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Veröffentlicht am 29.09.2021

1. Überblick

Arthrose (Gelenkverschleiss) entwickelt sich schleichend – und trifft nicht nur ältere Menschen. Typisch für eine beginnende Arthrose sind Gelenkschmerzen.

Bei Arthrose kommt es zu einem Schaden am Gelenkknorpel – Ursachen sind häufig eine starke Belastung des Gelenks, aber auch Bewegungsmangel. Ebenso können Verletzungen oder angeborene Gelenkfehlstellungen einen vermehrten Gelenkverschleiss bewirken.

Oft betrifft die Arthrose das Hüftgelenk oder das Kniegelenk. Sie beginnt damit, dass sich der Gelenkknorpel langsam, aber fortlaufend abbaut. Hinzu treten Umbauprozesse im angrenzenden Knochen. Unbehandelt führt die Erkrankung im Spätstadium zu einer beschädigten oder zerstörten Gelenkfläche.

Durch den Gelenkverschleiss kommt es zu Gelenkschmerzen. Zudem können sich die Gelenke im weiteren Verlauf versteifen und verformen. Unter bestimmten Bedingungen verstärken sich die Schmerzen, etwa bei kühlem und feuchtem Wetter sowie bei bestimmten körperlichen Belastungen (z.B. bei stossartigen Bewegungen wie beim Hinabsteigen einer Treppe). Typisch für eine Arthrose ist auch der sogenannte Anlaufschmerz, der nach längerem Ruhen bei Bewegungen auftritt, aber rasch nachlässt. Zudem fühlen sich die Gelenke in der ersten halben Stunde nach dem Aufstehen oft steif an.

Um eine Arthrose festzustellen, fragt der Arzt den Betroffenen nach seinen Beschwerden. Nach der Befragung untersucht der Arzt den Arthrose-Patienten. Bei dieser körperlichen Untersuchung kann der Arzt zum Beispiel feststellen, ob das Gelenk sich normal und schmerzfrei bewegen lässt.

Ausserdem wichtig: Mithilfe eines Röntgenbildes lässt sich das Ausmass des Gelenkverschleisses gut beurteilen. Das Röntgen zählt daher zu den Standarduntersuchungen bei Verdacht auf eine Arthrose.

Erfolgt eine geeignete Therapie früh genug, kann dies Schmerzen lindern. Bessern nicht-operative (konservative) Therapien die Schmerzen nicht, oder ist der Schaden am Gelenk weit fortgeschritten, kann ein operativer Eingriff nötig sein. Typische Beispiele sind ein künstliches Kniegelenk oder ein künstliches Hüftgelenk, meist in Form einer sogenannten Totalendoprothese (TEP), bei der der Operateur das gesamte Gelenk durch ein künstliches ersetzt.

Eine ältere Frau sitzt auf dem Bett und hält sich das Knie.

Typisch für eine Arthrose ist der Anlaufschmerz: Nach längerem Ruhen sind die ersten Bewegungen schmerzhaft, dies lässt rasch wieder nach.

Quelle: Getty Images

2. Definition von Arthrose

Als Arthrose (Gelenkverschleiss) bezeichnet man den fortschreitenden, altersbedingten Knorpelabrieb in den Gelenken.

Die Arthrose beginnt mit einem Abbau des Gelenkknorpels. Im Anschluss kommt es zu Umbauprozessen im angrenzenden Knochen und zur Zerstörung der Gelenkfläche. Wenn sich Gewebe im Körper mit der Zeit immer weiter abnutzen oder zurückbilden, verwenden Mediziner dafür oft den Begriff «Degeneration». Die Arthrose zählt daher zu den degenerativen Gelenkerkrankungen.

Grundsätzlich kann eine Arthrose an jedem Gelenk entstehen. Am häufigsten tritt sie an Gelenken auf, die durch das Körperwicht besonders belastet werden. Hierzu gehören:

  • Knie – die Arthrose im Knie heisst Gonarthrose
  • Hüfte – die Arthrose im Hüftgelenk heisst Coxarthrose

Weitere häufig von Arthrose betroffene Gelenke sind die kleinen Wirbelsäulengelenke (Spondylarthrose), das Grosszehengrundgelenk (Halux rigidus) und die Gelenke an den Händen, insbesondere die:

  • Fingerendgelenke (Heberden-Arthrose),
  • Mittelgelenke (Bouchard-Arthrose) und
  • das Daumensattelgelenk (Rhizarthrose).

Synovia (Gelenkschmiere)

Im gesunden Gelenk sorgt die Synovia dafür, dass bei Bewegungen möglichst wenig Reibung entsteht und Stösse gedämpft werden. Ausserdem versorgt die klare Flüssigkeit den Gelenkknorpel mit Nährstoffen wie Glukose oder Aminosäuren. Aber auch Abfallprodukte werden mit ihrer Hilfe entsorgt.

Wichtigster und mengenmässig grösster Bestandteil der Gelenkschmiere ist die Hyaluronsäure. In Ruhe ist die Konsistenz der Synovia eher zäh, bei Bewegung wird sie deutlich dünnflüssiger. Die sogenannten viskoelastischen Eigenschaften der Gelenkschmiere hängen auch mit dem Molekulargewicht der körpereigenen Hyaluronsäure zusammen. Dabei gilt: Je höher das Molekulargewicht, desto ausgeprägter sind die viskoelastischen Eigenschaften der Synovia. Verändert sich die Zusammensetzung der Synovia – sinkt also zum Beispiel das Molekulargewicht der Hyaluronsäure oder deren Konzentration – hat dies nachteilige Auswirkungen: Ihre Funktion als Stossdämpfer und Reibungsschutz lässt nach. Das kann den Gelenkknorpel auf Dauer angreifen.

Zwar kann übermässige Bewegung dem Gelenk schaden – damit ein Gelenk gut funktioniert, muss es dennoch regelmässig bewegt werden. Denn nur dann wird der Gelenkknorpel ausreichend über die Gelenkschmiere mit Nährstoffen versorgt. Ein dauerhafter Bewegungsmangel kann sich dagegen ungünstig auf die Struktur des Gelenkknorpels auswirken.

Häufigkeit

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, eine Arthrose (Gelenkverschleiss) zu bekommen. Etwa neun Prozent der 20-Jährigen leiden unter einer Arthrose, bei den 34-Jährigen zeigen etwa 17 Prozent Anzeichen von Arthrose und bei den über 95-Jährigen haben mehr als 90 Prozent arthrotische Veränderungen. Frauen sind häufiger von einer Arthrose betroffen als Männer.

Ab dem 60. Lebensjahr lassen sich bei etwa 20 Prozent Anzeichen einer Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk nachweisen. Allerdings gehen solche sichtbaren Anzeichen für Gelenkverschleiss nicht zwangsläufig mit Schmerzen einher. Nur bei etwa jedem Zweiten treten auch Beschwerden auf.

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3. Ursachen von Arthrose

Eine Arthrose (Gelenkverschleiss) kann verschiedene Ursachen haben. Einer neueren Theorie zufolge spielt möglicherweise nicht nur der mechanische Abrieb im Laufe der Jahre eine Rolle. Manche Wissenschaftler nehmen an, dass auch fehlgesteuerte Knorpelzellen (Chondrozyten) zur Arthrose beitragen könnten. Diese Fehlsteuerung hat unter Umständen zur Folge, dass Knorpelgewebe in den Gelenken abgebaut wird.

Wird der schützende Knorpel verletzt oder nutzt sich solange ab bis der Knochen teilweise oder sogar ganz freiliegt, löst dies eine Arthrose aus. Der defekte Knorpel kann den Knochen nicht mehr vor Stössen und grosser Belastung schützen. Um die Überlastung auszugleichen, beginnt der Knochen, mehr Knochensubstanz zu bilden. Dadurch verformen sich die betroffenen Gelenke und verdicken sich knotig. Knochenausläufer, die um das kranke Gelenk herum entstehen, nennen Mediziner Osteophyten.

Das abgeriebene Knorpel- und Knochenmaterial kann eine Entzündung der umgebenden Gelenkhaut (sog. Detritussynovitis) verursachen. Dabei überwärmen sich die Gelenke immer wieder und röten sich. Ausserdem kann ein Gelenkerguss (Flüssigkeit im Gelenk) entstehen. Dieses Krankheitsbild nennt man auch aktivierte Arthrose.

Risikofaktoren

Neben dem Alter gibt es weitere Faktoren, die das Risiko für eine Arthrose erhöhen:

  • Geschlecht: Frauen erkranken häufiger an Arthrose.
  • Übergewicht: Gelenke wie Knie, Hüfte und Wirbelgelenke müssen das Körpergewicht aushalten. Starkes Übergewicht (Adipositas) kann deshalb zur Entstehung einer Arthrose beitragen. Dazu kommt, dass die Zellen des Fettgewebes Botenstoffe abgeben, die entzündliche Prozesse im Gelenk fördern.
  • Verletzungen: Zurückliegende Verletzungen, die zu einer Instabilität des Gelenks führen, können zu einer Arthrose beitragen. Beispiele für solche Verletzungen sind Knochenbrüche oder Kapsel-Band-Verletzungen.
  • Gelenkbelastung durch Beruf oder Sport: Bei manchen Berufen oder Sportarten kommt es zu einer starken Belastung bestimmter Gelenke. Wer zum Beispiel ständig schwer heben oder tragen muss beziehungsweise sich häufig hinhockt oder hinkniet, entwickelt möglicherweise eher eine Arthrose.
  • Erbliche Einflüsse: Man nimmt an, dass manche Menschen eine erbliche Vorbelastung für Arthrose haben.
  • Gelenkfehlstellungen: Eine Gelenkfehlstellung wie die X-Bein-Stellung (Valgus-Fehlstellung) oder eine leichte Hüftgelenks-Fehlstellung führen zu einer ungleichmäßigen Belastung. Als Folge kann es zur Arthrose der jeweiligen Gelenke kommen.

4. Symptome von Arthrose

Eine Arthrose (Gelenkverschleiss) zeigt sich vor allem durch Symptome wie den sogenannten Anlaufschmerz und eine kurze Morgensteifigkeit der Gelenke. Beim Anlaufschmerz sind die ersten Bewegungen nach längerem Ruhen schmerzhaft, nach einigen Metern lässt der Schmerz aber nach. Die Arthrose unterscheidet sich daher von den entzündlichen Erkrankungen der Gelenke, welche sich vorwiegend durch morgendliche Schmerzen äussern. Auch die Morgensteifigkeit der Gelenke kommt bei der Arthrose nur kurz vor (unter einer halben Stunde), bis sich die Gelenke «warmgelaufen» haben. Bei entzündlichen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis dauert sie hingegen oft über Stunden an.

Daneben kann sich eine Arthrose durch verschiedene weitere Symptome bemerkbar machen:

  • Das betroffene Gelenk schmerzt, wenn man leichten Drucken darauf ausübt.
  • Das Gelenk ist nicht mehr so beweglich wie früher. Manche Bewegungsabläufe lassen sich dadurch nicht vollständig ausführen.
  • Während man das Gelenk bewegt, ist eine Art Reiben oder Knirschen zu spüren.
  • Das Gelenk wirkt leicht geschwollen beziehungsweise «knubbeliger» als gewohnt.

Die Arthrose-Symptome können sich phasenweise bessern oder verschlimmern, manchmal im Zusammenhang mit äusseren Umständen. Kalte und feuchte Witterung sowie körperliche Belastung verstärken die Schmerzen oft. Vor allem stossartige Bewegungen, wie beim Hinabsteigen einer Treppe, sind bei einer Kniearthrose schmerzhaft. Dagegen bereitet Velofahren meist keine Probleme.

5. Diagnose von Arthrose

Bei einer Arthrose (Gelenkverschleiss) stellt der Arzt die Diagnose meist schon anhand der typischen Beschwerden sowie der von aussen erkennbaren Eigenschaften der Gelenke.

In einer körperlichen Untersuchung beurteilt der Arzt zudem:

  • Bewegungsumfang und -schmerz
  • Bandstabilität
  • Schwellungen
  • Hautveränderungen (z.B. Rötung)
  • druckschmerzhafte Punkte

Bei Schäden der Knie- und Hüftgelenke sind Auffälligkeiten im Gangbild zu erkennen.

Röntgenuntersuchungen

Das Röntgen ist die wichtigste Untersuchung, um beim Verdacht auf eine Arthrose die Diagnose zu sichern. Typische im Röntgenbild erkennbare Veränderungen sind zum Beispiel:

  • Der Gelenkspalt ist enger geworden.
  • Der Knochen hat teilweise stierhornartige Ausläufer gebildet (Osteophyten).
  • Unter dem Knorpel ist der Knochen verdichtet (subchrondrale Sklerosierung).
  • Im unter dem Knorpel liegenden Knochen sind Schäden erkennbar (Geröllzysten).

Neben der Röntgenuntersuchung führt die Ärztin bei manchen Arthrose-Patienten weitere Diagnose-Verfahren durch:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Computertomographie (CT)
  • Szintigraphie
  • Gelenkpunktion mit Untersuchung der Gelenkflüssigkeit (Synoviaanalyse)

Blutuntersuchungen

Es gibt keine typischen Laborbefunde, die für eine Arthrose sprechen. Blutuntersuchungen sind dennoch sinnvoll, um die Diagnose von anderen Gelenkerkrankungen wie einer rheumatoiden Arthritis oder Gicht abzugrenzen. Ausserdem lässt sich so feststellen, ob eine sogenannte aktivierte Arthrose vorliegt. Es handelt sich dabei um ein entzündliches Aufflammen einer bestehenden Arthrose – folglich können dann bestimmte Entzündungswerte im Blut erhöht sein, zum Beispiel die Blutsenkungsgeschwindigkeit.

6. Therapie von Arthrose

Eine Heilung der Arthrose im eigentlichen Sinne ist bislang nicht möglich. Ziel der Arthrose-Therapie ist es, den Schmerz im Gelenk zu lindern und dadurch den Betroffenen wieder beweglicher und leistungsfähiger zu machen. Das soll die Lebensqualität steigern und den fortschreitenden Gelenkverschleiss verlangsamen.

In der Regel erfolgt zuerst eine konservative Behandlung der Arthrose. Dazu zählen physiotherapeutische Massnahmen und orthopädische Hilfsmittel, verschiedene Medikamente sowie bei vorhandenem Übergewicht Massnahmen zur Gewichtsreduktion. Zeigt eine konservative Therapie keinen Erfolg oder ist der Schaden am Gelenk so gross, dass andere Massnahmen nicht mehr helfen, können operative Massnahmen erwogen werden. Am häufigsten kommen hierbei ein künstliches Gelenk (TEP) oder eine Gelenkversteifung (Arthrodese) zum Einsatz.

Konservative Therapie

Beratung

Erster Schritt der Arthrose-Therapie ist eine ausführliche Beratung über

  • den natürlichen Verlauf der Krankheit
  • das alltägliche Verhalten
  • körperliche Belastung in Beruf und Sport
  • den Einfluss von Übergewicht
  • die Folgen von Bewegungsmangel
  • regelmässige Übungen, um schwache Muskeln zu kräftigen
  • gezielte gelenkschonende Massnahmen wie eine Knieschule

Medikamente

Bei einer Arthrose können Medikamente Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen. Zur Therapie stehen hierfür unterschiedliche Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen zur Verfügung:

  • Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung: Ob in Form von Tabletten, als Salbe oder als Gel – Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. die Wirkstoffe Diclofenac oder Ibuprofen) können die Gelenkschmerzen bei Arthrose lindern.
  • Gelenkinjektionen und Spülung des Gelenks: Diese Massnahmen kommen als akute Schmerztherapie infrage, zum Beispiel mit Kortisonpräparaten in entzündlichen Phasen oder mit lokalen Betäubungsmitteln. Auf diese Weise kann der Arzt die Beschwerden für bis zu vier Wochen lindern. Die Kortison-Injektionen sollten allerdings nicht öfter als viermal im Jahr erfolgen. Denn es ist unklar, ob die Behandlung den Knorpel auf Dauer nicht sogar zusätzlich schädigt.
  • Chondroitin, Glucosamin: Die Wirkstoffe Chondroitin und Glucosamin sollen angeblich die Eigenschaften des Knorpels verbessern und ausserdem schmerz- und entzündungshemmend wirken. Der Einsatz ist jedoch umstritten, da die Studienergebnisse zur Wirksamkeit widersprüchlich sind.
  • Hyaluronsäure: Hyaluronsäure ist ein wichtiger Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und notwendig, damit die Gelenke reibungslos funktionieren. Spritzt die Ärztin Hyaluronsäure ins Gelenk, kann sich dies positiv auf die Gelenkfunktion auswirken und Schmerzen lindern. Allerdings kann sich die Wirkung der Hyaluronsäure-Injektion unterscheiden, je nachdem welches Präparat die Ärztin wählt. Den besten Effekt haben wahrscheinlich Präparate, bei denen das Molekulargewicht der enthaltenen Hyaluronsäure dem der körpereigenen Hyaluronsäure am ähnlichsten ist. Ob dies tatsächlich so ist und wie sich eine Therapie mit Hyaluronsäure langfristig auswirkt, muss jedoch erst durch weitere Studien näher belegt werden.
    Hyaluronsäure gibt es auch in Tablettenform. Bisherigen Studien zufolge wirken die Tabletten jedoch nicht besser als ein Scheinmedikament (Placebo).
Quelle: Thinkstock Kollektion

Physiotherapeutische Behandlung

Bei Arthrose können zudem verschiedene Formen der physiotherapeutischen Behandlung die Beschwerden lindern. Dazu gehören:

  • Krankengymnastik
  • Manuelle Therapie
  • Wärmebehandlung (im nicht-akuten Stadium)
  • Kältebehandlung (im akuten Stadium)
  • gelenkschonende Sportarten wie (Nordic) Walking, Schwimmen und Radfahren
  • Wasser- und Bädertherapie
  • Elektrotherapie
  • Ultraschallbehandlung

Orthopädische Hilfsmittel

Bei Arthrose im Knie oder in der Hüfte sind mehrere orthopädische Therapie-Massnahmen möglich, wie zum Beispiel:

  • Pufferabsätze, Schuhaussen- beziehungsweise -innenranderhöhung
  • Handstock oder Unterarmgehstützen
  • Fersenkissen
  • Bandagen
  • Keilkissen, Sitzerhöhungen

Gelenkersatz (TEP)

Bei einer fortgeschrittenen Arthrose (Gelenkverschleiss) ist die endgültige Therapie oft der künstliche Gelenkersatz (Totalendoprothese, TEP). Am häufigsten wird das Hüftgelenk oder das Kniegelenk ersetzt. Aber auch bei den meisten anderen Gelenken kann man eine Endoprothese einsetzen.

Künstliche Gelenke halten abhängig vom Material durchschnittlich etwa 10 bis 15 Jahre. Danach ist es möglich, das alte künstliche Gelenk gegen eine neue Endoprothese auszutauschen. Oft hält dieses zweite Ersatzgelenk jedoch nicht mehr so lange wie das erste – und ein erneuter Austausch kann schwierig oder gar unmöglich sein. Daher wird besonders bei jüngeren Menschen der Zeitpunkt der Operation so lange wie möglich aufgeschoben. Die behandelnden Ärzte versuchen dann, die Symptome der Arthrose zunächst mit nicht-operativen Massnahmen zu lindern.

Arthrodese (Gelenkversteifung)

Ist eine Arthrose weit fortgeschritten und das instabile Gelenk operativ nicht mehr zu behandeln, wird eine Arthrodese (Gelenkversteifung) durchgeführt. In einer Operation verbindet der Arzt dabei die Knochen mit Schrauben und Metallplatten untereinander, so dass im erkrankten Gelenk keine Bewegung mehr möglich ist.

Ziel der Arthrodese ist es, eine schmerzfreie Belastung zu ermöglichen. Die Patienten müssen allerdings in Kauf nehmen, dass sie das Gelenk nach dem Eingriff nur noch eingeschränkt bewegen können.

Eine Arthrodese erfolgt in der Regel nur, wenn anderen Therapieversuche keinen Erfolg bringen. Dank der Fortschritte in der Gelenkersatz-Therapie ist die Arthrodese selten geworden. Sie wird eher bei kleineren Gelenken, zum Beispiel dem oberen oder unteren Sprunggelenk, angewendet.

Arthroskopie

Bei einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) kann man das Gelenk ausspülen (Lavage) und eventuell durch Abrieb entstandene Knochen- und Knorpelpartikel entfernen. Gleichzeitig lassen sich dabei raue Gelenkflächen glätten und neu gebildete Knochenvorsprünge abtragen. Eine Auswertung mehrerer Studien kommt zu dem Schluss, dass im Falle einer Kniearthrose (Gonarthrose) eine Arthroskopie keinen Nutzen bringt.

Osteotomie

Eine Osteotomie ist eine Operation, mit der sich die Position jener Knochen korrigieren lässt, die zu einer Arthrose führen. Hierzu durchtrennt der Chirurg in der Nähe des Gelenks Knochen und fügt sie wieder fest zusammen. Dies gleicht zum Beispiel Fehlstellungen wie die sogenannten X-Beine aus. Eine Osteotomie ist vor allem bei einer Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk sinnvoll.

Knorpelersatztechniken

Bei Arthrose (Gelenkverschleiss) stehen verschiedene Arten von Knorpelersatztechniken zur Verfügung: Dabei soll gesunder Knorpel den abgenutzten Knorpel im Gelenk «ersetzen».

Bei sehr tiefen und grossflächigen Knorpelschäden zeigen diese Methoden jedoch keinen Erfolg. Sie kommen in der Praxis vor allem bei kleineren Knorpelschäden, etwa als Folge von Unfällen zum Einsatz. Zur Behandlung einer Arthrose sind sie eher weniger gebräuchlich. Wenn, sind mit diesen Methoden vor allem beginnende Arthrosen behandelbar.

Mikrofrakturierung

Die sogenannte Mikrofrakturierung soll das Gelenk anregen, selbst neuen Knorpel zu bilden. Dazu trägt die Ärztin im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) den geschädigten Gelenkknorpel bis an die Grenzschicht zum Knochen ab. Anschliessend bohrt sie in einem regelmässigen Abstand zirka drei Millimeter tiefe Löcher – die Ärztin erzeugt also künstliche Defekte. Aus diesen Bohrlöchern tritt zunächst ein Blutpfropf (sog. Blutkoagel) aus, welcher Zellen enthält, aus denen sich neuer Knorpel über die Gelenkfläche hinweg entwickeln kann. Um den neu entstehenden Knorpel zu schützen, müssen Betroffene das Gelenk für mindestens sechs Wochen entlasten. Falls sie zur Behandlung einer Arthrose erwogen wird, eignet sich die Mikrofrakturierung vor allem für eine beginnende Arthrose.

Abrasions-Arthroplastik

Bei einer Arthrose im Knie kann die sogenannte Abrasions-Arthroplastik zum Einsatz kommen. Hierbei fräst der Arzt zunächst mithilfe einer Arthroskopie die oberste Knochenschicht am Gelenk an. Es entstehen Blutungen aus dem intakten Knochen heraus, welche die körpereigenen Reparaturvorgänge anregen. Durch die Stimulation des Knochenmarks entsteht neuer Faserknorpel. Nach etwa vier Wochen hat sich auf diese Weise ein neuer Gelenküberzug gebildet, der aber weniger belastbar ist als der ursprüngliche Knorpel.

Pridie-Bohrung

Die Pridie-Bohrung ist der Abrasions-Arthroplastik sehr ähnlich. Um die Arthrose zu behandeln, setzt der Arzt am Knochen unter dem schadhaften Knorpel punktförmige Verletzungen und regt so die Bildung von Faserknorpel an. Der entstehende Knorpel ist allerdings qualitativ nicht so gut für die Funktion als Gelenkpuffer geeignet. Daher erzielt man mit diesem Verfahren nur kurz- bis mittelfristige Erfolge.

Karbonfaserstift-Implantation

Die Implantation von Karbonfaserstiften dient der Behandlung einer Kniearthrose. Hierbei bohrt der Chirurg feine Kanäle in den geschädigten Gelenkbereich und setzt dort Stifte aus Kohlefaser (Karbonfaser) ein. Die Karbonfaserstifte regen das Wachstum von Bindegewebszellen in der Tiefe an, sodass sich nach einiger Zeit am Fasergerüst des Stifts eine neue Knorpeloberfläche bildet.

Mosaikplastik

Bei der Mosaikplastik (autologe osteochondrale Transplantation) entnimmt der Arzt zunächst unbeschädigten Knorpel an einer Stelle, an der er normalerweise nicht gebraucht wird (etwa am Rand des Oberschenkelknorpels). Dieser wird dann bei Arthrose als Ersatz für zerstörten Knorpel in das betroffene Gelenk eingesetzt. Die Knorpelstücke haben eine Zylinderform und bis zu einem Zentimeter Durchmesser. Stück für Stück – mosaikartig – lassen sich so kleinere Defekte des Gelenkknorpels behandeln. Das Verfahren zeigt allerdings nur mittelfristige Erfolge, da der neu gebildete Knorpel von minderer Qualität ist. In der Regel kommt diese Methode vor allem bei Knorpelschäden infolge von Unfällen zum Einsatz, zur Therapie einer Arthrose dagegen nur in Einzelfällen.

Körpereigene Knorpelzellen-Transplantation

Bei der körpereigenen Knorpelzellen-Transplantation (matrixgekoppelte autologe Chondrozyten-Transplantation) «spendet» sich der Betroffene selbst intakten Knorpel. Hierfür entnimmt der Arzt zunächst in einem operativen Eingriff Knorpelzellen an einer intakten Stelle. Über einen Zeitraum von sechs Wochen werden diese Zellen in einem Labor in einer Nährlösung vermehrt und im zweiten operativen Schritt in das geschädigte Gelenk transplantiert.

Um den gezüchteten Knorpel im Gelenk platzieren zu können, näht die Chirurgin zunächst eine Kollagen-Membran (Kollagen-Matrix) oder (seltener) ein vom Unterschenkel entnommenes Knochenhautstück (Periost-Lappen) in den defekten Bereich ein. Unter diese Schutzhaut spritzt sie anschliessend die Zellen ein. Diese beginnen dann neuen Gelenkknorpel zu bilden. Der neue Knorpel hat nahezu gleichwertige Eigenschaften wie der ursprüngliche Gelenkknorpel und bietet somit eine mittel- bis langfristige Besserung der Beschwerden.

Alternativ kann man die Knorpelzellen schon im Labor auf die Kollagen-Membran auftragen und vermehren und diese später einnähen. Ein Periost-Lappen muss dann nicht entnommen werden. Auch das Auffüllen des Defekts mithilfe auf einer Kollagen- oder Fibrin-Matrix gezüchteter Knorpelzellen (ohne Einnähen) ist möglich.

Die Transplantation körpereigener Knorpelzellen ist vor allem für Patienten unter 65 Jahren geeignet oder für die Behandlung einer Arthrose, die noch nicht so weit fortgeschritten ist. In der Praxis wird diese Methode jedoch hauptsächlich bei kleineren Knorpelschäden (etwa als Folge eines Unfalls) eingesetzt. Wie sich eine Knorpelzellen-Transplantation auf lange Sicht bei Arthrose-Patienten auswirkt, muss sich erst noch durch Studien erweisen.

Arthrose und Ernährung

Gibt es eine spezielle Ernährung, die bei Arthrose helfen kann? Die Antwort lautet: Jein. Ein bestehender Knorpelschaden wird durch die Wahl der Lebensmittel nicht nachwachsen. Allerdings lassen sich entzündliche Prozesse – und dadurch möglicherweise auch bestehende Beschwerden bei Arthrose – mithilfe der Ernährung beeinflussen. Um das zu erreichen, sollte die Ernährung verstärkt entzündungshemmend wirkende Lebensmittel beziehungsweise Nährstoffe beinhalten. Den Anteil entzündungsfördernder Nahrungsmittel sollte man im Ausgleich möglichst verringern.

Grundsätzlich ist bei Arthrose eine ausgewogene Mischkost zu empfehlen. Diese sollte verstärkt folgende Nährstoffe beziehungsweise Nährstoffgruppen beinhalten, da diesen ein antientzündlicher Einfluss zugesprochen wird:

  • Antioxidantien: Antioxidantien sind vor allem in frischem Obst und Gemüse enthalten.
  • Vitamin D: Vitamin ist in geringen Mengen zum Beispiel in Eiern, Milch und Milchprodukten enthalten. Effektiver ist jedoch die Aufnahme über Sonnenlicht. Lässt sich der Bedarf so nicht decken, kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll sein.
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren:  Mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren findet man vor allem in Fettfischen wie Lachs, Hering und Thunfisch. Alpha-Linolensäure wiederum ist eine Vorstufe der Omega-3-Fettsäuren, die in pflanzlichen Lebensmitteln wie zum Beispiel Walnüssen, Leinöl, Rapsöl und Walnussöl vorkommt.

Entzündungsfördernde Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten sollte man dagegen möglichst meiden, das bedeutet zum Beispiel:

  • als Raucher das Rauchen möglichst aufzugeben.
  • Alkohol nur in geringen Mengen zu konsumieren.
  • weniger Nahrungsmittel mit Arachidonsäure zu verzehren, diese findet sich hauptsächlich in Fleisch und tierischen Fetten.

Bei starkem Übergewicht (BMI > 30) kann die Ernährung vor allem bei einer Kniearthrose einen grossen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben und Beschwerden lindern. Jedenfalls sofern die veränderten Ernährungsgewohnheiten mit einer Gewichtsabnahme einhergehen. Um Normalgewicht zu erreichen, empfiehlt sich eine kalorienreduzierte, aber ausgewogene Mischkost, die alle lebensnotwendigen Nährstoffe enthält.

7. Verlauf von Arthrose

Eine Arthrose beginnt in der Regel schleichend. Ohne Behandlung schreitet sie langsam fort. Rechtzeitig erkannt, kann eine Behandlung den Gelenkverschleiss jedoch positiv beeinflussen und verlangsamen. Vollständig stoppen lässt er sich nicht.

Wer durch eine Arthrose hin und wieder oder fortwährend Gelenkschmerzen hat, fällt oft in ein Schonverhalten. Um Schmerzen zu vermeiden, stellen manche Betroffene also körperliche Aktivitäten erst einmal ein. Auf lange Sicht verschlechtert das eine Arthrose jedoch eher, denn die mangelnde Bewegung schwächt die Muskeln. Auf Dauer verstärkt sich so der teils ohnehin schon eingeschränkte Bewegungsumfang eines Gelenks. Bei Arthrose ist Bewegungsmangel deshalb ein zusätzliches Risiko für die Gelenke.

Haben Sie bei Arthrose keine Angst, dass viel Bewegung den Gelenkverschleiß fördert. Schädlicher als viel Bewegung ist für Gelenke mangelnde Bewegung.

Schreitet eine Arthrose weit fort, beginnen die Knochenenden im Gelenk sich zu verändern. Bei den Betroffenen ist der Knorpel im Gelenk in diesem Stadium so weit abgerieben, dass die Knochenenden ganz oder teilweise freiliegen. Sie sind nun der Reibung und den Stossbelastungen, die beim Bewegen entstehen können, mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert. Um diese Überlastung auszugleichen, bilden die Knochenenden an den Rändern zackige Auswüchse (sog. Osteophyten). Diese Knochenveränderungen können das Gelenk in seiner Beweglichkeit stark einschränken und zu Dauerschmerzen führen. In diesem Stadium können auch hörbare Reibegeräusche im Gelenk auftreten.

8. Vorbeugen gegen Arthrose

Bis zu einem gewissen Grad ist Arthrose (Gelenkverschleiss) eine natürliche Begleiterscheinung des Alterns. Sie kann Beschwerden hervorrufen, muss es aber nicht. Bislang sind keine direkten Massnahmen bekannt, mit denen man einen Gelenkverschleiss sicher verhindern kann. Es lässt sich jedoch einiges tun, um einer frühzeitigen oder übermäßigen Arthrose vorzubeugen.

Regelmässige Bewegung

Wer einer Arthrose vorbeugen will, sollte sich regelmässig bewegen. Körperliche Aktivität stärkt die Muskulatur und hilft dabei, dass Gelenkknorpel ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Bereits moderate regelmäßige Bewegung kann sich hierbei positiv auswirken, wie zum Beispiel leichtes Walking oder Radfahren. Wichtig ist vor allem, dass Sie auf Dauer dabeibleiben.

Gelenkverletzungen vermeiden

Wird bei Gelenken die Knorpelschicht verletzt, kann das die Entstehung einer Arthrose fördern. Einem vorzeitigen Gelenkverschleiss lässt sich daher auch vorbeugen, indem man

  • auf seine Gelenke achtet und
  • Überlastungen oder Verletzungen des Gelenks soweit wie möglich vermeidet.

Achten Sie daher beim Sport darauf, Bewegungen korrekt auszuführen und übertreiben Sie es nicht mit dem Training. Insbesondere Sportanfänger sollten es langsam angehen lassen. Zwar bauen sich Muskeln durch Sport relativ rasch auf, Gelenke können jedoch etwas länger brauchen, um sich auf eine ungewohnte Belastung einzustellen.

Normalgewicht anstreben

Starkes Übergewicht ist ein Risikofaktor für Arthrose, denn das zusätzliche Gewicht belastet die Gelenke. Insbesondere Hüft- und Kniegelenke leiden dadurch. Die mechanische Belastung ist bei Überwicht jedoch nicht das einzige Problem. Die Zellen des Fettgewebes produzieren Botenstoffe, die entzündliche Prozesse in den Gelenken fördern können.

Wer Arthrose vorbeugen will, sollte daher versuchen, sein Normalgewicht zu halten oder dieses durch entsprechende Massnahmen anzustreben. Eine Gewichtsabnahme erreichen Sie am besten durch eine Kombination aus mehr Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung.

Wichtig zu wissen: Bei vorhandenem Übergewicht können bereits ein paar Kilo weniger das Arthrose-Risiko senken. Auch eine geringe Gewichtsabnahme wirkt sich günstig aus – sie kann Gelenke wie Knie oder Hüfte entlasten und entzündliche Vorgänge verringern.

Gelenkfehlstellungen bei Neugeborenen

Eine angeborene Gelenkfehlstellung bei Neugeborenen wie zum Beispiel die Hüftdysplasie kann unbehandelt zu Arthrose führen. Dem lässt sich jedoch in der Regel frühzeitig vorbeugen: Eine angeborene Gelenkfehlstellung wird meist schon während der Vorsorgeuntersuchung U2 oder U3 erkannt und behandelt.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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