Von Veröffentlicht am 15.05.2013

1. Überblick

Bei einem Abszess sammelt sich Eiter im Körper an und grenzt sich vom umliegenden Gewebe ab. Um diesen Eiterbeutel herum baut der Körper eine Kapsel, die verhindern soll, dass sich der Abszess weiter ausbreitet.

Ein Abszess kann sich überall im Körper entwickeln – sowohl direkt unter der Haut (kutaner Abszess) als auch in tieferen Schichten (subkutaner Abszess). Besonders häufig bilden sich Abszesse an Stellen, an denen man stark schwitzt oder die ständigen Reibungen ausgesetzt sind. Auch das Zahnfleisch oder der After (Analabszess) können betroffen sein.

In der Regel entstehen Abszesse durch Bakterien, die in den Körper eingedrungen sind. Meistens ist das Bakterium Staphylococcus aureus die Ursache, seltener auch andere Bakterien oder Pilze. Nach einer kleinen Hautverletzung können die Bakterien in den Körper gelangen und werden dort mithilfe weisser Blutkörperchen bekämpft. Bei diesem Abwehrmechanismus sterben Blut- und Gewebezellen ab. Die Folge: Es entsteht eine mit Eiter und Flüssigkeit gefüllte Körperhöhle. Diese eitrige Schwellung wird Abszess genannt.

Wenn ein auf der Haut sichtbarer roter Streifen vom Abszess wegführt, haben sich die Erreger in den Lymphbahnen ausgebreitet. Man spricht in diesem Fall von einer sogenannten Lymphangitis.

Wenn sich bei Ihnen ein Abszess gebildet hat, ist es vor allem wichtig, dass Sie ihn keinesfalls ausdrücken! Drücken Sie zu stark auf den Abszess, kann es passieren, dass die Erreger in die Blutbahn gelangen und die Entzündung sich ausbreitet. In seltenen Fällen kann sogar eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) auftreten.

Nur in wenigen Fällen entwickelt sich aus einer leichten Hautverletzung eine schmerzhafte Entzündung. Abszesse entstehen nur dann, wenn Bakterien über die Wunde in den Körper vordringen. Dies können Sie verhindern, indem Sie offene Wunden hygienisch gut versorgen.

Bestimmte Faktoren begünstigen, dass ein Abszess entsteht:

 

  • geschwächte Immunabwehr
  • Diabetes mellitus
  • bestehende Schäden an der Haut (bei Schuppenflechte oder Neurodermitis)
  • Hautverletzungen (z.B. durch Unfälle, Operationen, Katheter)
  • hygienisch schlechte Wundversorgung
  • eng anliegende und scheuernde Kleidung

Nicht immer sind Bakterien die Ursache für einen Abszess. Bei einem sogenannten «kalten Abszess» (steriler Abszess) entstehen Abszesse ohne Einfluss von Bakterien – etwa bei Tuberkulose. Diese chronische Infektionskrankheit ist durch einen einzelnen Entzündungsherd gekennzeichnet, der sich meist in der Lunge befindet (pulmonale Tbc). Fliesst der Eiter aus dieser Entzündung hinab in weitere Körperregionen und sammelt sich dort, können auch dort – fern vom Krankheitsherd – Abszesse entstehen.

Typische Symptome von oberflächlichen Abszessen sind:

 

  • schmerzhafte, gerötete Schwellungen, die sich warm anfühlen
  • Die betroffenen Regionen reagieren äußerst empfindlich auf Druck.
  • Eiterbildung
  • Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen

Tiefer liegende Abszesse sind von aussen nicht sichtbar – unter Umständen ist Fieber das einzig erkennbare Symptom. Es sind allerdings auch schwerere Krankheitsverläufe mit Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen möglich.

Die Therapie richtet sich zum einen nach der Größe des Abszesses, zum anderen nach der betroffenen Körperstelle. Grössere und schmerzhafte Abszesse werden in der Regel chirurgisch entfernt. Dazu öffnet der Arzt die Abszesshöhle mit einem Schnitt, so dass der Eiter über eine Drainage abfliessen kann.

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2. Definition

Als Abszess wird eine Eiteransammlung in einer sogenannten Abszesshöhle verstanden. Dabei handelt es sich um eine vorher nicht bestehende Abkapselung, die von Bindegewebe umschlossen ist – so kann sich der Abszess nicht weiter ausbreiten.

Bei einem Abszess handelt es sich immer um neu gebildete Hohlräume im Körper, die mit Eiter gefüllt sind. Sammelt sich Eiter in einer natürlichen Körperhöhle oder einem Hohlorgan an, zum Beispiel in der Lunge oder in der Gallenblase, bezeichnet man diesen Eiterbeutel als Empyem.

Abszesse entstehen, wenn Bakterien in den Körper eindringen und eine Entzündungsreaktion auslösen. Sofern sich der Abszess nicht im Körperinneren bildet, entwickeln sich auf der betroffenen Haut innerhalb kurzer Zeit (Stunden oder wenige Tage) scharf begrenzte Rötungen und Schwellungen. Zusätzlich entstehen Schmerzen und ein Spannungsgefühl.

Abszesse können – im Gegensatz zum Furunkel – überall im Körper auftreten. Bei einem Furunkel ist ein Haarbalg zusammen mit dem umliegenden Gewebe eitrig und schmerzhaft entzündet. Daher können Furunkel ausschließlich an behaarten Stellen auftreten, typischerweise im Gesicht, im Nacken, in den Achselhöhlen und im Genitalbereich.

Von einem Abszess ist meistens die Region unter der Haut betroffen, da sie nach einer Verletzung als erstes mit den Krankheitserregern in Kontakt kommt. Gelangen bestimmte Bakterien über eine Wunde in den Körper, kann sich dort eine abgekapselte eitrige Infektion entwickeln.

Analabszess

Bei einem Analabszess handelt es sich um eine Eiteransammlung im Bereich des Afters. Am häufigsten tritt ein Analabszess zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf – insbesondere bei Männern.

Die Ursache für einen Analabszess ist in der Regel eine Entzündung der kleinen Drüsen im Analkanal, den sogenannten Proktodealdrüsen. Wird die Schleimhaut des Analkanals durch häufige Toilettengänge oder sehr hartem Toilettenpapier gereizt, können Bakterien leichter in den Körper eindringen und eine Infektion der Proktodealdrüsen hervorrufen.

Durch die entzündliche Schwellung verstopfen die Ausführgänge der Drüsen, so dass der Eiter nicht abfliessen kann. Wird der Druck in den Proktodealdrüsen zu gross, kann sich der Eiter in das umliegende Gewebe ausbreiten und zu einem schmerzhaften Analabszess führen.

3. Ursachen

Ein Abszess kann unterschiedliche Ursachen haben. Meist sind winzig kleine Verletzungen der Haut, durch die bestimmte Bakterien in den Körper eindringen können, der Ausgangspunkt. Dabei handelt es sich in der Regel um das Bakterium Staphylococcus aureus. Bei einem Abszess am Po ist meistens eine gereizte Schleimhaut im Bereich des Analkanals die Ursache.

Gelangen diese Bakterien in den Körper, bekämpft dieser sie mithilfe weisser Blutkörperchen. Bei dieser Abwehrreaktion kann sich Eiter bilden, der aus abgestorbenen Geweberesten, Bakterien und weissen Blutzellen besteht. Anschliessend baut der Körper um den Eiterbeutel herum eine Kapsel aus Bindegewebe, die verhindern soll, dass sich der Abszess weiter ausbreitet.

Damit die Krankheitserreger gar nicht erst in den Körper gelangen, sollten Sie kleine Hautverletzungen und Schürfwunden stets sauber und hygienisch halten.

Unter Umständen kann auch eine (injizierte) Spritze einen Abszess verursachen. Ein sogenannter Spritzenabszess entsteht, wenn eine Spritze verabreicht wird, ohne die Haut vorher zu desinfizieren. Durch die hohen Hygienevorschriften in Krankenhäusern und Arztpraxen kommen diese Abszesse heutzutage kaum noch vor. Nur bei Drogenabhängigen oder bei Sportlern, die selbstständig mithilfe einer Spritze Heroin beziehungsweise Dopingmittel injizieren, bilden sich gelegentlich noch Spritzenabszesse.

Nicht immer sind Bakterien Ursache für einen Abszess. Chronische Entzündungen – wie etwa Morbus Crohn oder Tuberkulose – können ebenfalls zu Abszessen führen. Von diesen sogenannten «kalten Abszessen» sind meistens innere Organe betroffen. Im Gegensatz zu den Abszessen, die direkt durch Bakterien ausgelöst werden, enthalten «kalte Abszesse» kaum Eiter.

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4. Symptome

Abszesse verursachen verschiedene Symptome – je nach Grösse und Ort.

Das erste Anzeichen für einen oberflächlichen Abszess ist eine von aussen sichtbare Entzündung der Haut – ähnlich wie bei einem grossen Pickel. Die betroffene Stelle ist:

  • gerötet,
  • geschwollen und
  • reagiert äusserst empfindlich auf Druck.

Bedingt durch die Entzündung sind Abszesse in der Regel äusserst schmerzhaft – vor allem bei Bewegungen oder Berührungen. Bei einem Abszess im Bereich des Afters, dem sogenannten Analabszess, treten die Schmerzen beim Sitzen oder bei festem Stuhlgang auf. Die Schwellung und Rötung im Bereich des Afters ist in der Regel gut sichtbar.

Im weiteren Verlauf breitet sich die Entzündung weiter aus und die Schmerzen nehmen zu. Ein Arzt kann diese Eiteransammlung unter der Haut oftmals leicht an ihrer weiss-gelblichen Farbe erkennen.

Versuchen Sie nicht, den Abszess selbst auszudrücken! Das gilt ganz besonders bei Abszessen im Gesicht. Durch starkes Quetschen können die Bakterien in tiefer liegendes Gewebe gelangen. Die Folge: Der Abszess breitet sich weiter aus. Wenn sich die Bakterien von der ursprünglichen Infektion über das Blut ins Gehirn ausbreiten, kann ein unter Umständen Hirnabszess entstehen.

Grössere Abszesse oder Abszesse, die die inneren Organe betreffen, können ausserdem Fieber, Abgeschlagenheit sowie Kopf- und Gliederschmerzen hervorrufen. Abszesse im Körperinneren sind nicht immer mit Schmerzen verbunden – unter Umständen ist Fieber das einzig erkennbare Symptom.

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5. Diagnose

Bei einem Abszess erfolgt die Diagnose in der Regel über die von aussen sichtbaren Merkmale. Oberflächliche Abszesse erkennen Sie an den typischen Symptomen einer Entzündung. Die betroffene Stelle ist:

  • gerötet,
  • geschwollen,
  • heiss und
  • äusserst druckempfindlich.

Abszesse weisen auf der Haut eine wesentlich stärkere Rotfärbung auf als Pickel – auch die Schwellung und die Eiterpustel sind deutlich größer. Zusätzlich können Fieber und Schüttelfrost auftreten.

Ursache für einen Abszess ist eine bakterielle Entzündung – meistens steckt das Bakterium Staphylococcus aureus hinter der Infektion. Um sicherzugehen, dass dieser Erreger die Entzündung – und somit den Abszess – verursacht hat, ist ein Abstrich des Eiters nötig.

Tief liegende Abszesse sind von aussen nicht zu erkennen oder zu ertasten. Zur sicheren Abszess-Diagnose sind bei Organabszessen – beispielsweise bei Nieren- oder Lungenabszessen – bildgebende Verfahren notwendig. Mittels eines Ultraschalls, einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder einer Computertomographie (CT) lässt sich ein Abszess im Körperinneren diagnostizieren.

Zusätzlich bietet sich zur Abszess-Diagnose eine Blutuntersuchung an. Dabei wird das Blut auf bestimmte Entzündungszeichen und Antikörper gegen den verantwortlichen Erreger untersucht. Eine erhöhte Anzahl weisser Blutkörperchen (Leukozytose) und eine gestiegene Konzentration von C-reaktivem Protein sind weitere Anzeichen für einen Abszess und können zur Diagnose herangezogen werden.

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6. Therapie

Kleinere und weniger schmerzhafte Abszesse können mithilfe von Antibiotika behandelt werden – bei grösseren Abszessen reicht eine Antibiotika-Therapie jedoch nicht aus. Durch die Abkapselung gelangt nur wenig Blut in das entzündete Gewebe. Die Folge: Die antibakteriellen Mittel dringen nicht bis in die Abszesshöhle vor und können den Erreger somit nicht bekämpfen.

Bei einem grösseren Abszess besteht die Behandlung aus einer Operation, bei der ein Arzt den Eiter chirurgisch entfernt. Dabei öffnet er die Abszesshöhle mit einem Schnitt, so dass der Eiter abfliessen kann. Wie die Behandlung im Einzelfall genau aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab – entscheidend ist:

 

  • die Grösse und
  • die Lage des Abszesses,
  • wie schmerzhaft der Abszess ist sowie
  • welche Erreger als Ursache gelten.

Operation

In vielen Fällen ist eine Operation die einzig wirksame Methode, um die Schmerzen zu lindern und den Eiter vollständig aus dem Körper zu entfernen. Je nach Körperstelle wird die Operation entweder unter Vollnarkose oder unter einer regional begrenzten Teilnarkose durchgeführt.

Der Arzt durchtrennt mit einem Skalpell schichtweise Haut und Gewebe, um den Abszess zu öffnen. Den Eiter lässt er über eine Drainage abfliessen – so werden andere Gebiete nicht mit dem Erreger infiziert. Anschliessend entfernt der Arzt das entzündete Gewebe und säubert die Wunde. Bei besonders grossen Abszessen können unter Umständen zwei Operationen notwendig sein.

Die Wunde wird nicht vernäht, sondern offen behandelt – dies verhindert, dass sich zurückgebliebene Flüssigkeit und Krankheitserreger wieder einkapseln. Im Anschluss ist es wichtig, die Wunde regelmässig zu säubern und die Verbände regelmässig zu wechseln.

7. Verlauf

Bei einem Abszess hängen Verlauf und Prognose von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von:

 

  • der Grösse und
  • der Lage des Abszesses sowie
  • der Behandlung.

Es ist in jedem Fall wichtig, nicht mit den Fingern auf die Entzündungsherde zu drücken! Vor allem bei Abszessen im Gesicht oder im Mund sollten Sie nicht versuchen, den Eiter mit Gewalt auszudrücken.

Wenn es in einer Operation gelingt, den Abszess mitsamt Abszesskapsel vollständig zu entfernen, ist die Prognose günstig. Werden Abszesse rechtzeitig erkannt und behandelt, heilen sie in der Regel ohne Komplikationen ab. Bis zur vollständigen Heilung können – je nach Grösse der Abszesshöhle – mehrere Wochen vergehen.

Wichtig ist, die offene Wunde täglich zu säubern (Abduschen) und den Verband täglich zu wechseln. Nach der operativen Entfernung eines Analabszesses können Sitzbäder die Heilung beschleunigen – vor allem nach dem Stuhlgang sollte man hier verstärkt auf Hygiene achten.

Wird ein Abszess nicht ordnungsgemäss behandelt, besteht die Gefahr, dass sich in der Wunde erneut ein Abszess bildet. Deshalb ist es wichtig, den Abszess vollständig entfernen zu lassen und nicht selbstständig auszudrücken.

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8. Vorbeugen

Sie können einem Abszess nur bedingt vorbeugen. Die Bakterienart Staphylococcus aureus – die Hauptursache für einen Abszess – ist bei vielen Menschen Teil der normalen Hautflora, ohne bei ihnen zu Erkrankungen zu führen. Allgemeine Massnahmen tragen grundsätzlich dazu bei, Infektionen der Haut zu verhindern. Zu diesen Massnahmen zählt vor allem gründliche Körperpflege – besonders an Stellen, an denen viel Schweiss produziert wird.

Auch falsche Kleidung kann die Bildung von Abszessen begünstigen – so zum Beispiel, wenn die Haut an den Innenseiten der Oberschenkel durch eine Naht aufgescheuert wird. Verzichten Sie deshalb möglichst auf sehr eng anliegende Hosen.

Verdauungsprobleme wie Verstopfung oder Durchfall können zu Analabszessen führen. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist daher grundsätzlich sinnvoll. Verzichten Sie auf Intimsprays oder -lotionen – so schonen Sie die empfindliche Haut in der Analregion.

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