«Ich muss einfach Schokolade haben in rauen Mengen, sonst bin ich unglücklich», klagt eine 38-jährige Frau auf einer Diätsite im Internet. Zur Weihnachtszeit dürfte es ihr noch schwerer fallen, der süssen Verlockung zu widerstehen.

Hierzulande ist die Verführungskraft der Schokolade offenbar besonders stark. Mit 12,3 Kilogramm pro Kopf und Jahr sind die Schweizerinnen und Schweizer Weltmeister im Verdrücken der süssen Köstlichkeit. Wie aber wirkt sich das auf die Gesundheit aus?

«Balsam für Körper und Seele»

Schokolade besteht zu einem Drittel aus Fett und zu knapp zwei Dritteln aus Kohlehydraten. Eine Tafel à 100 Gramm hat einen Nährwert von 500 Kilokalorien: Das ist rund ein Fünftel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen.

Ernährungsexperten verteufeln die süsse Kost trotzdem nicht. Denn der Genuss ist unproblematisch solange man Mass hält. «Schokolade ist über die Fettdebatte in Verruf gekommen», sagt Reinhard Imoberdorf, Ko-Chefarzt der medizinischen Klinik des Kantonsspitals Winterthur. «Doch Essstörungen sind Verhaltensfehler, die nichts mit Schokolade zu tun haben.» Der süsse Leckerbissen weise im Gegenteil «viele Vorzüge» auf, so Imoberdorf: «Schokolade ist Balsam für Körper und Seele.» So können beispielsweise die in ihr enthaltenen Stoffe Glücksgefühle auslösen oder verstärken: Magnesium entspannt, Koffein regt an, und Zucker bildet im Hirn zusätzliches Serotonin, das als «Gute-Laune-Stoff» gilt.

Ausserdem weist Schokolade einen hohen Gehalt an Faserstoffen auf, und dunkle Sorten enthalten wertvolle Gerbstoffe: die so genannten Polyphenole. Sie helfen, die «freien Radikalen» abzufangen. Das sind Moleküle, die bei der Atmung entstehen und ein Risikofaktor für Herzinfarkte und Krebs sind.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt die süsse Verlockung dennoch: Der tiefe Weltmarktpreis für Kakao ist verantwortlich für die schlechten Arbeitsbedingungen in den Rohstoffländern vor allem in Afrika. Zwar achten verschiedene Anbieter auf eine faire Abgeltung der Kakaobauern «Max Havelaar»-Produkte zum Beispiel haben einen festen Platz in den Regalen der Grossverteiler. Deren Marktanteil aber beträgt erst ein Prozent.

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