Verspannungen oder auch psychischer Verstimmung äussern.

Mithilfe von Shiatsu sollen diese Blockaden gezielt gelöst werden – und zwar durch Druck, Reibung und Dehnung der jeweiligen Meridiane. Häufig kommt dabei auch die verwandte Akupressur zum Einsatz.

Seit Herbst 2015 ist Shiatsu in der Schweiz eine anerkannte Methode der Komplementärtherapie. Somit erwerben angehende Shiatsu-Therapeutinnen mit ihrer dreijährigen Ausbildung ein Branchenzertifikat und können eine höhere Fachprüfung in Komplementärtherapie mit eidgenössischem Diplom ablegen.

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2. Ziele und Anwendungsgebiete

Anhänger des Shiatsu gehen davon aus, dass ungünstige Einflüsse den Energiefluss im Körper – das Qi – stören, was zu Krankheiten führen kann.

Ziel des Shiatsu ist es daher, den gestörten Energiefluss wieder in eine Balance zu bringen und die Selbstheilungskräfte anzuregen. So soll eine körperlich-seelische Harmonisierung des Organismus hervorgerufen werden, was zur Linderung der Beschwerden führen soll.

Anwendungsgebiete

Shiatsu findet in vielen Bereichen Anwendung. So wird es beispielsweise zur allgemeinen Entspannung, zur Gesundheitsvorsorge und im Rahmen der Behandlung chronischer Erkrankungen eingesetzt.

3. Durchführung

Im Vorfeld der Massage versucht der Shiatsu-Praktiker zu klären, wo die Person Beschwerden hat und mit welchem Anliegen sie den Experten aufgesucht hat.

Die eigentliche Shiatsu-Massage dauert etwa eine Stunde. Meist legt sich die zu behandelnde Person zunächst auf eine Matte am Boden. Wichtig ist, dabei locker und entspannt zu bleiben. Anschliessend versucht der Behandler, mithilfe seiner Hände eine Art Bestandsaufnahme zu machen und den körperlichen Zustand der Person zu ermitteln. Der Therapeut versucht, «energetischen Kontakt» zum jeweiligen Menschen aufzunehmen. Dabei orientiert er sich an den Meridianen (Energiebahnen). In den Meridianen fliesst aus Sicht der chinesischen Medizin die körpereigene Energie, das Qi.

Auf Basis seiner körperlichen Untersuchung regt der Anwender durch Massage nun ganz gezielt bestimmte Hautbereiche, Muskeln und Gelenke an, indem er Druck und Reibung darauf ausübt. Je nachdem, welcher Körperbereich behandelt wird, liegt die zu behandelnde Person dabei auf dem Rücken oder auf der Seite – oder aber sie sitzt. Die Massage wird nicht nur mit den Fingern, sondern auch mit Daumen, Handtellern oder auch Ellenbogen und Knien durchgeführt. Dabei setzt der Therapeut weniger Muskelkraft, sondern vor allem sein eigenes Körpergewicht ein.

Neben der eigentlichen Massage fliessen auch häufig Dehnübungen und Atemübungen in die Shiatsu-Behandlung mit ein. Bei den Dehnungen werden Gelenke und Gliedmassen sanft gedreht und dabei gedehnt.

Der Ablauf eines Shiatsu-Sitzung variiert – denn er ist immer abhängig von der jeweiligen Person und dem individuellen Befinden.

Nach der Shiatsu-Anwendung folgen einige Entspannungsübungen. Oft erhält die behandelte Person auch individuelle Empfehlungen für zu Hause.

In der Regel ist man während der Shiatsu-Massage angezogen, es gibt jedoch auch Varianten, bei denen das Shiatsu im warmen Wasser stattfindet (sog. Wasser-Shiatsu).

Normalerweise erfolgen mehrere Massagen in einem Abstand von jeweils ein bis zwei Wochen.

4. Wirkung

Die beim Shiatsu mit Druck ausgeführten Massage und die Dehnungen entspannen die Muskeln. Dies kann zu einem gesteigerten Wohlbefinden führen.

Die Wirkung von Shiatsu ist allerdings bislang nicht belegt, da keine aussagekräftigen Studien vorliegen.

Anhänger gehen davon aus, dass sich Shiatsu positiv auf das Immunsystem sowie auf das vegetative Nervensystem auswirken kann. Auch auf Blutzirkulation, Atmung, Beweglichkeit, Koordination und Körpergefühl soll Shiatsu einen Effekt haben. Darüber hinaus vermutet man, dass die alternative Heilmethode verschiedene Neurotransmitter und den Hormonhaushalt beeinflussen kann.

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5. Wann ist Shiatsu nicht zu empfehlen?

Im Allgemeinen ist die Anwendung von Shiatsu kaum mit Nebenwirkungen verbunden. In einigen Fällen ist Shiatsu jedoch nicht oder nur nach Rücksprache mit einem Arzt zu empfehlen.

Beachten Sie: Zur Behandlung schwerer Krankheiten ist Shiatsu nicht geeignet – sondern allenfalls zur Unterstützung.

Shiatsu sollte nicht an entzündeten oder anderweitig erkrankten Hautarealen durchgeführt werden. Zudem besteht die Gefahr, dass schwerwiegende Erkrankungen möglicherweise unerkannt bleiben, wenn starke Beschwerden zum Teil durch Shiatsu gelindert werden. Im Zweifelsfall und bei starken Beschwerden sollten Sie daher immer einen Arzt hinzuziehen!

Nicht geeignet ist Shiatsu etwa bei:

  • schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Verbrennungen
  • Ekzemen
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Krebs
  • Risikoschwangerschaften
  • akuten Erkrankungen

In der Schwangerschaft sollte kein Druck auf den Unterleib ausgeübt werden. Ausserdem sollten auch andere Hautbereiche, die den Unterleib beeinflussen könnten, nicht massiert werden.

Darüber hinaus sollte ist zu bedenken, dass die hervorgerufene Entspannung und die damit verbundene Müdigkeit möglicherweise die Verkehrstüchtigkeit vorübergehend herabsetzt. Unmittelbar nach der Anwendung sollten Sie daher vorsichtshalber auf das Bedienen von schweren Maschinen oder Autofahren verzichten.

Shiatsu gilt allgemein als risikoarmes Verfahren. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn extreme Krafteinwirkung zum Einsatz kommt – in diesem Fall können Verletzungen des Gewebes die Folge sein.