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1. Überblick

Als Analfissur (Afterriss) bezeichnet man einen Längsriss der Schleimhaut im Bereich des äusseren Enddarms. Die typischen Symptome sind starke Schmerzen beim Stuhlgang, Verstopfung und Blutauflagerungen.

Eine Analfissur lässt sich nach einer einfachen Diagnose erfolgreich behandeln. Es handelt sich somit um eine gutartige Erkrankung, deren Therapie in den Aufgabenbereich eines Allgemeinchirurgen oder Proktologen fällt.

Mögliche Ursachen einer Analfissur sind zu harter Stuhl und zu festes Pressen beim Stuhlgang. Besonders betroffen sind ausserdem Menschen, die Analverkehr pflegen. Eine chronisch erhöhte Muskelspannung des Schliessmuskels (Sphinktertonus) sorgt dafür, dass Schleimhautdefekte im Analbereich schlechter abheilen. Die starken Schmerzen, die beim Stuhlgang von der Wunde ausgehen, erhöhen wiederum den Sphinktertonus. Ein Schmerzkreislauf baut sich auf und eine chronische Analfissur entsteht. Eine Wunde im Analbereich infiziert sich zudem sehr leicht mit Keimen aus der Darmflora, was wiederum zu den Wundheilungsstörungen beiträgt.

Eine akute Analfissur lässt sich mit konservativen (medikamentösen) Mitteln wie Salben, Abführmitteln oder einer Injektion behandeln. Chronische Analrisse erfordern eine Operation, auch um mögliche Komplikationen durch Analfisteln oder Abszesse abzuwenden.

Inwieweit eine Analfissur eine Nachsorge erfordert, richtet sich nach der Stärke der Beschwerden und der entsprechenden Behandlung. Eine akute Analfissur heilt in den meisten Fällen spontan oder durch eine entsprechende Therapie nach einigen Wochen ab. Im Fall einer operativen Behandlung ist eine Nachsorge der offenen Wunde notwendig.

In vielen Fällen kann man einer Analfissur oder auch einer Analfistel vorbeugen. Dazu ist besonders eine ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung wichtig, vor allem, um einen weichen Stuhl zu fördern. Analsex sollte nur schonend unter Verwendung von Gleitmitteln erfolgen.

2. Definition

Bei einer Analfissur handelt es sich um Längsrisse der Schleimhaut im Bereich des äusseren Enddarms. Mitunter entzündet sich eine Analfissur und heilt dann schlecht ab. Mediziner sprechen deshalb bei einer Analfissur auch von einem Geschwür (Ulkus). Eine Analfissur gehört zu den Enddarmerkrankungen, wobei man zwischen der akuten und der chronischen Analfissur unterscheidet.

Schätzungen zufolge ist etwa jeder zweite Erwachsene von Beschwerden im Bereich des Enddarms betroffen, zum Beispiel Hämorrhoiden, Analabszessen, Anal- und Steissbeinfisteln, aber auch Rektum- und Analkarzinomen. Viele Betroffene versuchen jedoch, Beschwerden in dieser intimen Körperregion aufgrund von Scham zunächst mit Salben, Cremes und Hausmitteln selbst zu behandeln, bevor sie einen Arzt aufsuchen.

3. Ursachen

Eine Analfissur kann verschiedene Ursachen haben. Zu harter Stuhl und zu festes Pressen beim Stuhlgang können die Einrisse hervorrufen. Häufig von einer Analfissur betroffen sind ausserdem Menschen, die Analverkehr pflegen. Eine chronisch erhöhte Muskelspannung des Schliessmuskels (Sphinktertonus) sorgt dafür, dass Schleimhautdefekte im Analbereich schlechter abheilen. Die starken Schmerzen, die beim Stuhlgang von der Wunde ausgehen, erhöhen wiederum den Sphinktertonus. Ein Schmerzkreislauf baut sich auf und eine chronische Analfissur entsteht. Auch Hämorrhoiden oder langanhaltender Durchfall können zu Schäden an der Analschleimhaut führen und Ursachen einer Analfissur sein.

Eine Wunde im Analbereich infiziert sich zudem leicht mit Keimen aus der Darmflora, was wiederum zu den Wundheilungsstörungen beiträgt.

4. Symptome

Bei einer Analfissur treten typische Symptome auf:

Bei chronischen Analfissur bildet sich eine auffällige Hautverdickung im betroffenen Bereich, die als Vorpostenfalte bezeichnet wird.

5. Diagnose

Bei einer Analfissur stellt der Arzt die Diagnose nach einer kurzen körperlichen Untersuchung. Dabei betrachtet zum Beispiel ein Proktologe den äusseren Analbereich. Weitere diagnostische Massnahmen sind meist nicht notwendig. Wie der gesamte Unterleib ist auch der Analbereich mit ausgesprochen sensiblen Nerven ausgestattet. Bei einer Analfissur ist die Wundregion sehr empfindlich und Untersuchungen daher unangenehm. Tastet der Arzt im Rahmen der Diagnostik die innere Schleimhaut des Enddarms (digitale Untersuchung) aus, betäubt er deshalb zunächst den Analbereich.

Eine Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie) wird, sofern eine Analfissur vorliegt, nur unter Narkose vorgenommen.

6. Therapie

Akute Analfissur

Bei einer Analfissur ist eine konsequente Therapie wichtig, damit Schmerzen abklingen und die Wunde abheilen kann. Zur Behandlung einer Analfissur eignen sich verschiedene Behandlungsformen, die sich auch kombinieren lassen:

  • Salben oder Zäpfchen wirken im Bereich der Analfissur schmerzstillend und abschwellend. Gelegentlich verschreibt der Arzt auch Schmerztabletten oder -tropfen. So genannte Analtampons (Zäpfchen mit Mulleinlage) gelten als besonders wirksam.
  • Zur einmaligen örtlichen Betäubung spritzt der Arzt im Bereich der Analfissur ein Betäubungsmittel, um den Schmerzkreislauf zu unterbrechen und die Heilung somit zu unterstützen.
  • Warme Sitzbäder sind eine weitere sinnvolle Behandlung bei einer Analfissur. Sie entspannen den Sphinktermuskel und beugen so Verstopfungen vor.
  • Sogenannte Analdehner (fingerförmige Plastikkegel) können selbstständig mehrmals am Tag angewendet werden, um die Muskelspannung durch regelmässige, vorsichtige Dehnung des Schliessmuskels zu verringern.
  • Eine ballaststoffreiche Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge sorgen für die richtige Stuhlkonsistenz.
  • Abführmittel (Laxantien) sollten nur begrenzt und nach Absprache mit dem Arzt verwendet werden, da ein sehr dünner und häufiger Stuhlgang den Analkanal reizen und die Entzündung verstärken kann.

Chronische Analfissur

Halten die Beschwerden durch die Analfissur länger als einige Wochen an oder kommt es zu Rückfällen, handelt es sich um eine chronische Analfissur. Bei einer chronischen Analfissur hat sich der Schmerzkreislauf bereits soweit aufgebaut, dass die Wunde nicht mehr von selbst verheilt. Um mögliche Komplikationen zu verhindern und die Lebensqualität zu verbessern, rät der Arzt bei einer chronische Analfissur in der Regel zu einer Operation.

Lange Zeit durchtrennten Ärzte zur Behandlung einer chronischen Analfissur den innere Schliessmuskel teilweise, um die Muskelspannung auf Dauer zu reduzieren (laterale Sphinkterotomie) oder sie dehnten den Schliessmuskel unter Narkose. Beide Verfahren werden aufgrund der Komplikationsraten nur noch vereinzelt angewendet.

Heutzutage entfernt der Arzt eine Analfissur unter Kurznarkose in der sogenannten Fissurektomie. Dabei bleibt der Schliessmuskel vollständig erhalten. Nur wenn als Komplikation bereits eine Analfistel entstanden ist, spaltet der Arzt oberflächliche Anteile des Schliessmuskels auf.

Die Operation ist bei jüngeren Betroffenen ambulant durchführbar, bei älteren Menschen erfolgt sie im Rahmen einer kurzen stationären Therapie. Sitzbäder und (nach Absprache mit dem Arzt) milde Abführmittel können in der Nachbehandlung die Wundheilung unterstützen.

Frühere operativen Methoden gingen immer mit der Gefahr einer Stuhlinkontinenz einher. Mittlerweile gibt es neuere Behandlungskonzepte zur konservativen (nicht-operativen) Therapie der chronischen Analfissur. Dazu gehören die Injektion von Botulinumtoxin in den Sphinktermuskel oder die Anwendung von durchblutungsfördernden Salben (Nitrate).

7. Verlauf

Komplikationen

Eine Analfissur zeigt unter geeigneter Behandlung meist einen guten Verlauf. Komplikationen sind dennoch möglich, denn eine chronische Analfissur ist eine offene Wunde, in die fortwährend Keime gelangen. Ohne Therapie heilt die Schleimhaut nur schwer ab und eine chronische Entzündung ist möglich. Die Entzündung kann dazu beitragen, dass sich Analfisteln ausbilden. Dabei entsteht vom Grund der Wunde ausgehend ein Kanal, der den inneren Schliessmuskel durchbohrt. Die Entzündung kann sich dadurch in das umliegende Gewebe ausbreiten.

Ein Analabszess gehört bei einer Analfissur oder einer Analfistel ebenfalls zu den möglichen Komplikationen. Ein Abszess ist eine lokalisierte Entzündung mit Eiterbildung, die sich im Bindegewebe abkapselt. Der Analabszess erzeugt eine gerötete, prall elastische Schwellung, die zu heftigen Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost führen kann. In diesem Fall ist eine sofortige operative Behandlung notwendig.

Nachsorge

Inwieweit eine Analfissur eine Nachsorge erfordert, richtet sich nach der Stärke der Beschwerden und der gewählten Behandlungsmethode. Eine akute Analfissur heilt in den meisten Fällen spontan oder durch eine entsprechende Therapie nach einigen Wochen ab. Im Fall einer operativen Behandlung der Analfissur gelten bei der Nachsorge die Prinzipien einer offenen Wundbehandlung. Sitzbäder und Salbenverbände unterstützen die Wundheilung, die in der Regel mehrere Wochen dauert. Um den Stuhl weich zu halten sowie Schmerzen und einen erneuten Krankheitskreislauf zu vermeiden, ist es wichtig auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung zu achten. Abführmittel sollten nicht oder nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Bei der Analpflege empfiehlt sich ein schonendes Ausduschen des Afters, da Abwischen die Wunde reizt.

8. Vorbeugen

Einer Analfissur und Analfisteln lässt sich vorbeugen. Dazu ist besonders eine ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung wichtig, vor allem um einen weichen Stuhl zu fördern. Analsex sollte nur schonend unter Verwendung von Gleitmitteln erfolgen.