Ein simpler Fall: Man stolpert im Dunkeln über den Teppichrand, weil man es immer wieder aufgeschoben hat, die Glühbirne auszuwechseln. Pech gehabt, sagt man sich und nimmt sich fest vor, die Glüh­birne endlich zu ersetzen und überhaupt etwas vorsichtiger vorzugehen im Haushalt. Denn längst nicht immer verlaufen Missgeschicke glimpflich: Das Risiko, sich zu verletzen, ist im eigenen Haus viermal hö­her als im Strassenverkehr.

«Über 400'000 Menschen verletzen sich bei einem Unfall im Haushalt so schwer, dass sie sich in ärztliche Behandlung begeben müssen», sagt Robert Nyffenegger, Sach­bearbeiter Haus und Freizeit bei der Be­ratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) in Bern. Und man braucht dazu nicht einmal mit gefährlichen Apparaten oder Maschinen zu hantieren. «Am meisten Personen verletzen sich beim Umhergehen in Haus und Garten», sagt Nyffenegger.

Besonders häufig sind Stürze. Sie machen über die Hälfte der Unfälle aus. Bei über 65-jährigen Menschen hat jeder zweite Fehltritt ein böses Ende. Die Folge sind Knochenbrüche, wobei vor allem Arme und Handgelenke betroffen sind. Diese Verletzungen sind vergleichsweise harmlos. Gravierender sind Schenkelhalsfrakturen, die bei rund jedem achten Sturz im Haushalt entstehen. Für ältere Menschen kann das fatale Folgen haben: Brüche im Hüftbereich ziehen meist lange Bettlägerigkeit, den Verlust der Selbständigkeit oder gar den Tod nach sich. Die schweizerische Todesursachenstatistik zeigt denn auch auf, dass alljährlich mehr als 1000 Menschen an den Folgen eines Sturzes sterben. In über 90 Prozent dieser Todesfälle sind die Betroffenen älter als 65 Jahre und mehrheitlich weiblich (siehe «Senioren»).

Stürze, Stromschläge, Vergiftungen

Die eigenen vier Wände als Gefahrenzone – ein irritierender Befund. Und wie erklärt er sich? «Ursache für diese Unfälle ist meistens Unachtsamkeit und Leichtsinn», sagt Robert Nyffenegger von der BfU. «Und die Eile. So vieles muss immer ganz schnell noch erledigt werden, man pressiert, und schon ist es passiert.» Wer benutzt denn konsequent den Handlauf beim Treppen­steigen? Allzu oft hat man dazu ja gar keine Hand frei. Und wer steigt nochmals in den Keller, um die vergessenen Gartenhandschuhe zu holen? Natürlich kann man ein Unfallrisiko niemals 100-prozentig ausschliessen. «Aber würde man sich wirklich strikt an die gängigen und meist simplen Sicherheitsmassnahmen halten, könnte man manches Unglück vermeiden.»

Neben Schmerz, Leid und anderen psychischen Folgen verursachen Haushaltsunfälle zudem sehr hohe wirtschaftliche Kosten: Über drei Milliarden Franken pro Jahr müssen für Heilung, Wiedereingliederung und Lohnausfälle nach Haushalts­unfällen berappt werden.

Ein konsequent richtiges Verhalten kann das Unfallrisiko im Haushalt deutlich senken:

Schnittverletzungen sind im Haushalt sehr häufig. Rund ein Fünftel aller Unfälle geht aufs Konto von Scherben, Blech und anderen scharfkantigen Materialien.

  • Beim Abwaschen sollte man Handschu­he tragen und beim Abtrocknen vor allem bei Gläsern nicht zu viel Kraft einsetzen.
  • Verwenden Sie scharfe Messer, da diese kontrollierter und sicherer geführt werden können als stumpfe. Lassen Sie sich beim Schneiden nicht ablenken oder hetzen.
  • Küchenmesser bewahrt man nach Möglichkeit in einem Messerblock auf oder zumindest mit einem Klingenschutz ver­sehen in einer Schublade.
  • Mixermesser muss man besonders vorsichtig auswechseln und reinigen, da sie in der Regel sehr scharf sind. Und immer vorher den Stecker des Geräts herausziehen.
  • Verwenden Sie Dosenöffner, die den ­Dosenrand von aussen aufschneiden und keine scharfen Kanten erzeugen.
  • Zerbrochenes Glas auf dem Boden sorgfältig aufsammeln und in einer Kartonschachtel entsorgen. Dann die ganz feinen Scherben wegsaugen.
  • Zum Gärtnern und Heimwerken trägt man gute Schutzhandschuhe, nicht aber beim Arbeiten mit Band- und Kreissägen. Handschuhe könnten sich nämlich im laufenden Gerät verheddern, was zu schweren Verletzungen führen kann.


Stürze stehen auf Rang eins in der Ver­letzungs­liste. Jeder zweite Unfall im Haus ist ein Sturz, und zwar meist auf ­ebe­nem Boden, seltener aus der Höhe oder beim Treppensteigen.

  • Teppiche können mit einer Gleitschutzunterlage rutschsicher gemacht werden. Sich aufwölbende Kanten klebt man mit Tep­pichband fest. Noch sicherer: auf nicht verklebte Teppiche («Brüggli») verzichten.

  • Beschädigte Treppenbeläge lässt man vom Fachmann reparieren oder ganz entfernen.
  • Treppenstufen werden sicherer, wenn sie mit selbstklebenden Gleitschutzstreifen ausgerüstet und die Treppenkanten gut sichtbar markiert sind.
  • Beim Treppensteigen sollte man den Handlauf konsequent benutzen.
  • Verschüttetes immer sofort wegwischen. Das gilt erst recht für Fett, das beim Kochen auf den Boden spritzt.
  • Lassen Sie keine Gegenstände auf dem Boden herumliegen und fordern Sie auch die Kinder dazu auf, ihre Spielsachen nach Gebrauch zu versorgen.
  • Feste, flache Hausschuhe tragen zur ­Sicherheit bei.
  • Lasten wie Wäschekörbe und Ähnliches sollte man immer so tragen, dass man noch sieht, wo man hintritt.
  • Sorgen Sie für gute Beleuchtung, vor ­al­lem auch im Bereich von Treppen. Praktisch gerade im Keller- und Garagenbereich sind Leuchten mit Bewegungsmeldern. Inzwischen gibt es Glühbirnen mit integrier­tem Bewegungsmelder, die nur noch eingeschraubt werden müssen.
  • Als Aufstiegshilfe verwendet man Trittleitern und keinesfalls Drehstühle auf Rollen oder wacklige Hocker.
  • Im Bad sollte man ausschliesslich rutsch­feste Dusch- und Badewannenvorleger benutzen. Die Badewanne wird mit nachträg­lich montierten Haltegriffen sicherer.
  • Legen Sie keine Kabel quer durch den Raum und achten Sie auch darauf, wo Sie hintreten, wenn Sie mit dem Staubsauger oder dem Bügeleisen hantieren.
  • Die Treppe ist keine Deponie für alle mög­lichen Dinge wie Zeitungen, Altmetall oder Ähnliches.
  • Wenn Sie eine Leiter benutzen, vergewissern Sie sich, dass sie auf sicherem Grund steht und der Anstellwinkel ungefähr 70 Grad beträgt.


Verbrennungen und Verbrühungen machen rund jeden 20. Haushaltsunfall aus. Unachtsamkeit, Hast und unvorsichtiger Umgang mit kochendem Wasser, Dampf, Feuer oder heis­sem Öl führen zu mitunter schwersten Verletzungen.

  • Verwenden Sie niemals flüssige Anzünd­hilfen wie Brennsprit für den Grill oder das Cheminée.

  • Benutzen Sie beim Kochen und Braten nur geeignete Geräte zum Wenden des Topf- oder Pfanneninhalts.
  • Greifen Sie nie ohne Handschuhe in den Backofen.
  • Heisse Flüssigkeiten sollten immer vom Körper weggerichtet umgeleert werden.
  • Den Pfannendeckel hebt man so an, dass weder heisser Dampf noch Fettspritzer den Körper verletzen können.
  • Falls Öl in Brand gerät, versuchen Sie auf keinen Fall, es mit Wasser zu löschen: Kommt heisses Öl mit Wasser in Berühung, verpufft es explosionsartig. Die möglichen Folgen: schwerste Verbrennungen durch Fettspritzer und eine Ausweitung des Brandes. Ersticken Sie die Flamme stattdessen mit dem Pfannendeckel oder einer Löschdecke.


Stromschläge kommen zwar nicht allzu häufig vor, können aber sehr ernsthafte Fol­gen haben. Am häufigsten passieren Unfälle mit Strom im Bad und im Garten.

  • Lassen Sie vom Elektriker sogenannte Fehlerstrom- oder FI-Schutzschalter montieren, die bei einem Kurzschluss die ­Strom­zufuhr unterbrechen

  • An defekten Elektrogeräten, Kabeln und Anschlüssen sollte man nie selber herumbasteln, überlassen Sie das dem Fachmann. Dieser weiss auch, wann es Zeit ist, ein Gerät zu entsorgen.
  • Elektrogeräte, zum Beispiel ein Rasenmäher, dürfen im Freien nicht verwendet werden, wenn es regnet oder wenn die ­Geräte nicht an einen FI-Schutzschalter angeschlossen sind.


Vergiftungen im Haushalt erleiden hauptsächlich Kinder. Erwachsene vergiften sich meist im Zusammenhang mit Medikamenten sowie mit leichtflüchtigen Lacken und Lösungsmitteln.

  • Lesen Sie die Gefahrenhinweise auf Verpackungen und halten Sie sich daran.

  • Sorgen Sie für gute Belüftung, wenn Sie mit Farben und Lacken hantieren.
  • Medikamente müssen kühl, trocken, in Originalverpackung und für Kleinkinder unerreichbar aufbewahrt werden.

Unfall: Wer bezahlt die Rechnung?

Personen, die acht Stunden und mehr pro ­Woche bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, sind sowohl gegen Berufsunfälle als auch gegen sogenannte Nichtberufsunfälle, also beispielsweise Unfälle im Haushalt, obligatorisch bei ­ihrem Arbeitgeber versichert.

Personen, die weniger als acht Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind, sind nur gegen Berufsunfälle sowie gegen Unfälle auf dem Arbeitsweg versichert. Für Unfälle in der ­Freizeit müssen sie eine Unfallversicherung bei der Krankenkasse abschliessen. Das gilt auch für Nichterwerbstätige wie zum Beispiel ­Hausfrauen, Studenten oder Pensionierte. Wer ­Arbeitslosengeld bezieht, ist bei der Suva ­gegen Unfall versichert.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer melden den Unfall dem Arbeitgeber und erhalten dann die notwendigen Formulare. Nichterwerbs­tätige melden den Unfall ihrer Krankenkasse.

Info: Notfälle und Vorbeugung

  • Nebst der Telefonnummer des ­Hausarztes sollte jeder diese Nummern kennen: Telefon 144 (Rettungsdienst, Notarzt) und Telefon 145 (toxikologisches Institut)
  • Auf www.bfu.ch findet sich eine Fülle von Infos zur Verhütung von Unfällen. Hier können auch Broschüren zu ausgewählten Themen der Unfallver­hütung bestellt oder heruntergeladen werden.
  • Die Broschüre Osteoporose und Stürze im Alter kann über gesundheitspolitik@bag.admin.ch für Fr. 12.50 bestellt werden.
  • Unter www.pro-senectute.ch sind Kurse zur Sturzprophylaxe aufgelistet.

Senioren: Risiko Schenkelhalsfraktur

Die häufigste Fraktur bei Seniorenunfällen ist gemäss BfU der Schenkelhalsbruch. Vor allem als Folge der Osteoporose tritt er rund viermal häufiger bei Frauen als bei Männern auf, insgesamt etwa bei 8000 Menschen jedes Jahr.

Das Frakturrisiko ist beim Spazieren sehr klein, nicht aber bei Tätigkeiten im Haushalt und im Garten. Am grössten ist das ­Risiko, einen Bruch zu erleiden, beim Ausrutschen auf ebener Fläche und beim Auf­stehen aus dem Bett oder dem Sessel. Das erklärt, warum es nachts häufiger zu Schenkelhalsbrüchen kommt als am Tag.