Koni Rohner, Psychologe FSP:

Es ist normal, dass diese tief greifende Veränderung Sie verunsichert. Ich weiss nicht, was Ihre Chefs zur Neustrukturierung bewegt. Aber ich weiss, dass sie einen fundamentalen Fehler machen: Wer einen Wandel initiiert, muss den Betroffenen klar machen, warum er nötig ist und auf welches Ziel er hinsteuert. Bei allen Veränderungsprozessen ist Kommunikation zentral.

Fragen Sie Ihre Vorgesetzten oder die Entwicklungsfachleute, falls solche eingesetzt wurden, ungeniert nach Gründen und Zielen der Massnahmen. Wahrscheinlich werden Sie dann entdecken, dass Sie durch die Veränderungen nicht nur verlieren, sondern dass sich auch Chancen für Sie auftun. Wenn Sie diese erkennen, werden Sie mit weniger Angst und mehr Optimismus in die Zukunft schauen. Vielleicht werden Sie sich sogar in einer Arbeitsgruppe engagieren und sich als Mitarchitekt der Neuerungen sicherer und nicht mehr so ohnmächtig fühlen.

Das Thema Wandel passt zum bevorstehenden Jahreswechsel. In unserer Kultur wird das Neujahr wie ein Geburtstag gefeiert. Eigentlich wäre beides aber auch ein Grund zum Trauern. Denn jede Veränderung hat zwei Seiten: Man gewinnt etwas Neues und verliert etwas Altes.

Je nach Lebensphase reagieren wir anders auf Wandel. In der Jugend begrüssen wir ihn in der Regel. «Das Auge sieht den Himmel offen», heisst es in Schillers «Glocke». Wir sind neugierig auf das Leben, sehen 1000 Möglichkeiten und können uns problemlos auf Neues einstellen. Aber so wie junge, elastische Triebe an einem Baum allmählich verholzen, werden auch wir mit dem Alter unbeweglicher. Die Verluste an Menschen und vertrauten Situationen werden nicht nur häufiger, sondern schmerzen auch immer mehr. Wer sich verkrampft und am Alten festhält, wird zum Bremser und schadet damit sich und seinem Umfeld. Wer nicht rechtzeitig und freiwillig Abschied nimmt, wird vom Schicksal oft dazu gezwungen.

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Wohl die schwierigste Lektion im Leben

Manchmal lösen auch wir selbst einen Wandel aus, der andere Menschen einbezieht. Dabei sollte man die folgenden Punkte beachten:

Alle Betroffenen müssen Grund und Ziel der Veränderung kennen.


Offene Gespräche sind zwingend notwendig.


Es muss Verständnis für die Ängste, Widerstände und den Ärger der Betroffenen gezeigt werden.


Möglichst viele Betroffene sollten die Möglichkeit erhalten, kreativ mitzugestalten.


Auch wenn das Alte überholt ist, darf es nicht im Nachhinein entwertet werden.

Es ist wohl die schwierigste Lektion, die das Leben für uns bereithält: zu akzeptieren, dass alles vergänglich ist. Wenn wir uns mit diesem «Stirb und werde», das zu jedem Leben gehört, letztlich anfreunden können, haben wir ein Stück Lebensweisheit gewonnen. Leichter fällt uns das, wenn wir uns nicht nur als Opfer von Veränderungen sehen, sondern aus eigener Initiative Altes immer wieder loslassen oder sogar abstossen.

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