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Altersvergesslichkeit

(leichte kognitive Störung)
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1. Überblick

Unter einer Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) versteht man Gedächtnisstörungen und eine verminderte Fähigkeit, sich längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren und sich Dinge zu merken. Das Sprachvermögen oder der Wortschatz sind dagegen in der Regel nicht von der Gehirnfunktionsstörung betroffen. Dennoch ziehen sich von Altersvergesslichkeit Betroffene häufig aus ihrem sozialen Umfeld zurück und gehen hektischen, stressigen Situationen, in denen eine rasche Informationsverarbeitung notwendig ist, aus dem Weg.

Diese Störungen gehen über die altersentsprechende Leistungsabnahme hinaus. Die Altersvergesslichkeit lässt sich aber deutlich von einer Demenz abgrenzen, die mit weitaus stärkeren Einschränkungen der Gehirnleistungen einhergeht. Im Gegensatz zur Demenz schreitet die leichte kognitive Störung in der Regel ab einem bestimmten Punkt nicht weiter fort.

Der Arzt stellt die Altersvergesslichkeit vor allem durch Befragungen des Betroffenen und seiner Umgebung, also zum Beispiel Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn, fest. Zusätzlich sind spezielle Testverfahren, welche die geistige Leistungsfähigkeit testen, zur Diagnose der Altersvergesslichkeit geeignet. Mittels verschiedener bildgebender Untersuchungsmethoden und der Untersuchung von Nervenflüssigkeit (Liquorpunktion) kann der Arzt schwerwiegende Erkrankungen wie eine Demenz als Ursache der Gedächtnisstörungen ausschliessen. Da die Altersvergesslichkeit in manchen Fällen eine Vorstufe von Demenz ist, ist es wichtig, die Veränderungen der Gedächtnisleistung rechtzeitig zu erkennen und weiter zu beobachten.

Die genauen Ursachen für eine Altersvergesslichkeit sind bislang nicht bekannt, der normale Alterungsprozess spielt aber eine wichtige Rolle. Der Übergang von einer normalen altersbedingten Abnahme der Gedächtnisleistung zur Altersvergesslichkeit ist daher fliessend und oft nicht leicht abzugrenzen.

Eine Therapie, welche die Gehirnleistung bei Altersvergesslichkeit dauerhaft verbessert, gibt es nicht. Verschiedene Medikamente oder spezielle Trainingsmethoden können die Gedächtnisleistung aber zumindest vorübergehend wieder verbessern.

Um einer Vergesslichkeit im Alter vorzubeugen, sind ausreichende Bewegung, eine gesunde Ernährung und ein gezieltes Training des Gehirns wichtig.

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2. Definition

Unter einer Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) versteht man verschiedene Störungen der kognitiven Fähigkeiten, das heisst Gedächtnisstörungen und eine geringere Merkfähigkeit. Ausserdem fällt es Betroffenen schwer, sich längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Die entsprechenden Beeinträchtigungen gehen über die Leistungsabnahme hinaus, die im Alter normal ist. Gedächtnistests weisen meist Leistungseinbussen nach, die aber ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter fortschreiten. Dies grenzt die Altersvergesslichkeit von einer Demenz ab.

Die Altersvergesslichkeit wurde bereits 1913 von Prof. Dr. Emil Kraepelin in einem medizinischen Zusammenhang erwähnt. Mittlerweile wurde die Erkrankung in die Internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter dem Namen "leichte kognitive Störung (LKS)" aufgenommen. Der Begriff «kognitiv» stammt von dem lateinischen Wort «cognoscere», welches «erkennen», «kennen lernen» oder auch «wiedererkennen» bedeutet. Bei kognitiven Störungen handelt es sich also um Störungen im Bereich des Erkennens, genauer im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses, der Auffassung und der Aufmerksamkeit.

Da der Übergang von einer normalen altersbedingten Abnahme der Gedächtnisleistung zu einer Altersvergesslichkeit fliessend ist und die leichten kognitiven Störungen nur schwer einzugrenzen sind, gibt es keine genauen Zahlen der Erkrankungsfälle. Schätzungen gehen davon aus, dass 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahren unter Gedächtnisproblemen leiden.

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3. Ursachen

Es ist nicht bekannt, worin bei Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) genau die Ursachen liegen. Eine wichtige Rolle spielt der normale Alterungsprozess. Während des Alterns finden im Körper und auch im Gehirn viele Veränderungen statt, welche die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können. Ab dem 40. Lebensjahr wird das Gehirn um etwa 10 bis 15 Prozent kleiner. Dabei verändern sich auch die Synapsen – die Verbindungen zwischen Nervenzellen. Durch diese altersbedingten Veränderungen verarbeiten Betroffene Informationen langsamer, sie haben Schwierigkeiten, sich Dinge zu merken und können sich schlecht konzentrieren.

Eine Altersvergesslichkeit kann aber auch verschiedene Erkrankungen als Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel Gehirntumoren oder -blutungen sowie Infektionskrankheiten, die sich auf das Gehirn ausbreiten (z.B. Neuroborreliose, FSME). Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Neurosen können für die Symptome der Altersvergesslichkeit als Ursachen infrage kommen.

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4. Symptome

Für eine Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) charakteristische Symptome sind Verschlechterungen der Gedächtnisleistung. Diese treten aber nicht plötzlich ein, sondern Betroffene werden über einen längeren Zeitraum hinweg immer vergesslicher. Die leichte kongnitive Störung verläuft milder als eine Demenz, die ständig fortschreitet und die Betroffenen letztlich pflegebedürftig macht. Von Altersvergesslichkeit Betroffene verlegen häufig Gegenstände oder vergessen Daten, Namen und Telefonnummern. Sie haben ausserdem Schwierigkeiten, sich lange zu konzentrieren. Ab einem bestimmten Punkt verschlechtern sich bei der Altersvergesslichkeit diese Symptome aber nicht mehr.

Typisch für Personen mit Altersvergesslichkeit ist, dass sie neue Informationen langsamer verarbeiten, vor allem in Stresssituationen, in denen sie mehrere Aufgaben gleichzeitig durchführen. Betroffene vermeiden deshalb oft vielschichtige, hektische Situationen, denen sie sich früher ohne Probleme gestellt haben. Auch das Abstraktions- und Urteilsvermögen verschlechtert sich. Das Erfahrungswissen, der Wortschatz und das Sprachvermögen sind dagegen nicht von der Altersvergesslichkeit betroffen.

Im Umgang mit anderen Menschen treten Betroffene häufig ungeduldiger, aufbrausender, unkontrollierter und reizbarer als früher auf. Zum Teil wirken sie auf andere weniger aufmerksam. In vielen Fällen ziehen die Betroffenen sich deshalb aus ihrem sozialen Umfeld zurück.

Treten lang andauernde Gedächtnis- und Orientierungsstörungen auf und macht es Probleme, bestimmte Gegenstände zu benennen, können dies aber mögliche Hinweise auf eine Demenz sein.

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5. Diagnose

Der schleichende Beginn einer Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) erschwert die Diagnose. Häufig bemerken Betroffene die Vergesslichkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen zunächst nicht. Wichtig sind deshalb Befragungen von Kontaktpersonen wie der Familie, Freunden und Nachbarn (Fremdanamnese), die häufig früher die Symptome bemerken.

Bei der Altersvergesslichkeit besteht der erste Schritt der Diagnose darin, das Beschwerdebild zu erkennen und von normalen altersbedingten Beeinträchtigungen sowie anderen Krankheitsbildern wie der Demenz abzugrenzen. Entsprechende Untersuchungen, beispielsweise den Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder den Uhrentest, führen Fachärzte (Neurologen, Psychiater, spezialisierte Hausärzte) in der Praxis oder in den angebotenen «Gedächtnissprechstunden» durch. Es ist sinnvoll, diese Tests regelmässig zu wiederholen, da Nervosität, Müdigkeit oder seelische Belastungen die Ergebnisse verfälschen können.

Ausserdem stehen bei Altersvergesslichkeit verschiedene Diagnose-Verfahren wie eine biochemische Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) auf Biomarker zur Verfügung. Diese werden eigentlich zur Demenz-Diagnose genutzt. Möglicherweise zeigen sie aber schon bei leichteren kognitiven Störungen organische Hinweise.

Um eine Demenz auszuschliessen, können zudem bildgebende Verfahren (Computer- und Magnetresonanztomographie), elektro-physiologische Verfahren (Elektroenzephalographie), Doppler-Sonographie und Positronen-Emissions-Tomographie bei Altersvergesslichkeit die Diagnose ergänzen.

Im zweiten Schritt versucht der Arzt festzustellen, ob die Vergesslichkeit im Alter eine Folge von Erkrankungen wie Gehirntumoren, Depressionen einer Infektionskrankheit (z.B. Neuroborreliose, FSME) ist.

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6. Therapie

Zurzeit gibt es bei einer Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) noch keine Therapie, welche die Beschwerden zuverlässig verbessern kann. Es gibt Medikamente, die vermutlich eine Demenz aufhalten könnten – allerdings liegen für die Behandlung leichter kognitiver Störungen kaum Forschungsergebnisse vor. Zu den eingesetzten Wirkstoffen gehören die sogenannten Nootropika (Antidementiva, z.B. Piracetam) und Acetylcholinesterase-Hemmer (z.B. Galantamin, Rivastigmin).

Während des Alterungsprozesses können Sauerstoffradikale entstehen, die auf das Körpergewebe giftig wirken. Sie tragen ausserdem dazu bei, dass Nervenzellen absterben. Um diese Radikale aufzufangen, wird häufig ein Ginkgo-Extrakt (Gingko biloba) verabreicht. Bislang ist aber nicht sicher wissenschaftlich erwiesen, ob Ginkgo tatsächlich einen positiven Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten hat. Die bisher dazu vorliegenden Studienergebnisse sind uneinheitlich und damit nicht verlässlich.

Massnahmen aus dem Gebiet der Psychotherapie, vor allem die sogenannten kognitiven Trainingsprogramme, können kurzzeitig die Leistungen des Gedächtnisses verbessern, vor allem bei leichten Einschränkungen. Langfristig helfen sie aber nur, wenn die von Altersvergesslichkeit Betroffenen auch nach Abschluss der Therapie das Training zu Hause fortsetzen.

Auch körperliche Bewegung, zum Beispiel in Form von täglichen Spaziergängen oder Nordic Walking bei Tageslicht, kann Betroffene wieder geistig leistungsfähiger machen, da eine gute Herz-Kreislauf-Leistung auch die Durchblutung des Gehirns verbessert.

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7. Verlauf

Eine Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) nimmt einen harmlosen Verlauf, kann aber auch das Vorstadium einer Demenz sein. Vermutlich entwickelt sich in 10 bis 21 Prozent der Fälle aus einer leichten kognitiven Störung ein Demenzsyndrom, vor allem die Alzheimer-Krankheit. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa 15 Prozent der von Altersvergesslichkeit Betroffenen innerhalb eines Jahres an Alzheimer-Demenz erkranken.

Um frühzeitig das Risiko einer weiteren Verschlechterung abschätzen zu können, ist es daher wichtig, schon früh krankhafte Prozesse festzustellen. Entsprechende Untersuchungen führen Fachärzte (Neurologen, Psychiater, spezialisierte Hausärzte) in ihrer Praxis und in angebotenen «Gedächtnissprechstunden» durch.

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8. Vorbeugen

Einer Altersvergesslichkeit (leichte kognitive Störung) können Sie vorbeugen, wenn Sie auf ausreichende Bewegung achten. Dadurch werden die Gehirnzellen mit genügend Sauerstoff versorgt. Eine gesunde Ernährung liefert die nötigen Nährstoffe für eine gute Hirnleistung und beinhaltet viele Vitamine, die das Gehirn vor freien Radikalen schützen. Nehmen Sie aktiv am Leben teil und trainieren Sie mit verschiedenen Denksportübungen Ihr Gehirn. Das hält geistig fit.

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