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1. Überblick

Eine Bänderdehnung (Bänderzerrung) mit Schmerzen am Kapsel-Band-Apparat ist eine häufige Verletzung im Sport. Sie entsteht, wenn die ein Gelenk umgebenden Bänder durch eine hohe Belastung über den normalen Bewegungsspielraum hinaus gedehnt werden. Schnelle und unnatürliche Bewegungen – wie das Umknicken mit dem Fuss oder das Verdrehen des Knies – können eine solche Überdehnung verursachen.

Die Bänderdehnung ist eine Vorstufe von Bänderanriss und Bänderriss – sie ist der niedrigste Schweregrad einer Bandverletzung. Im Gegensatz zum Bänderriss wird bei einer Bänderdehnung das Gewebe nicht beschädigt, so dass das Gelenk stabil bleibt. Bandverletzungen am Fuss und Sprunggelenk gehören zu den häufigsten Sportverletzungen. Aber auch andere Gelenke wie das Knie oder die Fingergelenke können davon betroffen sein. Bandverletzungen kommen überwiegend im Zusammenhang mit Ballsportarten wie Fussball, Basketball oder Squash und Sprungdisziplinen vor.

Als erste Massnahme bei einer Bänderdehnung ist die PECH-Regel anzuwenden: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Eine Bänderdehnung führt oft nur zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung. Das Gelenk ist in der Regel weiterhin belastbar – der Verletzte sollte aber in jedem Fall eine (Sport)-Pause einlegen, bis die Schmerzen nachlassen und die Schwellung abgeklungen ist.

2. Definition

Eine Bänderdehnung (Bänderzerrung) entsteht, wenn der normale Bewegungsspielraum der Bänder überschritten wird, so dass sie überdehnt werden.

Die Bänderdehnung gehört neben dem Bänderanriss und dem Bänderriss zu den Bandverletzungen – sie ist die leichteste Form einer Bandverletzung. Bandverletzungen lassen sich in drei unterschiedliche Schweregrade einteilen:

  • Grad 1: Bänderdehnung (auch als Bänderzerrung bekannt)
  • Grad 2: Bänderanriss (Partialriss)
  • Grad 3: Bänderriss (Totalriss)

Eine Bänderdehnung zeichnet sich durch leichte Schmerzen beim Auftreten und Bewegen des Knöchels und durch eine leichte Schwellung aus. Im Gegensatz zu einer Bandverletzung zweiten oder dritten Grades (Bänderanriss, Bänderriss) entstehen bei einer Bänderdehnung keine Risse des Gewebes, so dass das Gelenk stabil bleibt.

Bänder verlaufen an der Aussenseite der Gelenke. Sie festigen die Gelenke und können Bewegungen führen und eingrenzen. Bänder werden durch Zellen des Bindegewebes aufgebaut und über Blutgefässe im Bereich des Übergangs zwischen Bändern und Knochen versorgt. Ihre Fasern sind in Wellenform angeordnet, um die einwirkenden Kräfte entsprechend abfedern zu können. Bei einer Bänderdehnung wird die einheitliche anatomische Form der Faseranordnung durch eine zu hohe Belastung des Bandes gestört.

Bandverletzungen der Aussenbänder im oberen Sprunggelenk des Fusses gehören zu den häufigsten Verletzungen im Sport. Auch am Kniegelenk kommt es beim Sport oft zu einer Bandverletzung. Aber auch weitere Bänder des Sprunggelenks und die Fingergelenke können von einer Bänderdehnung betroffen sein.

Bandverletzungen des Sprunggelenks

Eine Bandverletzung des Sprunggelenks ist vielen Sportlern bekannt. Dabei kann die Verletzung sowohl am oberen als auch am unteren Sprunggelenk auftreten. Das obere Sprunggelenk setzt sich aus dem unteren Schienbeinende, dem Innenknöchel, dem Aussenknöchel und dem Sprungbein zusammen. Neben Muskeln und Sehnen stabilisieren Bandverbindungen das Gelenk. Dazu gehören:

  • das Aussenband
  • das Innenband (auch Deltaband genannt)
  • die sog. Syndesmose (Syndesmosenband)
  • die Zwischenknochenmembran (bandartige Bindegewebsmembran, die Schien- und Wadenbein verbindet)

Das untere Sprunggelenk besteht aus drei Knochen: dem Sprungbein, dem Fersenbein und dem Kahnbein. Auch hier stabilisieren verschiedene Bänder das Gelenk.

Zu den häufigsten Sportverletzungen gehören Aussenbandverletzungen im oberen Sprunggelenk des Fusses. Vor allem Ballsportarten und Sprungdisziplinen sind prädestiniert für diese Art der Bandverletzungen: Wenn man nach einem Sprung mit dem Fuss umknickt, kann dies durch die dabei entstehende hohe Belastung der Bänder eine Bandverletzung am Fuss hervorrufen. Dabei senkt sich die äussere Fusskante ab und der innere Fussrand hebt sich, sodass die Aussenbänder stark gedehnt werden (Supinationstrauma). Je nachdem wie stark die Belastung ist, können ein oder mehrere Bänder dabei teilweise oder komplett reissen. Auch der schnelle Wechsel zwischen Starten und Stoppen in den Bewegungsabläufen von Sportarten wie Fussball, Basketball, Badminton oder Squash kann schnell zu einer Bandverletzung führen.

Bandverletzungen des Kniegelenks

Neben den Bandverletzungen des Sprunggelenks zählen auch die Bandverletzungen des Kniegelenks zu den häufigen Sportverletzungen. Vor allem bei Sportarten wie Fussball, Handball und beim alpinen Skisport ist das Kniegelenk hohen Belastungen ausgesetzt und dementsprechend anfällig für Verletzungen wie eine Bänderdehnung.

Das Kniegelenk besteht aus Aussenband, Innenband, vorderem Kreuzband und hinterem Kreuzband. Diese Bänder führen das Kniegelenk und sorgen für Stabilität. Neben dem Kreuzband (wobei man zwischen Riss des vorderen Kreuzbands und Riss des hinteren Kreuzbands unterscheidet) sind sehr oft die Seitenbänder von einer Bandverletzung betroffen. Zu den Seitenbändern zählen das Innenband und das Aussenband – sie stabilisieren das Knie, wenn es gestreckt ist. Bandverletzungen der Seitenbänder entstehen durch ein gewaltsames Aufklappen oder Verdrehen des Kniegelenks. Hierbei kann es zu einer Bänderdehnung, aber auch zu einem vollständigen Riss der Bänder kommen. Die Verletzung kann einseitig, aber auch beidseitig auftreten.

Für die Bandverletzung der Seitenbänder ist meistens eine Gewalteinwirkung auf das gestreckte Kniegelenk verantwortlich, wie sie zum Beispiel durch eine Tritt oder Schlag ausgeübt wird. Verletzungen der Seitenbänder können auch durch gewaltsames Verdrehen des Kniegelenks entstehen.

Kniebandverletzungen äussern sich in Schmerzen. Eine Innenbandverletzung ruft zum Beispiel Schmerzen am knienahen Oberschenkel hervor. Bei Verdacht auf eine Bandverletzung des Kniegelenks werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Stabilität des Gelenks zu überprüfen und den Grad der Verletzung festzustellen. Wenn ein Innenbandriss vorliegt, lässt sich das Gelenk nach innen aufklappen. Ist ein Aussenbandriss Auslöser für die Schmerzen, lässt sich das Gelenk nach aussen aufklappen. Bei einer Bänderdehnung ist das Aufklappen des Gelenks dagegen nicht möglich.

3. Ursachen

Eine Bänderdehnung (Bänderzerrung) ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. So kann zum Beispiel eine extreme Bewegung eines Gelenks – wie das Umknicken mit dem Fuss oder das Verdrehen des Knies – durch Verkanten oder Hängenbleiben eine Bänderdehnung auslösen. Auch eine gewaltsame Einwirkung auf das Gelenk von aussen wie ein Schlag oder Tritt zählt zu den Ursachen einer Bänderdehnung.

Bei einer Bänderdehnung wird der natürliche Bewegungsspielraum der Bänder überschritten, so dass es zu einer Überdehnung kommt. Die Bänderdehnung ist die Vorstufe zum Bänderanriss oder Bänderriss.

Häufig tritt eine Bänderdehnung bei Sportarten wie Fussball, Basketball, Badminton und Squash auf. Durch extreme Bewegungen wie schnelles Abstoppen, Starten und Drehen ist die Belastung der Bändern besonders hoch. Gerade beim Fussball besteht ein hohes Risiko, umzuknicken oder sich durch Hängenbleiben oder Verkanten ein Gelenk zu verdrehen. Auch Tritte des Gegners können ein Gelenk treffen und so eine Bänderdehnung verursachen.

4. Symptome

Eine Bänderdehnung (Bänderzerrung) ruft Symptome wie Schmerzen bei der Bewegung hervor und führt zu einem Funktionsverlust des betroffenen Gelenks. Da bei einer Bänderdehnung das Gewebe nicht geschädigt wird, tritt in der Regel kein Blut in das umliegende Gewebe aus. Deshalb bildet sich bei einer Bänderdehnung meistens kein Hämatom (Bluterguss). Es treten jedoch neben den Schmerzen weitere Symptome wie Kraftverlust und eine Schwellung auf. Im Gegensatz zu einem Bänderriss entsteht jedoch meist nur eine leichte Schwellung.

Bänder stabilisieren das Gelenk. Da das Band bei einer Bänderdehnung nicht gerissen ist, bleibt das Gelenk im Gegensatz zu Bandverletzungen wie Bänderanriss und Bänderriss trotz der Überdehnung stabil und ist weiterhin belastbar; Gehen und Stehen sind weiterhin möglich.

5. Diagnose

Bei einer Bänderdehnung (Bänderzerrung) begutachtet der Arzt für die Diagnose zunächst die offensichtlich auftretenden Symptome wie Schmerzen und Schwellung des betroffenen Gelenks. Dabei tastet er das Gelenk ab, um festzustellen, ob bei Druckausübung Schmerzen bestehen. Er überprüft ausserdem, ob ein Bluterguss entstanden ist. Ein Bluterguss und eine starke eiförmige Schwellung weisen eher auf einen Bänderriss als auf eine Bänderdehnung hin. Da bei einer Bänderdehnung kein Gewebe verletzt ist und sich deshalb kein Blut einlagert, sprechen ein fehlender Bluterguss und eine nur leichte Schwellung für eine Bänderdehnung. Wenn der Verletzte das Gelenk ausserdem belasten kann, bekräftigt dies die Diagnose einer Bänderzerrung.

Um einen Bänderanriss oder einen Bänderriss auszuschliessen, kann der Arzt zusätzlich einige Tests durchführen, um die Stabilität und die Funktionstüchtigkeit des betroffenen Gelenks zu prüfen. Eine Verletzung des Aussenbands am Sprunggelenk wird zum Beispiel mittels eines Aufklapptests untersucht: Dabei versucht der Arzt, ob sich der Fuss nach aussen aufklappen lässt. Ist das Band gerissen, lässt sich der hintere Fuss kippen (sog. Taluskippung, Sprungbeinkippung). Ausserdem kann der Arzt testen, ob ein Talusvorschub vorhanden ist, also ob sich das Sprungbein vermehrt gegenüber dem Schienbein verschieben lässt. Wenn dies der Fall ist, ist anzunehmen, dass ein Bänderriss vorliegt.

Ist das Kniegelenk von einer Verletzung betroffen, kann der Arzt auf verschiedene Tests zurückgreifen. Mithilfe des sogenannten Schubladentests kann er zum Beispiel feststellen, ob und inwieweit das vordere Kreuzband beschädigt ist. Wenn ein Band gerissen ist, ist es möglich, den Unterschenkel des Verletzten wie eine Schublade nach vorne zu ziehen. Eine Verletzung des hinteren Kreuzbands erkennt man daran, dass sich der Unterschenkel des Betroffenen in angewinkelter Position im Liegen nach hinten schiebt. Bleiben die Gelenke stabil, deutet dies darauf hin, dass ein Band lediglich überdehnt, aber nicht gerissen ist.

Eine Verletzung der Seitenbänder des Knies kann der Arzt ebenfalls mithilfe eines Aufklapptests einschätzen. Bei einem Innenbandriss lässt sich das Gelenk nach innen aufklappen, bei einem Aussenbandriss nach aussen. Ist ein solches Aufklappen nicht möglich, spricht dies dementsprechend gegen einen Bänderriss.

Diese Funktions- und Stabilitätsprüfungen können dem Arzt helfen, eine Verletzung einzuschätzen. Häufig liefern diese Untersuchungen jedoch keine 100-prozentig sicheren Aussagen, da der Verletzte seine Muskeln durch akute Schmerzen meistens stärker anspannt. Dadurch wird das Gelenk unbeweglicher, was die Testergebnisse verfälschen kann.

6. Therapie

Wie auch bei allen anderen Bandverletzungen kann bei einer Bänderdehnung (Bänderzerrung) eine konservative Therapie erfolgen.

Als Erstmassnahme sollte sich der Betroffene an die sogenannte PECH-Regel halten: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Besteht der Verdacht auf eine Bänderdehnung, sollte der Verletzte die Belastung des betroffenen Gelenks sofort einstellen, um das verletzte Band zu schonen (Pause). Die Kühlung (Eis) lindert Schmerzen und wirkt ebenfalls einer Schwellung entgegen. Zum Kühlen eignen sich sogenannte Eislollis. Alternativ können Eiswürfel verwendet werden, die am besten in einer Plastiktüte zu Eisbrei zerschlagen werden. Dieser passt sich dem verletzten Gelenk gut an. Auch Cool-Packs oder Kühlgelpackungen eignen sich zum Kühlen. Diese sollten die Haut jedoch nicht direkt berühren, da es sonst zu Erfrierungen kommen kann. Das Anlegen eines Druckverbands (Compression) soll neben der Schwellung auch der verstärkten Durchblutung entgegenwirken, die sich durch die Kälteanwendung einstellt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die elastische Binde nicht zu fest anliegt. Das Hochlagern des Gelenks verhindert Schwellungen.

Das Gelenk lässt sich bei einer Bänderdehnung weiterhin voll belasten, vorausgesetzt die Belastung verursacht keine Schmerzen. Ein Stützverband kann helfen, das Band zu stabilisieren.

In einigen Fällen wird das betroffene Gelenk für sechs bis acht Wochen mit einer sogenannten pneumatischen Stabilisationsschiene gestützt, um das verletzte Band zu stabilisieren.

Wenn keine Schmerzen mehr bestehen, kann der Verletzte die Belastung langsam wiederaufnehmen – und der Sportler kann wieder mit dem Training beginnen.

7. Verlauf

Eine Bänderdehnung (Bänderzerrung) ist in der Regel nur mit vorübergehenden Beeinträchtigungen verbunden – sie nimmt daher einen recht harmlosen Verlauf.

Meistens genügt es, sportliche Aktivitäten für einige Tage einzustellen und das betroffene Gelenk zu schonen. Dann sollten die Schmerzen schnell nachlassen und auch die Schwellung rasch wieder abklingen.

Das Gelenk ist bei einer Bänderdehnung weitgehend belastbar. Sobald keine Schmerzen mehr bestehen, spricht nichts gegen eine volle Belastung des Gelenks.

8. Vorbeugen

Einer Bänderdehnung (Bänderzerrung) können Sie nur bedingt vorbeugen. Eine unglückliche Bewegung eines Gelenks kann man nicht mit absoluter Sicherheit vermeiden. Wichtige Voraussetzungen, Verletzungen beim Sport generell vorzubeugen, sind ein gut trainierter Körper und eine geschulte Koordinationsfähigkeit. Koordinationsübungen verbessern die Steuerung von Bewegungsabläufen und schulen das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Sie umfassen Technik- und Gleichgewichtsübungen, die die Muskulatur trainieren. Eine trainierte Muskulatur kann die Gelenke zusätzlich stabilisieren und die Bänder entlasten.

Stützverbände (Tapeverbände, Braces) können ein Gelenk nach einer Verletzung unterstützen, aber auch der Vorbeugung dienen. Sie stabilisieren das Gelenk, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.