Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Die Amöbenruhr ist eine vor allem in den Tropen und Subtropen vorkommende Durchfallerkrankung, die sich in erster Linie durch verunreinigtes Trinkwasser verbreitet.

Der Erreger der Amöbenruhr, Entamoeba histolytica, gehört zu den sogenannten Protozoen (Einzeller). Von dieser Amöbenart gibt es zwei verschiedene Varianten: Die Minutaform und die Magnaform. Die Minutaform ist in der Regel harmlos und bildet dauerhafte Zysten aus, weshalb sie auch Dauerform genannt wird. Die Zysten bleiben oft jahrelang ohne Krankheitszeichen im Dickdarm und werden teilweise mit dem Stuhl ausgeschieden. Somit ist der Infizierte trotz fehlender Symptome Überträger der Erreger. Durch noch nicht gänzlich bekannte Reize kann sich die Minutaform in die krankheitsauslösende Magnaform umwandeln.

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Amöbenruhr (Inkubationszeit) ist sehr unterschiedlich und beträgt wenige Tage oder mehrere Monate.

Ist die Amöbenruhr einmal ausgebrochen, zeigt sie sich mit typischen Symptomen wie Bauchschmerzen und Durchfällen, welche Schleim und Blut enthalten. Manchmal kann es zu Komplikationen wie einem Darmdurchbruch, Leber- oder Hirnabszess kommen.

Der Arzt stellt Amöbenruhr durch Nachweis der Amöben im Stuhl fest. Für die Behandlung stehen bestimmte Medikamente zur Verfügung. Der Arzt gibt sie zu Anfang meist als Spritze oder Infusion in die Vene; im weiteren Verlauf kann der Erkrankte Tabletten einnehmen.

Eine frühzeitig diagnostizierte Amöbenruhr hat in der Regel eine gute Prognose, wenn sie behandelt wird. Erfolgt die richtige Diagnose zu spät, können auch schwere bis tödliche Krankheitszustände auftreten.

Da die Amöbenruhr häufig keine Beschwerden bereitet, werden Infizierte nicht immer erkannt. Daher ist Hygiene der beste Schutz vor einer Infektion, besonders in Risikogebieten.

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2. Definition

Die Amöbenruhr ist eine Durchfallerkrankung, die vorwiegend in den Tropen und Subtropen vorkommt.

Man unterscheidet zwischen:

  • Symptomlosem Befall (Darmlumen-Infektion)
  • Invasiver Amöbiasis (intestinale Amöbiasis, Amöbenruhr)
  • Extraintestinaler Amöbiasis (z.B. Leberabszesse, Hirnabszesse)
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3. Ursachen

Für eine Amöbenruhr sind die Ursachen bestimmte einzellige Erreger – Entamoeba histolytica. Diese kommen vor allem in den Tropen und Subtropen vor und die Erkrankung verbreitet sich dort in erster Linie durch verunreinigtes Trinkwasser.

Erreger

Der Erreger der Amöbenruhr ist Entamoeba histolytica, der zur Familie der Protozoen und der Untergruppe der Rhizopoden gehört. Protozoen sind einzellige Lebewesen, deren Erbinformation (DNA) in einem von einer Membran umschlossenen Zellkern liegt. Sie verändern rasch ihre äussere Form und können sich durch sogenannte Pseudopodien – vorübergehende Ausstülpungen der Zellwand – bewegen. Die Amöbe lebt im Dickdarm und vermehrt sich, indem sie sich teilt.

Entamoeba histolytica kommt in zwei Varianten vor: «Dauer»- oder Minutaform und Magnaform. Die Minutaform bildet dauerhafte Zysten aus, die jahrelang ohne Krankheitszeichen im Dickdarm bleiben und teilweise mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Somit ist der Infizierte trotz fehlender Symptome Überträger der Erreger. Aus noch unbekannten Gründen entstehen irgendwann sogenannte virulente (krankheitsauslösende) Stämme mit veränderter DNA – die Minutaform geht dann in die Magnaform über und die Amöbenruhr bricht aus.

Übertragungsweg

Die Infektion erfolgt meist über die Aufnahme von verunreinigtem Wasser oder Speisen durch Darmsekrete. Die Amöbenruhr ist weltweit verbreitet, in tropischen Regionen mit schlechten hygienischen Zuständen kommt sie jedoch besonders häufig vor.

Inkubationszeit

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Amöbenruhr (Inkubationszeit) ist sehr unterschiedlich und beträgt wenige Tage oder mehrere Monate.

4. Symptome

Bei einer Amöbenruhr sind die typischen Symptome:

Ausserdem können die Erreger in die Leber eindringen – insbesondere in den rechten Leberlappen. Dort kann es zur Ausbildung von bis zu faustgrossen, meist einzelnen Abszessen kommen (Amöbenleberabszess). Abszesse sind mit Eiter gefüllte Entzündungshöhlen im Gewebe. In seltenen Fällen breiten sich die Amöben bis ins Gehirn aus und bilden dort Hirnabszesse.

Die Amöbenruhr-Symptome können einer Colitis ulcerosa (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) gleichen.

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5. Diagnose

Der Arzt stellt bei einer Amöbenruhr die Diagnose mithilfe von Stuhl- und Blutproben. Einen ersten Hinweis auf die Erkrankung geben blutig-schleimige Durchfälle (Diarrhö). Aus der Stuhlprobe kann ein Labor die DNA des Erregers isolieren. Ausserdem ist ein mikroskopischer Erregernachweis bei der Amöbenruhr möglich. Entzündungsparameter im Blut sowie eine Veränderung des Elektrolythaushalts weisen auf eine schwere Diarrhö hin. Über bakterielle Stuhlkulturen können andere Krankheitsursachen wie Escherichia coli, Salmonellen, Shigellen oder Campylobacter ausgeschlossen werden.

In Einzelfällen ist zur sicheren Amöbenruhr-Diagnose eine Darmspiegelung (Koloskopie) nötig. Durch eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs (Sonographie) lässt sich ein Amöbenabszess ausschliessen.

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6. Therapie

Der Arzt setzt bei einer Amöbenruhr generell eine medikamentöse Therapie ein. Tritt ein Amöbenleberabszess auf, eignet sich zum Beispiel Metronidazol. Auch andere Nitroimidazole wie Tinidazol können bei einer Amöbenruhr helfen. Da Metronidazol keine ausreichende Therapie gegen Amöben im Darminnern bietet, wird mit Paromomycin nachbehandelt. Die Behandlung beginnt in der Regel intravenös (über die Vene); im weiteren Verlauf kann der Erkrankte Tabletten einnehmen.

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7. Verlauf

Komplikationen

Im Rahmen einer Amöbenruhr treten selten gefährliche Komplikationen auf – sie sind aber nicht generell auszuschliessen. So ist in schlimmen Fällen ein Darmdurchbruch (Perforation) mit einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) möglich. Ausserdem kann es zu einer sogenannten nekrotischen Kolitis kommen. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Dickdarmschleimhaut mit Absterben des Gewebes, die von hohem Fieber und blutigen Durchfällen begleitet wird.

Zu den weiteren Amöbenruhr-Komplikationen gehört auch das sogenannte toxische Megakolon, das allerdings extrem selten auftritt. Dabei kommt es zu einer raschen Verschlechterung der Symptome mit Erbrechen, Schockzustand, Erweiterung des Dickdarms und Gefahr einer Perforation.

Prognose

Wird die Amöbenruhr frühzeitig diagnostiziert, ist die Prognose meist gut. Die Erkrankung kann so rechtzeitig behandelt werden und heilt folgenlos aus. Bei zu später Diagnose können schwere bis tödliche Krankheitszustände auftreten.

8. Vorbeugen

Bei einer Amöbenruhr ist kein direktes Vorbeugen durch eine Impfung oder Medikamente möglich. Auch weil die Erkrankung häufig keine Beschwerden bereitet, werden Infizierte nicht immer erkannt. Daher ist Hygiene der beste Schutz vor einer Infektion, besonders in Risikogebieten. Wenn Sie also in die Tropen oder in Gebiete mit schlechten hygienischen Verhältnissen reisen, sollten Sie folgende Massnahmen beachten:

  • Waschen Sie sich häufig die Hände, besonders nach dem Stuhlgang und vor dem Essen
  • Nehmen Sie nur abgekochtes Wasser zu sich, nutzen Sie Wasser aus versiegelten Trinkflaschen oder bereiten Sie Wasser entsprechend auf.
  • Schälen Sie Obst und Gemüse und reinigen Sie Lebensmittel nur mit sauberem Wasser.
  • Verzichten Sie auf Eiswürfel aus Leitungswasser.
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