So rühmte sich Ex-Bundesrat Christoph Blocher seiner kurzen Nächte und outete sich CVP-Präsident Christophe Darbellay als Vierstundenschläfer, während der ehemalige CEO der Swiss, André Dosé, offenbar sogar auf drei Stunden runtergehen konnte. Beispiele, die sich beliebig ergänzen liessen. Hiess es früher «Wer schläft, sündigt nicht», scheint heute in Chefetagen das Gegenteil zu gelten.

Otto Normalschläfer nimmt solche Leistungen mit ungläubiger Bewunderung zur Kenntnis – und kann sich ein maliziöses Lächeln kaum verkneifen, wenn ein übermüdeter Verteidigungsminister Ueli Maurer, auch er bekennender Kurzschläfer, während des Regierens bei einem öffentlichen Nickerchen ertappt wird. Das nennt er jedoch «Power Nap», was man als «Kraft-Nickerchen» übersetzen könnte, wenn das bloss nicht so unseriös-gemütlich klänge. Denn ein «Power Nap» gilt als strategisch geplante Auszeit, um die eigene Leistungsfähigkeit weiter zu steigern. Maurer beteuert sogar, er bekomme selbst während seines «Power Nap» mit, was um ihn herum laufe.

Nichts verkehrter als das

Weniger erheiternd als solche Erläuterungen ist die unausgesprochene Botschaft hinter der demonstrativen Rastlosigkeit der wirtschaftlichen und politischen Eliten: Schlafen ist Luxus. Dabei ist nichts verkehrter als das solange keine Methode erfunden ist, wie man seinen Schlaf an andere delegieren kann, gilt: Schlafen ist lebensnotwendig. Auch wenn noch ungeklärt ist, wozu genau es dient.

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Klar ist jedoch, dass wir weniger schlafen als unsere Vorfahren. Schuld ist nicht zuletzt die Erfindung der Glühbirne, mit der die Tage künstlich verlängert wurden. Die Folge: eine ungesunde Überreizung der Sinne, die dazu führt, dass weniger Schlaf oft auch schlechteren Schlaf bedeutet.

Rund ein Drittel der Bevölkerung leidet unter gelegentlichen Schlafstörungen, bei 10 bis 20 Prozent sind sie gar chronisch. Schlafmittel sind da häufig die letzte Hoffnung – eine trügerische jedoch, denn bereits nach wenigen Wochen droht die Abhängigkeit. Dabei gäbe es einfache, aber nachhaltigere Methoden, um seine Nachtruhe zu finden, wie Ursula Eichenberger und Andrea Haefely in unserer Titelstory schreiben.

Übrigens braucht der Mensch erfahrungsgemäss sieben bis acht Stunden Schlaf, um sich tagsüber ausgeruht zu fühlen. Damit sind wir effizienter als Fledermäuse oder Hamster, die den grössten Teil ihres Lebens verschlafen. Rindviecher dagegen kommen mit nur vier Stunden aus. Als Vorbilder für die Menschheit taugen sie aber nicht.

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