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Arthrose

(Gelenkverschleiss)
von Onmeda-Ärzteteam

1.  Überblick

Arthrose (Gelenkverschleiss) entwickelt sich schleichend – und trifft nicht nur ältere Menschen. Typisch für eine beginnende Arthrose sind Gelenkschmerzen, die vor allem nach Ruhephasen auftreten: ein scharfer, plötzlicher Schmerz, der schliesslich bei weiterer Bewegung nachlässt.

Bei Arthrose kommt es zu einem Schaden am Gelenkknorpel – Ursachen sind häufig eine übermässige oder falsche Belastung des Gelenks, aber auch Bewegungsmangel. Ebenso können Verletzungen oder angeborene Knorpeldefekte einen vermehrten Gelenkverschleiss bewirken.

Oft betrifft die Arthrose das Hüftgelenk oder das Kniegelenk. Sie beginnt damit, dass sich der Gelenkknorpel langsam, aber fortlaufend abbaut. Hinzu treten Umbauprozesse im angrenzenden Knochen. Unbehandelt führt die Erkrankung im Spätstadium zu einer beschädigten oder zerstörten Gelenkfläche.

Durch den Gelenkverschleiss kommt es zu Gelenkschmerzen. Zudem können sich die Gelenke im weiteren Verlauf versteifen und verformen. Unter bestimmten Bedingungen verstärken sich die Schmerzen, etwa bei kühlem und feuchtem Wetter sowie bei bestimmten körperlichen Belastungen (z.B. bei stossartigen Bewegungen wie beim Hinabsteigen einer Treppe). Typisch für eine Arthrose ist auch der sogenannte Anlaufschmerz, der nach längerem Ruhen bei Bewegungen auftritt, aber rasch nachlässt. Zudem fühlen sich die Gelenke in der ersten halben Stunde nach dem Aufstehen oft steif an.

Um eine Arthrose festzustellen, fragt der Arzt den Betroffenen nach seinen Beschwerden:

  • Wo tut es genau weh?
  • In welchen Situationen kommt es zu den Schmerzen?
  • Wann sind die Beschwerden erstmals aufgetreten?


Nach der Befragung untersucht der Arzt den Arthrose-Patienten. Bei dieser körperlichen Untersuchung kann der Arzt zum Beispiel feststellen, ob das Gelenk sich normal und schmerzfrei bewegen lässt.

Ausserdem wichtig: Mithilfe eines Röntgenbildes lässt sich das Ausmass des Gelenkverschleisses gut beurteilen. Das Röntgen zählt daher zu den Standarduntersuchungen bei Verdacht auf eine Arthrose.

Erfolgt eine geeignete Therapie früh genug, kann dies Schmerzen lindern und verhindern oder zumindest hinauszögern, dass das Gelenk versteift. Bessern nicht-operative (konservative) Therapien die Schmerzen nicht, oder ist das Gelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, kann ein operativer Gelenkersatz nötig sein. Solche Operationen erfolgen sehr häufig und zählen zu den Routineeingriffen der Orthopädie und Unfallchirurgie. Typische Beispiele sind ein künstliches Kniegelenk oder ein künstliches Hüftgelenk, meist in Form einer sogenannten Totalendoprothese (TEP), bei der der Operateur das gesamte Gelenk durch ein künstliches ersetzt.

Als Arthrose (Gelenkverschleiss) bezeichnet man den fortschreitenden, altersbedingten Knorpelabrieb in den Gelenken. Bei übermässiger oder falscher Belastung kommt es zu Schmerzen im Gelenk und einer Gelenkversteifung. Auch durch Verletzungen oder angeborene Knorpeldefekte ist ein vermehrter Gelenkverschleiss möglich.

Die Arthrose beginnt mit einem Abbau des Gelenkknorpels. Im Anschluss kommt es zu Umbauprozessen im angrenzenden Knochen und zur Zerstörung der Gelenkfläche. Wenn sich Gewebe im Körper mit der Zeit immer weiter abnutzen oder zurückbilden, verwenden Mediziner dafür oft den Begriff «Degeneration». Die Arthrose zählt daher zu den degenerativen Gelenkerkrankungen.

Grundsätzlich kann eine Arthrose an jedem Gelenk entstehen. Am häufigsten tritt sie an Gelenken auf, die durch das Körperwicht besonders belastet werden. Hierzu gehören:

  • Knie – die Arthrose im Knie heisst Gonarthrose
  • Hüfte – die Arthrose im Hüftgelenk heisst Coxarthrose

Weitere häufig von Arthrose betroffene Gelenke sind die kleinen Wirbelsäulengelenke (Spondylarthrose) und die Gelenke an den Händen, insbesondere die:

  • Fingerendgelenke (Heberden-Arthrose),
  • Mittelgelenke (Bouchard-Arthrose) und
  • das Daumensattelgelenk (Rhizarthrose).

Synovia (Gelenkschmiere)

Im gesunden Gelenk sorgt die Synovia dafür, dass bei Bewegungen möglichst wenig Reibung entsteht und Stösse gedämpft werden. Ausserdem versorgt die klare Flüssigkeit den Gelenkknorpel mit Nährstoffen wie Glukose oder Aminosäuren. Aber auch Abfallprodukte werden mit ihrer Hilfe entsorgt.

Wichtigster und mengenmässig grösster Bestandteil der Gelenkschmiere ist die Hyaluronsäure. In Ruhe ist die Konsistenz der Synovia eher zäh, bei Bewegung wird sie deutlich dünnflüssiger. Die sogenannten viskoelastischen Eigenschaften der Gelenkschmiere hängen auch mit dem Molekulargewicht der körpereigenen Hyaluronsäure zusammen. Dabei gilt: Je höher das Molekulargewicht, desto ausgeprägter sind die viskoelastischen Eigenschaften der Synovia. Verändert sich die Zusammensetzung der Synovia – sinkt also zum Beispiel das Molekulargewicht der Hyaluronsäure oder deren Konzentration – hat dies nachteilige Auswirkungen: Ihre Funktion als Stossdämpfer und Reibungsschutz lässt nach. Das kann den Gelenkknorpel auf Dauer angreifen.

Zwar kann übermässige Bewegung dem Gelenk schaden – damit ein Gelenk gut funktioniert, muss es dennoch regelmässig bewegt werden. Denn nur dann wird der Gelenkknorpel ausreichend über die Gelenkschmiere mit Nährstoffen versorgt. Ein dauerhafter Bewegungsmangel kann sich dagegen ungünstig auf die Struktur des Gelenkknorpels auswirken.

Häufigkeit

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, eine Arthrose (Gelenkverschleiss) zu bekommen. Nur etwa 4 Prozent der 20-Jährigen leiden unter einer Arthrose, während ab dem 70. Lebensjahr bei mehr als 80 Prozent aller Menschen arthrotische Veränderungen auftreten. Frauen sind häufiger von einer Arthrose betroffen als Männer.

Gonarthrose (Arthrose im Knie)

Die Gonarthrose (Arthrose im Knie) ist eine der häufigsten Arthrose-Arten. Je nach Alter ist die Häufigkeit aber sehr unterschiedlich. Sie steigt mit zunehmendem Alter stetig an und liegt bei den 70- bis 74-Jährigen bei bis zu 40 Prozent. Bei einer Gonarthrose kann oft nur ein künstliches Kniegelenk die Gelenkfunktion verbessern und die Schmerzen im Knie weitestgehend lindern. Unter bestimmten Bedingungen kann die Gonarthrose als Berufskrankheit anerkannt werden.

Bei einer Gonarthrose kann eine operative Therapie die Betroffenen von den Schmerzen im Knie befreien: Menschen mit einer Arthrose im Knie erhalten dazu ein künstliches Kniegelenk. Nach der Operation sind Bewegungen des Knies wieder weitgehend beschwerdefrei möglich. Die Kniearthrose-Patienten können Alltag und Beruf wieder besser bewältigen und Freizeitaktivitäten nachgehen. Dadurch verbessert sich die Lebensqualität der Betroffenen.

Unter der Gonarthrose, auch Kniearthrose genannt, leiden rund 40 Prozent der Bevölkerung ab 70 Jahren.

(Koxarthrose) Hüftarthrose

Auch die Coxarthrose (Hüftarthrose) gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Häufig findet man für die Hüftgelenksarthrose auch die eingedeutschte Schreibweise «Koxarthrose».

Die Coxarthrose kommt entweder an einem Hüftgelenk oder auch beidseitig vor. Eine Hüftarthrose kann bereits bei Kindern durch unterschiedliche Beinlängen auftreten. Insgesamt steigt die Häufigkeit für eine Coxarthrose durch die höhere Lebenserwartung und die normale, altersbedingte Abnutzung.

Mediziner unterscheiden zwei Formen von Arthrose in der Hüfte:

  • Primäre Coxarthrose: Sie macht 25 Prozent der Hüftarthrose-Fälle aus. Die meisten Betroffenen sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, wenn bei ihnen diese Form der Hüftgelenksarthrose diagnostiziert wird.
  • Sekundäre Coxarthrose: Sie ist weitaus häufiger – 75 Prozent der Menschen mit Arthrose in der Hüfte fallen in diese Gruppe. Die Hüftarthrose ist bei ihnen als Folge einer Gelenkfehlstellung oder eines Unfalls oder im Rahmen von Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen entstanden.

Arthrose in Finger- und Handgelenken

Eine Arthrose der Finger und der Hand kann sehr schmerzhaft sein. Die Fingerschmerzen entstehen dabei vor allem aufgrund von Kristallablagerungen in den Gelenken (Gicht). Durch Arthrose in den Finger-Endgelenken (sog. Heberden-Arthrose) bilden sich sichtbare Knötchen am Gelenk. Auch die Mittelgelenke der Finger sind häufig von Arthrose betroffen (sog. Bouchard-Arthrose). Eine Arthrose der Finger tritt bei Frauen zehnmal häufiger auf als bei Männern.

Eine Arthrose der Hand muss nicht zwingend von den Fingergelenken herrühren: Die Handwurzel besteht aus mehreren kleinen Knochen. Sie sind untereinander verbunden und bilden gemeinsam mit den Unterarmknochenenden das Handgelenk. Auch hier kann Arthrose entstehen. Arthrose im Handgelenk kann zum Beispiel die Folge von Unfällen sein, bei denen die Handwurzel verletzt wurde.

Bei der Arthrose im Finger- und Handgelenk bilden sich sichtbare Knötchen.

Arthrose in Wirbelgelenken (Spondylarthrose)

Eine Arthrose in Gelenken der Wirbelsäule wird von Medizinern als Spondylarthrose bezeichnet. Wie Arthrose an anderen Gelenken ruft auch die Spondylarthrose Schmerzen hervor, weil sich die Knorpelschicht im Gelenk abnutzt und der schmerzempfindliche Knochen angegriffen wird.

Meist bildet der Knochen als Reaktion auf den Verschleiss kleine Knochenzacken am Gelenkrand, die sogenannten Osteophyten. Bei der Spondylarthrose können diese Osteophyten die Austrittslöcher der Rückenmarksnerven aus dem Wirbelkanal einengen. Dadurch entsteht Druck auf die Nerven – und in der Folge kommt es zu zusätzlichen Schmerzen. Es kann durch die Spondylarthrose dann sogar zu Muskellähmungen oder Gefühlsstörungen (z.B. in den Beinen) kommen.

Eine Arthrose (Gelenkverschleiss) kann verschiedene Ursachen haben. In der Regel entsteht sie durch ein Missverhältnis von Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels, wodurch sich dieser zurückbildet. Dieses Ungleichgewicht kann durch eine erblich bedingte Störung des Knorpels oder durch eine Fehlbelastung entstehen.

So führen beispielsweise eine X-Bein-Stellung (Valgus-Fehlstellung) oder eine leichte Hüftgelenks-Fehlstellung zu einer ungleichmässigen Belastung und damit zu einer Arthrose der entsprechenden Gelenke. Auch zurückliegende Verletzungen, wie Knochenbrüche oder Kapsel-Band-Verletzungen, die zu einer Instabilität des Gelenks führen, sind mögliche Arthrose-Ursachen.

Gelenke wie Knie, Hüfte, Wirbelsäule müssen das Körpergewicht tragen – Übergewicht (Adipositas) kann deshalb zur Entstehung einer Arthrose beitragen. Als weitere Ursachen kommen Gelenkentzündungen oder folgende Stoffwechselstörungen infrage:

 

Die Bluterkrankheit (Hämophilie) kann für eine andere Form der Arthrose ursächlich sein – die hämophile Arthrose. Durch die erhöhte Blutungsneigung kommt es im verletzten Gelenk zu Blutungen und es entsteht das sogenannte Bluterknie.

Eine Arthrose wird durch eine Verletzung beziehungsweise Abnutzung des schützenden Knorpels ausgelöst, bis der Knochen teilweise oder sogar ganz freiliegt. Da der defekte Knorpel den Knochen nicht mehr vor Stössen und grosser Belastung schützt, versucht der Knochen die Überlastung auszugleichen, indem er verstärkt Knochensubstanz bildet. Dadurch kommt es zu Deformierungen und knotigen Verdickungen der betroffenen Gelenke. Knochenausläufer, die um das kranke Gelenk herum entstehen, nennt man Osteophyten.

Gleichzeitig kann abgeriebenes Knorpel- und Knochenmaterial eine Entzündung der umgebenden Gelenkhaut (sog. Detritussynovitis) verursachen. Dadurch sind die Gelenke immer wieder überwärmt und gerötet. Ausserdem kann ein Gelenkerguss (Flüssigkeit im Gelenk) entstehen. Dieses Krankheitsbild nennt man auch aktivierte Arthrose.

Eine Arthrose (Gelenkverschleiss) zeigt sich vor allem durch Symptome wie Gelenkschmerzen und steife Gelenke. Kalte und feuchte Witterung sowie körperliche Belastung verstärken die Schmerzen oft. Vor allem stossartige Bewegungen, wie beim Hinabsteigen einer Treppe, sind bei einer Kniearthrose schmerzhaft. Dagegen bereitet Velofahren meist keine Probleme.

Weitere Arthrose-Symptome sind der sogenannte Anlaufschmerz und eine kurze Morgensteifigkeit der Gelenke. Beim Anlaufschmerz sind die ersten Bewegungen nach längerem Ruhen schmerzhaft, nach einigen Metern lässt der Schmerz aber nach. Die Arthrose unterscheidet sich daher von den entzündlichen Erkrankungen der Gelenke, welche sich vorwiegend durch morgendliche Schmerzen äussern. Auch die Morgensteifigkeit der Gelenke kommt bei der Arthrose nur kurz vor (unter einer halben Stunde), bis sich die Gelenke «warmgelaufen» haben. Bei entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis dauert sie oft über Stunden an.

Bei fortgeschrittener Arthrose treten Symptome durch den Knorpelabrieb auf: Das Gelenk ist gereizt und deshalb oft geschwollen, vermehrt mit Flüssigkeit gefüllt und kann sich verformen.

Bei einer Arthrose (Gelenkverschleiss) stellt der Arzt die Diagnose meist schon anhand der typischen Beschwerden sowie der von aussen erkennbaren Eigenschaften der Gelenke.

In einer körperlichen Untersuchung beurteilt der Arzt:

  • Bewegungsumfang und -schmerz
  • Bandstabilität
  • Schwellungen
  • Hautveränderungen
  • druckschmerzhafte Punkte

Bei Schäden der Knie- und Hüftgelenke sind Auffälligkeiten im Gangbild zu erkennen.

Röntgenuntersuchungen

Das Röntgen ist die wichtigste Untersuchung, um beim Verdacht auf eine Arthrose die Diagnose zu sichern. Typische im Röntgenbild erkennbare Veränderungen sind zum Beispiel:

  • Der Gelenkspalt ist enger geworden.
  • Der Knochen hat teilweise stierhornartige Ausläufer gebildet (Osteophyten).
  • Unter dem Knorpel ist der Knochen verdichtet (subchrondrale Sklerosierung).
  • Im unter dem Knorpel liegenden Knochen sind Schäden erkennbar (Geröllzysten).

Neben der Röntgenuntersuchung führt der Arzt bei manchen Arthrose-Patienten weitere Diagnose-Verfahren durch:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Computertomographie (CT)
  • Szintigraphie
  • Gelenkpunktion mit Untersuchung der Gelenkflüssigkeit (Synoviaanalyse)

Blutuntersuchungen

Es gibt keine typischen Laborbefunde, die für eine Arthrose sprechen. Blutuntersuchungen sind dennoch sinnvoll, um zum Beispiel festzustellen, ob eine sogenannte aktivierte Arthrose vorliegt. Es handelt sich dabei um ein entzündliches Aufflammen einer bestehenden Arthrose – folglich können dann bestimmte Entzündungswerte im Blut erhöht sein, zum Beispiel die Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Ziel der Arthrose-Therapie ist es, den Schmerz im Gelenk zu lindern und dadurch den Betroffenen wieder beweglicher und leistungsfähiger zu machen. Das soll die Lebensqualität steigern und den fortschreitenden Gelenkverschleiss verzögern.

In der Regel erfolgt zuerst eine konservative Behandlung der Arthrose. Dazu zählen die physikalische und die orthopädische Therapie sowie bei vorhandenem Übergewicht Massnahmen zur Gewichtsreduktion. Zeigt eine konservative Therapie keinen Erfolg oder ist der Schaden am Gelenk so gross, dass andere Massnahmen nicht mehr helfen, können operative Massnahmen erwogen werden. Am häufigsten kommen hierbei ein künstliches Gelenk (TEP) oder eine Gelenkversteifung (Arthrodese) zum Einsatz.

Konservative Therapie

Beratung

Erster Schritt der Arthrose-Therapie ist eine ausführliche Beratung über

  • den natürlichen Verlauf der Krankheit
  • das alltägliche Verhalten
  • körperliche Belastung in Beruf und Sport
  • den Einfluss von Übergewicht
  • die Folgen von Bewegungsmangel
  • regelmässige Übungen, um schwache Muskeln zu kräftigen
  • gezielte gelenkschonende Massnahmen wie eine Knieschule

Medikamente

Bei einer Arthrose können Medikamente Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen. Zur Therapie stehen hierfür unterschiedliche Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

  • Schmerzmittel (Analgetika), z.B. mit dem Wirkstoff Paracetamol
  • kortisonfreie Entzündungshemmer (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR), in Form von Tabletten oder als Salbe / Gel, z.B. mit den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen
  • Gelenkinjektionen und Spülung des Gelenks mit Kortisonpräparaten in entzündlichen Phasen oder mit lokalen Betäubungsmitteln als akute Schmerztherapie
  • Chondroitin, Glucosamin: Die Wirkstoffe Chondroitin und Glucosamin sollen angeblich die Eigenschaften des Knorpels verbessern und schmerz- und entzündungshemmend wirken. Die Ergebnisse verschiedener Studien hierzu sind jedoch widersprüchlich.
  • Hyaluronsäure: Hyaluronsäure ist ein wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und notwendig, damit die Gelenke reibungslos funktionieren. Spritzt (injiziert) man Hyaluronsäure ins Gelenk, kann sich dies positiv auf die Gelenkfunktion auswirken und Schmerzen lindern. Allerdings kann sich die Wirkung der Hyaluronsäure-Injektion je nach Präparat unterscheiden. Man nimmt an, dass jene Präparate den besten Effekt haben, deren Molekulargewicht dem der körpereigenen Hyaluronsäure am ähnlichsten ist. Ob dies tatsächlich so ist und wie sich eine Therapie mit Hyaluronsäure langfristig auswirkt, muss durch weitere Studien näher beleuchtet werden. Hyaluronsäure gibt es auch in Tablettenform. Bisherigen Studien zufolge wirken diese jedoch nicht besser als ein Scheinmedikament (Placebo).

Artikel: Nur Chemie fürs Knie?

Frage von Bernd H.: Ich bin 56 und leide unter Kniearthrose, möchte aber möglichst wenig Schmerzmittel einnehmen. Gibt es da Möglichkeiten?

zum Artikel

In der Regel erfolgt zuerst eine konservative Behandlung der Arthrose. Dazu zählen die physikalische und die orthopädische Therapie sowie bei vorhandenem Übergewicht Massnahmen zur Gewichtsreduktion.

Physikalische Therapie

Verschiedene Arten der physikalischen Therapie können die Beschwerden einer Arthrose lindern. Dazu gehören:

  • Krankengymnastik (Physiotherapie)
  • Wärmebehandlung (im nicht-akuten Stadium) und Kältebehandlung (im akuten Stadium)
  • Muskelkräftigung und -dehnung, gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen und Radfahren
  • Wasser- und Bädertherapie
  • Elektrotherapie und Ultraschall

Orthopädische Therapie

Bei Arthrose im Knie oder in der Hüfte sind mehrere orthopädische Therapie-Massnahmen möglich, wie zum Beispiel:

  • Pufferabsätze, Schuhaussen- beziehungsweise -innenranderhöhung
  • Handstock oder Unterarmgehstützen
  • Fersenkissen
  • Bandagen
  • Keilkissen, Sitzerhöhungen

Gelenkersatz (TEP)

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose (Gelenkverschleiss) ist die endgültige Therapie oft der künstliche Gelenkersatz (Totalendoprothese, TEP). Am häufigsten wird das Hüftgelenk und am zweithäufigsten das Kniegelenk ersetzt. Aber auch bei den meisten anderen Gelenken kann man eine Endoprothese einsetzen.

Künstliche Gelenke halten abhängig vom Material durchschnittlich etwa 15 bis 20 Jahre. Danach ist es möglich, das alte künstliche Gelenk gegen eine neue Endoprothese auszutauschen. Oft hält dieses zweite Ersatzgelenk jedoch nicht mehr so lange wie das erste – und ein erneuter Austausch kann schwierig oder gar unmöglich sein. Daher wird besonders bei jüngeren Menschen der Zeitpunkt der Operation so lange wie möglich aufgeschoben. Die behandelnden Ärzte versuchen dann, die Symptome der Arthrose zunächst mit nicht-operativen Massnahmen zu lindern. Sie sprechen dann von einer konservativen Therapie.

Arthrodese (Gelenkversteifung)

Ist eine Arthrose weit fortgeschritten und das instabile Gelenk operativ nicht mehr zu behandeln, wird eine Arthrodese (Gelenkversteifung) durchgeführt. In einer Operation verbindet der Arzt dabei die Knochen mit Schrauben und Metallplatten untereinander, so dass im erkrankten Gelenk keine Bewegung mehr möglich ist. Ziel der Arthrodese ist es, eine schmerzfreie Belastung zu ermöglichen. Die Patienten müssen allerdings in Kauf nehmen, dass sie das Gelenk nach dem Eingriff nur noch eingeschränkt bewegen können. Eine Arthrodese erfolgt in der Regel nur, wenn anderen Therapieversuche keinen Erfolg bringen.

Arthroskopie

Bei einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) kann man das Gelenk ausspülen (Lavage) und eventuell durch Abrieb entstandene Knochen- und Knorpelpartikel entfernen. Gleichzeitig lassen sich dabei raue Gelenkflächen glätten und neu gebildete Knochenvorsprünge abtragen. Eine neuere Studie stellt den Sinn dieser Methode jedoch in Frage: Die Ergebnisse lassen darauf schliessen, das jedenfalls im Falle einer Gonarthrose (Kniearthrose) eine Arthroskopie keine Vorteile gegenüber einer konservativen Behandlung bringt.

Osteotomie

Eine Osteotomie ist eine Operation, mit der sich die Position jener Knochen korrigieren lässt, die zu einer Arthrose führen. Hierzu durchtrennt der Chirurg in der Nähe des Gelenks Knochen und fügt sie wieder fest zusammen. Dies gleicht zum Beispiel Fehlstellungen wie die sogenannten X-Beine aus. Eine Osteotomie ist vor allem bei einer Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk sinnvoll.

Knorpelersatztechniken

Bei Arthrose (Gelenkverschleiss) stehen verschiedene Arten von Knorpelersatztechniken zur Verfügung: Dabei soll gesunder Knorpel den abgenutzten Knorpel im Gelenk «ersetzen».

Bei sehr tiefen und grossflächigen Knorpelschäden zeigen diese Methoden jedoch keinen Erfolg. Sie kommen in der Praxis vor allem bei kleineren Knorpelschäden, etwa als Folge von Unfällen zum Einsatz. Zur Behandlung einer Arthrose sind sie eher weniger gebräuchlich. Wenn, sind mit diesen Methoden vor allem beginnende Arthrosen behandelbar.

Mikrofrakturierung

Die sogenannte Mikrofrakturierung soll das Gelenk anregen, selbst neuen Knorpel zu bilden. Dazu trägt der Arzt im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) den geschädigten Gelenkknorpel bis an die Grenzschicht zum Knochen ab. Anschliessend bohrt er in einem regelmässigen Abstand zirka drei Millimeter tiefe Löcher – der Arzt erzeugt also künstliche Defekte. Aus diesen Bohrlöchern tritt zunächst ein Blutpfropf (sog. Blutkoagel) aus, welcher Zellen enthält, aus denen sich neuer Knorpel über die Gelenkfläche hinweg entwickeln kann. Um den neu entstehenden Knorpel zu schützen, müssen Betroffene das Gelenk für mindestens sechs Wochen entlasten. Falls sie zur Behandlung einer Arthrose erwogen wird, eignet sich die Mikrofrakturierung vor allem für eine beginnende Arthrose.

Abrasions-Arthroplastik

Bei einer Arthrose im Knie kann die sogenannte Abrasions-Arthroplastik zum Einsatz kommen. Hierbei fräst der Arzt zunächst mithilfe einer Arthroskopie die oberste Knochenschicht am Gelenk an. Es entstehen Blutungen aus dem intakten Knochen heraus, welche die körpereigenen Reparaturvorgänge anregen. Durch die Stimulation des Knochenmarks entsteht neuer Faserknorpel. Nach etwa vier Wochen hat sich auf diese Weise ein neuer Gelenküberzug gebildet, der aber weniger belastbar ist als der ursprüngliche Knorpel.

Pridie-Bohrung

Die Pridie-Bohrung ist der Abrasions-Arthroplastik sehr ähnlich. Um die Arthrose zu behandeln, setzt der Arzt am Knochen unter dem schadhaften Knorpel punktförmige Verletzungen und regt so die Bildung von Faserknorpel an.

Karbonfaserstift-Implantation

Die Implantation von Karbonfaserstiften dient der Behandlung einer Kniearthrose. Hierbei bohrt der Chirurg feine Kanäle in den geschädigten Gelenkbereich und setzt dort Stifte aus Kohlefaser (Karbonfaser) ein. Die Karbonfaserstifte regen das Wachstum von Bindegewebszellen in der Tiefe an, sodass sich nach einiger Zeit am Fasergerüst des Stifts eine neue Knorpeloberfläche bildet.

Mosaikplastik

Bei der Mosaikplastik entnimmt der Arzt zunächst unbeschädigten Knorpel an einer Stelle, an der er normalerweise nicht gebraucht wird (etwa am Rand des Oberschenkelknorpels). Dieser wird dann bei Arthrose als Ersatz für zerstörten Knorpel in das betroffene Gelenk eingesetzt. Die Knorpelstücke haben eine Zylinderform und bis zu einem Zentimeter Durchmesser. Stück für Stück – mosaikartig – lassen sich so kleinere Defekte des Gelenkknorpels behandeln. In der Regel kommt diese Methode vor allem bei Knorpelschäden infolge von Unfällen zum Einsatz, zur Therapie einer Arthrose dagegen nur in Einzelfällen.

Körpereigene Knorpelzellen-Transplantation

Bei der körpereigenen Knorpelzellen-Transplantation (autologe Chondrozyten-Transplantation, ACT) «spendet» sich der Betroffene selbst intakten Knorpel. Hierfür entnimmt der Arzt zunächst in einem operativen Eingriff Knorpelzellen an einer intakten Stelle. Über einen Zeitraum von sechs Wochen werden diese Zellen in einem Labor in einer Nährlösung vermehrt und im zweiten operativen Schritt in das geschädigte Gelenk transplantiert.

Um den gezüchteten Knorpel im Gelenk platzieren zu können, näht der Chirurg zunächst eine Kollagen-Membran (Kollagen-Matrix) oder (seltener) ein vom Unterschenkel entnommenes Knochenhautstück (Periost-Lappen) in den defekten Bereich ein. Unter diese Schutzhaut spritzt er anschliessend die Zellen ein. Diese beginnen dann neuen Gelenkknorpel zu bilden.

Alternativ kann man die Knorpelzellen schon im Labor auf die Kollagen-Membran auftragen und vermehren und diese später einnähen. Ein Periost-Lappen muss dann nicht entnommen werden. Auch das Auffüllen des Defekts mithilfe auf einer Kollagen- oder Fibrin-Matrix gezüchteter Knorpelzellen (ohne Einnähen) ist möglich.

Die Transplantation körpereigener Knorpelzellen ist vor allem für Patienten unter 65 Jahren geeignet oder für die Behandlung einer Arthrose, die noch nicht so weit fortgeschritten ist. In der Praxis wird diese Methode jedoch hauptsächlich bei kleineren Knorpelschäden (etwa als Folge eines Unfalls) eingesetzt. Wie sich eine Knorpelzellen-Transplantation auf lange Sicht bei Arthrose-Patienten auswirkt, muss sich erst noch durch Studien erweisen.

Arthrose und Ernährung

Es gibt keine spezielle Arthrose-Ernährung im eigentlichen Sinn, die helfen kann, die Beschwerden zu lindern. Ist Übergewicht die Ursache der Arthrose (Gelenkverschleiss), können Sie dieses jedoch über eine Umstellung der Ernährung verringern und dadurch auch das Beschwerdenbild verbessern. Zu empfehlen ist hierfür eine kalorienreduzierte ausgewogene Mischkost, die alle lebensnotwendigen Nährstoffe enthält. Dies beeinflusst auch die Stoffwechselprozesse im Gelenk positiv.

Inwiefern bei einer Arthrose einzelne Nährstoffe in der individuellen Ernährung das Krankheitsbild beeinflussen, wird immer noch diskutiert. Möglicherweise Einfluss sollen zum Beispiel folgende Nährstoffe beziehungsweise Nährstoffgruppen haben:

  • Antioxidantien
  • Vitamin D
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren (wie Omega-3-Fettsäuren)

Da die Ursachen einer Arthrose (Gelenkverschleiß) vielfältig sind, lässt sich über den Verlauf ohne Behandlung keine exakte Prognose geben. Das Fortschreiten ist somit individuell unterschiedlich – grundsätzlich nehmen die Beschwerden unbehandelt jedoch mit Dauer der Arthrose zu.

Eine Arthrose beginnt oft schleichend – rechtzeitig erkannt, kann eine Therapie die Erkrankung positiv beeinflussen. Eine Heilung der Arthrose im eigentlichen Sinne ist bislang nicht möglich. Die Beschwerden einer Arthrose können aber zum Beispiel folgende Maßnahmen lindern:

  • Medikamente
  • Krankengymnastik
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung)
  • Operation

Eine Osteotomie kann je nach Krankheitsstadium, Instabilität der Bänder und dem Alter des Betroffenen die natürliche Knorpelabnutzung verzögern.

Sie können einer Arthrose (Gelenkverschleiss) durch gezieltes Muskeltraining und regelmässige Bewegung vorbeugen. Dies wirkt sich gleich doppelt positiv auf die Gelenke aus: Sport stärkt zum einen die Muskulatur, hilft Ihnen zum anderen aber auch dabei, überflüssige Pfunde loszuwerden, die die Gelenke belasten können. Sie sollten allerdings generell darauf achten, sich nicht zu überlasten und – besonders wenn Sie schon an einer leichten Arthrose leiden – gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Velofahren wählen.

Eine Gelenkfehlstellung bei Neugeborenen (z.B. Hüftdysplasie) lässt sich leicht durch eine Ultraschalluntersuchung erkennen und so frühzeitig behandeln, damit sie nicht zu einer Arthrose führt.