Nach Meinung zahlreicher Fachleute werden zu viele Frauen per Kaiserschnitt entbunden. «Aus reiner Bequemlichkeit», sagen die Skeptiker. «Zum Schutz des Kindes», halten die Befürworter entgegen. Tatsache ist, dass die Kaiserschnittraten in Privatkliniken zweimal bis dreimal so hoch sind wie in öffentlichen Spitälern.

Eine neue Studie, im renommierten Medizinfachblatt «Lancet» veröffentlicht, unterstützt die Haltung der Befürworter: Die Forscher erfassten an 121 Frauenkliniken in 26 Ländern insgesamt 2083 Geburten, bei denen die Kinder am Geburtstermin in Steisslage waren. Die Gebärenden wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: In der einen wurde primär eine Vaginalgeburt angestrebt, in der anderen in erster Linie ein Kaiserschnitt.

Die Ergebnisse: In der «Kaiserschnittgruppe» starben drei Babys, und bei 14 traten schwere Komplikationen auf (wobei neun von zehn Frauen letztlich per Kaiserschnitt entbunden wurden). In der «Vaginalgeburtgruppe» starben viermal mehr Kinder und traten dreimal mehr schwere Komplikationen auf (wobei sechs von zehn Frauen letztlich vaginal gebaren). Todesfälle und Komplikationen bei Müttern waren in beiden Gruppen etwa gleich häufig.

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Diese Daten sind nach Meinung der Forscher kein Freibrief für den Kaiserschnitt. Sie können Eltern und Gynäkologen allerdings helfen, Chancen und Risiken der Entbindung bei einer Steisslage gezielter abzuwägen.