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  4. Anthrax (Milzbrand)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Anthrax (Milzbrand) ist eine durch bestimmte Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheit, die in erster Linie Huftiere betrifft. Durch engen Kontakt mit infizierten Tieren oder durch Umgang mit infizierten Tierprodukten sind die Erreger aber auf den Menschen übertragbar. 

Damit gehört Anthrax zu den sogenannten Zoonosen (= zwischen Tier und Mensch übertragbare Erkrankungen). Auslöser der Infektion ist das sporenbildende Bakterium Bacillus anthracis aus der Familie der Bacillaceae. Sporen sind eine besonders widerstandsfähige Dauerform von Bakterien, die jahrelang lebensfähig sind. Die Milzbrand-Sporen können so beispielsweise an Tierfellen haften und auch nach Jahren noch ansteckend sein.

Je nachdem, wie die Anthrax-Erreger in den menschlichen Körper eindringen, können verschiedene Formen von Milzbrand entstehen, deren Symptome sich unterscheiden: Ist eine Hautverletzung die Eintrittspforte für Milzbrandsporen, kommt es zu Hautmilzbrand. Dann bilden sich typischerweise eitergefüllte Bläschen, sogenannte Milzbrandkarbunkel. Durch Einatmen der Sporen entsteht ein Lungenmilzbrand, dessen Symptome denen einer Lungenentzündung ähneln. Die Aufnahme der Anthrax-Bakterien (über Rohmilch oder rohes Fleisch infizierter Tiere) führt zu Darmmilzbrand, der sich durch blutiges Erbrechen und blutige Durchfälle äussert. Treten die Anthrax-Erreger ins Blut über, kann die Milzbrandsepsis mit Anzeichen einer Blutvergiftung entstehen; ist das ZNS (zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark) betroffen, kommt es zur Milzbrandmeningitis.

Ein natürlich auftretender Milzbrand beim Menschen tritt fast immer in Form von Hautmilzbrand auf: Weltweit geschieht dies jährlich etwa 2'000 Mal.

Die Anthrax-Diagnose erfolgt vor allem durch den Nachweis der Erreger. Zur erfolgreichen Behandlung von Milzbrand ist es wichtig, dass so früh wie möglich Antibiotika zum Einsatz kommen: So lässt sich bei Hautmilzbrand fast immer eine Heilung erzielen und auch bei den anderen – schwerwiegenderen – Formen von Anthrax die Überlebenschance deutlich erhöhen. Um sich vor einer Ansteckung mit Anthrax-Bakterien zu schützen, ist es ratsam, Kontakt mit erkrankten Tieren und ihren Produkten zu vermeiden. Eine Impfung gegen Milzbrand ist in der Schweiz nicht verfügbar.

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2. Definition

De Begriff Anthrax (Milzbrand) bezeichnet per Definition eine bakterielle Infektionserkrankung, die hauptsächlich bei pflanzenfressenden Tieren auftritt. Überwiegend sind Huftiere wie Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde betroffen. Das ursächliche Bakterium namens Bacillus anthracis kann aber auch den Menschen krank machen, weshalb Anthrax zu den sogenannten Zoonosen zählt: Eine Zoonose ist eine zwischen Tier und Mensch übertragbare Erkrankung.

Eine Übertragung der Anthrax-Bakterien auf den Menschen kommt besonders bei Berufsgruppen vor, die engen Kontakt zu infizierten Tieren haben oder die mit Produkten dieser Tiere – wie Tierhäuten, Fleisch oder Milch – in Berührung kommen. Die Bezeichnung Milzbrand für die Infektionskrankheit ist darauf zurückzuführen, dass die Milz bei erkrankten Tieren vergrössert ist und verbrannt aussieht.

Häufigkeit

Anthrax (Milzbrand) tritt vor allem in warmen Ländern auf. Fast immer (mit einer Häufigkeit von 95%) äussert sich ein natürlich auftretender Milzbrand beim Menschen als Hautmilzbrand – weltweit infizieren sich jährlich etwa 2'000 Menschen.

Rechtliches

Anthrax (Milzbrand) ist eine meldepflichtige Erkrankung mit dem Status einer auszurottenden Seuche. Die Meldung muss bei Verdacht auf eine Infektion und bei Vorliegen einer entsprechenden Erkrankung erfolgen.

3. Ursachen

Anthrax (Milzbrand) hat seine Ursachen in einer Infektion mit einem bestimmten Erreger: dem Bakterium namens Bacillus anthracis aus der Familie der Bacillaceae. Das Anthrax-Bakterium gehört zu den sporenbildenden Bakterien: Sporen sind eine bakterielle Lebensform mit extrem reduzierten Lebensfunktionen, die besonders widerstandsfähig gegen Hitze, Austrocknung, Strahlung und chemische Einflüsse sind. In diesen Dauerformen können die Anthrax-Erreger Jahre überstehen.

Der Anthrax-Erreger ist aufgrund einer speziellen Eiweisskapsel in der Lage, wichtigen Abwehrmechanismen der menschlichen oder tierischen Zellen zu entgehen (sog. Phagosomenflüchter). Ausserdem bildet der Anthrax-Erreger vor allem bei seiner Zerstörung Giftstoffe (Exotoxine) und gibt sie an die Umgebung ab. Dieses Gift schädigt die Blutgefässe bis in die kleinsten Aufzweigungen (sog. Kapillaren), so dass diese für rote Blutkörperchen (Erythrozyten) durchlässig sind. Daraus folgen eine Entzündungsreaktion und eine Blutung: Beides sind die Ursachen für die bei Milzbrand auftretende blutdurchtränkte Schwellung, also ein hämorrhagisches Ödem des betreffenden Gewebes. Betroffen sind vor allem die Lunge, der Darm und die Haut.

Übertragung

Für eine Infektion des Menschen mit Anthrax (Milzbrand) kommen verschiedene Übertragungswege als Ursachen infrage. Die Übertragung der Infektionskrankheit erfolgt in den meisten Fällen durch Milzbrandsporen über kleine Hautverletzungen – es entsteht ein Hautmilzbrand. Dabei ist eine Ansteckung nicht nur durch Hautkontakt zu an Milzbrand erkrankten oder verendeten Tieren möglich, an deren Haut oder Haaren die Sporen haften. Auch tierische Rohstoffe wie Tierhäute und Felle können mit Milzbrandsporen kontaminiert sein, die meist über Jahre hinweg ansteckend sind. Die Ansteckungsgefahr ist vor allem für Menschen hoch, die engen Kontakt zu von Milzbrand betroffenen Tieren haben oder die mit entsprechenden tierischen Produkten in Berührung kommen.

Seltener hat eine Anthrax-Infektion des Menschen ihre Ursachen in einer Übertragung der Milzbrandsporen über die Atemwege: Infiziert sich der Mensch durch das Einatmen der Sporen, entsteht ein sogenannter Lungenmilzbrand. Darüber hinaus können die Anthrax-Bakterien durch den Verzehr von rohem Fleisch oder ungekochter Milch von erkrankten Tieren in den Körper gelangen und so einen Darmmilzbrand verursachen. Eine weitere mögliche Infektionsquelle ist per Spritze verabreichtes Heroin: Wenn das Heroin selbst oder eine beigemischte Substanz Milzbrandsporen enthält, kann ein sogenannter Injektionsmilzbrand entstehen. Bei Einhaltung der üblichen Hygieneregeln ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Mensch zu Mensch sehr gering.

Inkubationszeit

Bei Anthrax (Milzbrand) beträgt die Zeit zwischen der Infektion mit den als Ursachen verantwortlichen Erregern und dem ersten Auftreten von Symptomen (sog. Inkubationszeit) wenige Stunden bis mehrere Tage, gelegentlich sogar bis zu 60 Tage.

4. Symptome

Anthrax (Milzbrand) kann sich durch vielfältige Symptome äussern: Abhängig vom jeweiligen Infektionsort kann es zu Hautmilzbrand, Lungenmilzbrand, Darmmilzbrand und Injektionsmilzbrand kommen – alles Anthrax-Formen, die sich mit jeweils typischen Beschwerden überwiegend örtlich zeigen. Darüber hinaus kann sich Anthrax aber auch auf ein ganzes Organsystem (zentrales Nervensystem, Blut) auswirken und so zu einer Milzbrandmeningitis (mit Anzeichen einer Meningitis wie Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, veränderte Bewusstseinslage oder Anzeichen einer Blutung innerhalb des Schädels) und/oder einer Milzbrandsepsis (mit typischen Symptomen einer Blutvergiftung) führen.

Hautmilzbrand

Anthrax (Milzbrand) entsteht beim Menschen am häufigsten, indem Milzbrandsporen über kleine Hautverletzungen eindringen: Typische Symptome für den so hervorgerufenen Hautmilzbrand sind Hautveränderungen. Als erstes Anzeichen für den Hautmilzbrand entsteht auf der Haut an der Infektionsstelle ein rotes Knötchen mit einem schwarzen Zentrum. Daraus entwickelt sich schnell ein meist schmerzloses, eitergefülltes Bläschen. Breitet sich die Erkrankung weiter aus, treten neue Bläschen auf und verschmelzen schliesslich miteinander zum Milzbrandkarbunkel (Pustula maligna). Wenn ein solches Karbunkel Anschluss an ein Blutgefäss bekommt, kann dies zu einer Blutvergiftung (Milzbrandsepsis) führen.

Lungenmilzbrand

Wenn Anthrax (Milzbrand) durch das Einatmen von Milzbrandsporen entsteht, sind die Symptome am schwerwiegendsten: Der sich dann entwickelnde Lungenmilzbrand verläuft wie eine schwere Lungenentzündung mit starkem blutigem Auswurf, der hochgradig ansteckend ist. Die Betroffenen haben hohes Fieber, häufig Schüttelfrost, Husten und Atemnot. Der Lungenmilzbrand endet unbehandelt nach einigen Tagen meist tödlich.

Darmmilzbrand

Selten entsteht Anthrax (Milzbrand) beim Menschen durch die Aufnahme der ursächlichen Bakterien (Bacillus anthracis) über den Mund (über kontaminierte Lebensmittel): Dann kommt es zu Darmmilzbrand, dessen Symptome Fieber sowie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und/oder Durchfall sind. Im Vordergrund von Darmmilzbrand stehen meist blutiges Erbrechen und ein blutiger Stuhl aufgrund einer schweren blutenden (hämorrhagischen) Darmentzündung. Diese Form von Anthrax endet – ebenso wie der Lungenmilzbrand – unbehandelt meist tödlich.

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Injektionsmilzbrand

Menschen können sich auch mit Anthrax (Milzbrand) infizieren, wenn sie sich Heroin spritzen, das mit Milzbrandsporen aus der Umwelt kontaminiert ist. Typische Symptome für einen solchen Injektionsmilzbrand sind eine sich an der Injektionsstelle bildende Schwellung (bzw. eine Rötung oder ein Abszess) als Zeichen einer Infektion und/oder eine nekrotisierende Fasziitis (d.h. eine tief gehende entzündliche Hauterkrankung, in deren Verlauf die betroffene Haut und Unterhaut abstirbt).

5. Diagnose

Bei Anthrax (Milzbrand) ist die Diagnose nicht leicht zustellen, da die auftretenden Symptome wenig kennzeichnend sind. Die Verdachtsdiagnose kann sich neben den bestehenden Beschwerden aus der Krankengeschichte der Betroffenen ergeben, wobei Informationen über Kontakt zu möglicherweise infizierten Tieren oder über den Beruf wichtige Hinweise liefern können.

Sichern lässt sich die Anthrax-Diagnose durch den mikroskopischen Nachweis des Erregers: Das ursächliche Bakterium Bacillus anthracis ist in Körpersekreten beziehungsweise Abstrichen nachweisbar: Je nachdem, in welcher Form Anthrax auftritt (z.B. als Hautmilzbrand, Lungenmilzbrand, Darmmilzbrand), kann die zu untersuchende Flüssigkeit aus Bläschen, Blut, abgehustetem Bronchialschleim oder Stuhl stammen.

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6. Therapie

Gegen Anthrax (Milzbrand) kommen zur Therapie Antibiotika zum Einsatz: Diese antibiotische Behandlung ist bei jeder Form von Anthrax – beim häufigen Hautmilzbrand ebenso wie beim selteneren Lungen- oder Darmmilzbrand – wirksam. Dabei ist es wichtig, dass die Antibiotika-Therapie so früh wie möglich beginnt – im Zweifelsfall (wenn der Verdacht auf eine mögliche Ansteckung mit Anthrax besteht) auch vorbeugend. Bei Hautmilzbrand erfolgt die Einnahme der Medikamente über den Mund. Bei Lungen- oder Darmmilzbrand oder wenn sich der Anthrax in Form einer Milzbrandmeningitis oder Milzbrandsepsis auf ein ganzes Organsystem auswirkt, bekommen Sie die Wirkstoffe (Ciprofloxacin, Penicillin oder Doxycyclin) zunächst in eine Vene gespritzt.

Neben der Bekämpfung der Anthrax-Erreger durch Antibiotika besteht die Milzbrand-Therapie darin, Ihre individuellen Beschwerden zu behandeln, beispielsweise durch Schmerzmittel oder Ruhigstellung betroffener Körperteile. Chirurgische Eingriffe bei Hautmilzbrand sind strikt verboten, da ansonsten eine Blutvergiftung entstehen könnte. Da sich mithilfe üblicher Hygienemassnahmen (z.B. beim Umgang mit Infizierten Handschuhe tragen) praktisch ausschliessen lässt, dass sich Anthrax von Mensch zu Mensch ausbreitet, ist Ihre Isolierung während der Behandlung nicht erforderlich.

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7. Verlauf

Anthrax (Milzbrand) lässt sich in seinem Verlauf – unabhängig von der Form – durch angemessene Therapie positiv beeinflussen: Fast alle Menschen mit Hautmilzbrand, die rechtzeitg Antibiotika erhalten, überleben die Infektionskrankheit; ohne oder bei verspäteter Behandlung verläuft Hautmilzbrand jedoch in 5 bis 25 Prozent der Fälle tödlich. Bei Lungen- und Darmmilzbrand ist die Sterblichkeit deutlich höher: Beide Anthrax-Formen enden unbehandelt innerhalb von zwei bis drei Tagen tödlich.

Die Anthrax-Formen Hautmilzbrand, Lungenmilzbrand und Darmmilzbrand sind in ihren Auswirkungen überwiegend auf den jeweiligen Infektionsort beschränkt. Anthrax kann aber auch einen sogenannten systemischen Verlauf nehmen, sich also auf ganze Organsysteme auswirken: Gelangen die Milzbrand-Erreger ins Blut, kann sich eine Milzbrandsepsis entwickeln, die sich durch Symptome einer Blutvergiftung (wie Fieber, Schüttelfrost, Hautblutungen, Milzvergrösserung und Kreislaufschock) bemerkbar macht. Diese Sepsis führt unbehandelt bei 5 bis 20 Prozent der Betroffenen zum Tod. Eine weitere systemische Anthrax-Verlaufsform ist die Milzbrandmeningitis, bei der demnach das ZNS (= zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark) betroffen ist. Sie kann mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, einer veränderten Bewusstseinslage oder einer Blutung innerhalb des Schädels einhergehen.

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8. Vorbeugen

Sie können Anthrax (Milzbrand) vorbeugen, indem Sie den Kontakt mit erkrankten Tieren und ihren Produkten vermeiden: Überwiegend von Anthrax betroffen sind Huftiere wie Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Ansteckungsgefahr besteht vor allem, wenn Sie Hautverletzungen haben: Ein natürlich auftretender Milzbrand beim Menschen äussert sich fast immer als Hautmilzbrand. Voraussetzung für seine Entstehung ist, dass die Anthrax-Erreger – die Milzbrandsporen – über kleine Verletzungen eindringen können. Eine unverletzte Haut können die Sporen nicht durchdringen.

Auch den selteneren Formen von Anthrax können Sie wirksam vorbeugen: Vor dem Einatmen der Milzbrandsporen (und somit vor Lungenmilzbrand) können Sie sich mit einem speziellen Mundschutz, wie ihn auch von Chirurgen bei Operationen verwenden, schützen. Diese Masken haben eine Porengrösse von 0,6 Mikrometern, wohingegen die Milzbrandsporen im ungünstigsten Fall 1 bis 5 Mikrometer gross sind. Die Aufnahme von Anthrax-Bakterien über den Mund (und somit Darmmilzbrand) können Sie verhindern, indem Sie auf rohes Fleisch oder kontaminierte Rohmilch möglicherweise infizierter Tiere verzichten.

Grundsätzlich ist es möglich, die Infektion mit Anthrax durch eine Impfung zu verhindern. Diese Massnahme zum Vorbeugen steht jedoch in der Schweiz nicht zur Verfügung, da der Impfstoff gegen Milzbrand zahlreiche Nebenwirkungen hervorruft. Zudem tritt Anthrax in dieser Region nur sehr selten auf.

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